Brigitte Lacera neben der Horst-Antes-Lithografie, die Foto: Bernklau

„Lebensbilder“: Künstler und ihr Lieblingsbild, Brigitte Lacera und ein Doppelporträt von Horst Antes.

Möhringen - Alle Kunst hat Vorbilder. Manchmal begleiten Bilder oder Figuren künstlerisch sensible Menschen durch ein halbes, ein ganzes Leben. Zuweilen öffnet das Sehen von Kunst nicht nur die Augen, sondern gibt auch den Zündfunken für den Versuch, das Eigenste und Innerste mit malerischen, bildnerischen Mitteln auszudrücken. Manchmal ist das die Entdeckung der eigenen vielleicht verschütteten oder vernachlässigten Begabung. Wir wollen in der Serie „Lebensbilder“ Künstler aus der Region mit ihren Lieblingswerken vorstellen: Freizeitmaler und Profis, Anfänger und Arrivierte – mit eigenen Arbeiten oder Vorbildern, Originalen oder Reproduktionen.

„Ich komme mir neben dem Bild beschützt vor“, sagt Brigitte Lacera über den Steindruck von Horst Antes, der eine Mutter mit Kind darstellt. Die Möhringerin hat die Farblithografie „Doppelporträt Groß und Klein“ mit Signatur und der Nummer 30/200 irgendwann in den Siebzigerjahren beim Bühler Kunstverein erworben, „seither begleitet es mich mein ganzes Leben“.

Dabei wirkt dieses Bildnis in gelblich-ockerfarbenem Grundton gar nicht so anheimelnd. Vor allem die Mutter zeigt einen dieser holzschnittartig reduzierten wuchtig-kantigen Köpfe, wie sie für Antes typisch sind: mächtige Stirn, starke Nase, ein willensstark vorgerecktes Kinn, starrer, mythisch tiefer Blick. Hinter dem Gesicht erstrahlt ein Lichtkegel, hell auch die stilisierte Hand, die das Kind im Halbdunkel hält. „Wie sie es hält“, schwärmt Lacera, „diese Frau würde kämpfen für ihr Kind!“

„Manchmal wird es gut, manchmal nicht“

Der 1936 geborene Maler, Zeichner und Bildhauer Horst Antes war an der Karlsruher Kunsthochschule Schüler des Holzschneiders HAP Grieshaber. Schon früh mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, begann Antes mit der damals scheinbar alternativlosen abstrakten „informellen“ Malerei der Nachkriegszeit. Er war aber einer der Pioniere, die das Figürliche wieder ins Recht setzen wollten, und orientierte sich einerseits an Willem de Kooning, andererseits an indianischen Bildnissen. Das wieder erinnert an die Entdeckung der Kunst außerhalb der westlichen Zivilisation, wie sie das Schaffen von Malern und Bildhauern in der frühen Moderne stark beeinflusste, etwa Picasso. Der Kopf, grob stilisiert und vereinfacht, wurde für Antes auf lange Zeit fast das alleinige Thema.

Als ältestes Kind eines Testpiloten, der nach dem Krieg bei einer Kugelschreiberminen-Fabrik sein Auskommen fand, kam Brigitte Lacera in Bayern zur Welt, wuchs dann aber im niedersächsischen Bückeburg auf. Ihre Ausbildung zur Industriekauffrau führte sie später nach Stuttgart, wo sie bis zum Ende ihres Berufslebens als Finanzbuchhalterin arbeitete. Zweimal war sie verheiratet, jetzt lebt sie in einer Fernbeziehung.

Als Rentnerin begann sie ernsthafter zu malen und schloss sich vor zehn Jahren dem Möhringer Kunstkreis an. Vor allem Willi Trepl ist dort ihr Mentor beim Aquarellieren. „Manchmal wird es gut, manchmal nicht“, sagt sie, „aber ich habe gar nicht gewusst, dass ich das Malen so brauche.“ Puppen hat sie schon lange zuvor selber gemacht. Und Kunst sammelt sie schon viele Jahrzehnte. Jeder freie Platz an den Wänden ihrer Wohnung ist von unterschiedlichsten Bildern belegt, meist Grafik von Künstlern aus der Stuttgarter Region.

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