Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla Foto: dpa

Ronald Pofalla hat seine Heimat-CDU verärgert. Mit einem Wechsel des Ex-Ministers zur Bahn könnten die Christdemokraten am Niederrhein ihren Vertreter im Bundestag verlieren. Die CDU im Kreis Kleve diskutiert erst mal ohne Pofalla - denn der ist abgetaucht.

Ronald Pofalla hat seine Heimat-CDU verärgert. Mit einem Wechsel des Ex-Ministers zur Bahn könnten die Christdemokraten am Niederrhein ihren Vertreter im Bundestag verlieren. Die CDU im Kreis Kleve diskutiert erst mal ohne Pofalla - denn der ist abgetaucht.

Kleve/Kalkar - Günther Bergmann stand mitten in der Fußgängerzone, als er die Nachricht erfuhr: Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla solle in den Bahn-Vorstand wechseln, erzählte ihm ein Bekannter am Telefon. Für den CDU-Vorsitzenden im niederrheinischen Kreis Kleve war es die zweite Überraschung innerhalb weniger Wochen. Für Enttäuschung hatte Pofalla in seinem CDU-Heimatverband bereits gesorgt, als er verkündete, er werde seinen Posten im Kanzleramt abgeben, um sich auf die Familie zu konzentrieren.

In der großen Koalition ist die Niederrhein-CDU nicht mehr mit einem Ministerposten vertreten - anders als die Niederrhein-SPD, die mit der aus Kleve stammenden Barbara Hendricks den Chefposten im Bundesumweltministerium für sich gewonnen hat. Für Aufregung bei der CDU sorgte aber vor allem die Nachricht, Pofalla solle einen gut dotierten Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn erhalten, wofür er wahrscheinlich sein Bundestagsmandat für den Wahlkreis Kleve aufgeben müsse. Der Kreisvorstand erfuhr davon nur aus dem Medien. Tagelang habe es von Pofalla „kein Bild, keinen Ton“ gegeben, sagt Bergmann.

Der mögliche Wechsel Pofallas hat viele verärgert: Die Opposition in Berlin brachte umgehend Wartezeiten ins Gespräch, die ehemalige Regierungsmitglieder vor einem Wechsel in die Wirtschaft einhalten sollten. Der Bahn-Aufsichtsrat fühlte sich nicht ausreichend informiert und will erst im März über den Vorstandsposten entscheiden. Und der CDU-Kreisverband sorgt sich um das Klever Direktmandat für den Bundestag. Sollte Pofalla zurücktreten, würde der Dortmunder Thorsten Hoffmann über die Landesliste nachrücken - die CDU Kleve wäre zum ersten Mal seit 1949 ohne Vertreter im Bundestag.

Was das bedeuten würde, wollte der Kreisvorstand am späten Freitagnachmittag bei einer Klausurtagung in Kalkar besprechen. Pofalla, Ehrenvorsitzender des Kreisverbands, sei sogar in seiner Zeit als Kanzleramtsminister immer dabei gewesen, sagt ein Vorstandsmitglied. Doch diesmal sagte er dem Kreisvorsitzenden Bergmann einen Tag vorher telefonisch ab. Die CDU Kleve wird ohne ihn diskutieren müssen.

Bei der Klever Basis kommt Pofallas Schweigen nicht gut an

Bei der Klever Basis kam Pofallas Schweigen in den vergangenen Tagen gar nicht gut an. „Du hast Deine Wähler und die CDU im Kreis Kleve jämmerlich im Stich gelassen“, schrieb Christoph Andreas vergangene Woche in einer E-Mail an Pofalla, über die zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Andreas ist Ratsmitglied und stellvertretender Vorsitzender der CDU in Straelen, einer kleinen Stadt mit 15 000 Einwohnern im südlichen Teil des Kreises.

Und er ist eines der 4000 Mitglieder des Kreisverbandes, die für den Ehrenvorsitzenden Wahlkampf gemacht haben. „Man hat jemanden gewählt, und dann sagt der über Nacht, ich will was ganz anderes machen“, sagt Andreas. Der 61-Jährige findet, Pofalla hätte seine Pläne schon bei der Kandidatur bekanntmachen müssen und nicht erst später.

Sechsmal in Folge gewann Pofalla im konservativen Kleve ein Direktmandat. Auch bei der Bundestagswahl im September holte er 50,9 Prozent der Erststimmen. Das ist auch das Verdienst von Matthias Reintjes, des Vorsitzenden der Jugendorganisation Junge Union im Kreis. Er hat den Wahlkampf für Pofalla vor Ort organisiert. „Da sind viele enttäuschte Erwartungen“, sagt er. „Es ist jeder davon ausgegangen, dass wir einen Bundesminister aus der Partei hätten.“

Doch nicht überall im Wahlkreis sehe man den möglichen Wechsel Pofallas nur negativ, sagt Reintjes. Bei Emmerich plant die Bahn den Ausbau der sogenannten Betuwe-Linie. Durch den Ausbau der Bahn-Trasse soll der Rotterdamer Hafen mit Deutschland verbunden werden. Die Städte sorgen sich um Lärm, Sicherheitsrisiken und Verkehrsprobleme. Ein Bahn-Vorstand aus der Region könnte da hilfreich sein.

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