Möglicher Kollaps Droht Stuttgart ein Baustellenchaos?

Von Christoph Meyer 

Absperrungen und schweres Gerät an der Tübinger Straße – sehr zum Ärger der Anwohner und Gewerbetreibenden. Foto: Leif Piechowski
Absperrungen und schweres Gerät an der Tübinger Straße – sehr zum Ärger der Anwohner und Gewerbetreibenden. Foto: Leif Piechowski

Straßenverkehrsamt und Baubürgermeister schieben sich Schwarzen Peter zu – Händler: Umsatzverluste.

Stuttgart - Ein Schwerlaster rollt durch die Tübinger Straße und wirbelt Staub auf bis hoch in den dritten und vierten Stock der alten Gründerzeithäuser. Die geschäftige Straße im Süden der Stuttgarter Innenstadt ist derzeit von vier Baustellen geplagt, eine fünfte ist in unmittelbarer Nähe. Anwohner und Gewerbetreibende sind genervt.

Das Straßenverkehrsamt befürchtet eine ähnliche Situation an anderen Stellen in der Innenstadt und wünscht sich eine Koordinierungsstelle für Bauvorhaben. Doch Baubürgermeister Matthias Hahn winkt ab. „Geht nicht“, meint er. Er sieht die rechtlichen Voraussetzungen dafür nicht gegeben.

Für Karin Wagenfeld vom Straßenverkehrsamt ist das eine Ausrede. „Der Gemeinderat kann eine Regelung treffen, wenn er nur will“, meint die Ingenieurin. Konkret stellt sie sich vor, dass in Zukunft Sanktionen verhängt werden, wenn die Zeit zwischen Baugenehmigung und Baubeginn zu lange dauert.

Im Gerberviertel entsteht 250 Millionen Euro teures Quartier mit Wohnungen und Läden

„Das Caleido in der Tübinger Straße hat schon seit sieben oder acht Jahren eine Baugenehmigung“ sagt Wagenfeld. „Erst konnte es gar nicht schnell genug gehen, und dann ist erst einmal lange Zeit nichts passiert“, sagt sie. Das Caleido soll im nächsten Jahr fertig gestellt werden. Auf großen Plakaten wirbt der Bauherr mit dem Spruch „Raum für Weiterdenker“ für den dreieckigen Gebäudekomplex in den Büros, Wohnungen und Geschäfte einziehen sollen.

Die Baustelle fällt zeitlich zusammen mit den beiden anderen Projekten in unmittelbarer Nähe – dem neuen Gerberviertel und dem Erweiterungsbau der WGV-Versicherung. Im Gerberviertel entsteht auf 14.000 Quadratmetern ein 250 Millionen Euro teures Quartier mit Wohnungen und Läden. Auftraggeber ist die Württembergische Lebensversicherung. Die Laster für den Abtransport des Erdaushubs stehen auf der Paulinenbrücke Schlange und verlangsamen den Verkehrsfluss auf dem wichtigen City-Ring.

Die Auswirkungen sind enorm, weil zur gleichen Zeit ganz im Norden der Straße das städtische Projekt Shared Space umgesetzt wird, das einen Teil der Tübinger Straße in eine verkehrsberuhigte Zone umwandeln soll. Die Baustelle schließt sich nahtlos an eine Baustelle der EnBW an. Unter der Straße waren neue Strom-, Gas- und Fernmeldeleitungen verlegt worden. Nicht weit davon entsteht das Bürogebäude Pauline 21.

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