Die Nachricht vom möglichen Verkauf Breuningers hat in Sindelfingen viele überrascht. Wie geht es weiter mit dem Einkaufsstandort? Steht das geplante Megaprojekt Goldbachquartier auf der Kippe?
Das Breuningerland ist seit Jahren der Publikumsmagnet Sindelfingens schlechthin. Verkehrsgünstig an der A81 gelegen, zieht das Einkaufszentrum zuverlässig zahllose Shoppingbegeisterte aus Nah und Fern an – ein echter Gewinn für die Stadt. Und es sollte noch besser kommen: 2021 teilte der in Stuttgart ansässige Mutterkonzern Breuninger mit, expandieren und einen ganzen Stadtteil im Osten der Stadt neu gründen zu wollen. Die Rede ist vom sogenannten Goldbachquartier.
Seit dem Artikel der Wirtschaftswoche vom Mittwoch, wonach die Eigentümerfamilie einen Verkauf des Unternehmens plane (wir berichteten), macht sich in Sindelfingens Stadtverwaltung und unter den Stadträten Unsicherheit breit. Unsicherheit darüber, ob der Einkaufsstandort leiden oder das millionenschwere Infrastrukturprojekt Goldbachquartier eingestampft werden könnte, wenn ein neuer Eigentümer das Sagen hat.
Breuninger hüllt sich in Schweigen
Stimmen die Berichte über die Verkaufspläne? Welchen Einfluss könnte ein solcher Eigentümerwechsel auf die Shoppingmall an sich und die Erweiterungspläne haben? Anfragen unserer Zeitung an das Centermanagement in Sindelfingen und die Zentrale in Stuttgart fördern wenig zu Tage. Während die Centermanagerin an die Unternehmungskommunikation in Stuttgart verweist, heißt es von deren Seite nur: „Wir können keine Angaben machen, da Breuninger generell keine Marktgerüchte kommentiert.“
Im Sindelfinger Rathaus trägt die Informationspolitik der Unternehmensgruppe nicht zur Entspannung bei. OB Bernd Vöhringer (CDU) sagt: „Breuninger ist für Sindelfingen ein wichtiger Akteur im Einzelhandelssektor und prägt mit dem Breuningerland den Standort. Das Erweiterungsvorhaben von Breuninger und die Pläne für das Goldbachquartier hat die Stadtverwaltung als klares Standortbekenntnis verstanden. Aktuell hat die Verwaltung keine Kenntnis darüber, dass das Projekt eingestellt wird oder es zu Änderungen kommt.“ Man sei aber bemüht, Kontakt mit Breuninger aufzunehmen.
Grünen-Fraktion sorgt sich um Goldbachquartier-Pläne
Im Ungewissen wähnen sich auch die Sindelfinger Grünen. Die Fraktionsvorsitzende Sabine Kober äußert sich verunsichert. „Wir sind beunruhigt. Wir fürchten weniger um den Wirtschaftsstandort, denn die Zahlen scheinen sehr solide zu sein, als um die Erweiterungspläne.“ Weiter schreibt Kober: „Die Stadt ist in Vorleistung gegangen, um das Straßennetz dort zu ertüchtigen. Als uns vor Jahren die Erweiterungsplanungen vorgestellt wurden, wurde uns noch eine Liste von zukünftigen Mietern aufgezählt. Ob diese noch Interesse haben, wissen wir nicht.“
Ähnlich kalt erwischt wurde auch Stadtrat Max Reinhardt (FDP). „Ich war auch geschockt. Ich habe gleich zwei Anfragen an die Stadtverwaltung geschickt, inwieweit der Standort betroffen sein und inwieweit das Goldbachquartier in Frage gestellt werden könnte“, erklärt er. „Da ich ein Optimist bin, hoffe ich das Beste.“ An die Adresse der Stadtverwaltung formuliert Reinhardt die Forderung, „so zeitnah wie möglich in Gespräche mit Breuninger zu gehen.“
Abwarten auf offizielle Erklärungen
Die Sorge, dass ein potenziell neuer Käufer die Goldbach-Pläne über Bord schmeißen könnte, beschäftigt auch Richard Pitterle (Die Linke). „Ein Verkauf gibt immer Anlass zur Sorge, weil der neue Eigentümer kauft, um Gewinn zu machen. Da gibt es auch immer Vorstellungen hinsichtlich der Personalstruktur. Dies bleibt abzuwarten.“ Nachdem Breuninger in Sachsenheim ein Lager gebaut habe, sei davon auszugehen, dass das in Sindelfingen nicht aufrecht erhalten werde. „Was das Goldbachquartier angeht, bleibt abzuwarten, ob ein neuer Eigentümer die Entwicklung vorantreiben oder stoppen werde, was sehr bedauerlich wäre“, so Pitterle.
SPD-Stadtrat Axel Finkelnburg zeigt sich genauso überrumpelt. „Die Ankündigung hat mich völlig überrascht. Sie kommt quasi aus dem Nichts. Anfang des Jahres hat uns Breuninger noch den Planungsstand Goldbachquartier vorgestellt. Das liegt jetzt wohl erst mal auf Eis.“
Trotz aktueller Unwägbarkeiten und einiger Leerstände: Das Breuningerland gilt als wirtschaftliches Erfolgsmodell. Ein notgedrungener Verkauf, wie ihn die insolvente Galeria Karstadt Kaufhof-Gruppe erlebt, steht nicht zur Debatte. Wohl auch deshalb verbannt Finkelnburg ernsthafte Sorgen, dass Sindelfingens über die Region bekanntes Shoppingcenter in Zukunft nicht mehr wie gewohnt bestehen könnte, aus seinem Kopf: „Für mich wäre es undenkbar, wenn es diese Mall nicht mehr gäbe.“
Breuninger und Breuningerland
Unternehmen
Breuninger macht nach eigenen Angaben 1,5 Milliarden Euro Umsatz. Es wurde vor 140 Jahren in Stuttgart gegründet.
Standorte
Breuninger unterhält 13 Standorte in Luxemburg und Deutschland, darunter Stuttgart, Ludwigsburg und Sindelfingen.
Breuningerland
1980 eröffnete als Erweiterung des reinen Textilgeschäfts das Einkaufszentrum Breuningerland in Sindelfingen. Dieses wird von einer Betreibergesellschaft verwaltet, nicht von den Eigentümern selber.
Shops
Heute zählt das Breuningerland Sindelfingen rund 120 Geschäfte aus Handel und Gastronomie. Die Fläche beträgt 52 000 Quadratmeter.
Bericht
Die Wirtschaftswoche meldete am Mittwoch, dass die Eigentümerfamilie einen Verkauf des Unternehmens plane – trotz gut laufender Geschäfte. Es soll bereits 31 Interessenten aus aller Welt geben.