Seine guten Kontakte sind jetzt gefragt: Michael Reschke Foto: Baumann

Das Augenmerk des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart um den Sportvorstand Michael Reschke bei möglichen Wintertransfers liegt auf der Offensive. Außer Treffsicherheit steht noch eine andere Qualität oben auf der Wunschliste.

Stuttgart - Der Erste ist also vom Markt. Anthony Modeste kehrt nach einem Intermezzo in China zum 1. FC Köln zurück und erhält einen Vertrag bis 2023, das steht seit dem Wochenende fest. Der Name des bis dahin vereinslosen Stürmers war zuvor auch mit dem VfB Stuttgart in Verbindung gebracht worden. Das liegt nahe, denn der Club vom Cannstatter Wasen hat für die Winterpause Verstärkungen im Blick. Und ein treffsicherer Stürmer, der zum einen seine Qualitäten in der Bundesliga bereits nachgewiesen hat und zum anderen auch zu haben ist, passt da natürlich ganz gut ins Bild.

Doch, wie gesagt, Modeste ist nicht mehr verfügbar. Und so richtig intensiv war das Interesse aus Stuttgart auch gar nicht. Wobei bei möglichen Wintertransfers des VfB das Augenmerk definitiv auf der Offensive liegt. Ein neuer Stürmer zur Entlastung von Mario Gomez wird gesucht, dazu ein Flügelflitzer. Geschwindigkeit ist für den neuen Trainer Markus Weinzierl ein entscheidendes Kriterium: Er braucht schnelle Spieler für seinen Fußball, genau daran mangelt es aber im VfB-Kader.

Bei Alphonso Davies grätschte der FC Bayern dazwischen

Das Stuttgarter Wunschprofil lässt sich vielleicht so zusammenfassen: möglichst temporeich, möglichst torgefährlich, möglichst entwicklungsfähig. So wie Alphonso Davies. An dem Supertalent aus Kanada war der VfB im Sommer dran, die Verpflichtung stand kurz bevor. Doch der FC Bayern München grätschte im letzten Moment noch dazwischen und sicherte sich die Dienste des 18-Jährigen von den Vancouver Whitecaps aus der nordamerikanischen Profiliga MLS für zehn Millionen Euro, wobei diese Summe sich durch Bonuszahlungen noch fast verdoppeln könnte. Diese Woche noch wird Alphonso Davies in München erwartet, von 1. Januar an ist er spielberechtigt.

Die Suche in Stuttgart geht also weiter und hat durch die brenzlige sportliche Situation an Fahrt aufgenommen. Präsident Wolfgang Dietrich („Wir werden im Winter was tun müssen, ganz klar“) und Sportvorstand Michael Reschke („Es sind Überlegungen im Gange, wie wir nachlegen“) ­haben in den vergangenen Wochen eindeutige Absichtserklärungen abgegeben.

Die Entwicklungen in den nächsten Wochen werden genau beobachtet

Klar ist, dass es beim Tabellenletzten der Bundesliga angesichts einer Bilanz von lediglich acht Treffern in elf Partien Alternativen für die Offensive braucht, die Tore schießen oder vorbeiten können. Die Planungen samt der Höhe der Investitionsbereitschaft hängen aber noch von zwei Faktoren ab. Die Verantwort­lichen beobachten genau, wie sich die sportliche Situation in den nächsten Wochen entwickelt und wie die Offensivkräfte Daniel Didavi und Anastasios Donis nach ihren Verletzungspausen zurückkommen.

Wie entscheidend Wintertransfers im Kampf um den Klassenverbleib sein können, zeigt ein Blick zurück auf die jüngsten beiden Stuttgarter Erstliga-Spielzeiten. In der Saison 2015/16 kamen Kevin Großkreutz, Federico Barba sowie Artem Kravets – und der VfB stieg ab. In der vergangenen Runde hießen die Auserwählten im Winter Mario Gomez und Erik Thommy – und der VfB blieb auch dank diesen beiden Zugängen erstklassig.

Kristoffer Peterson glänzt in den Niederlanden

Da hat Michael Reschke gezeigt, dass er auf dem schwierigen Markt im Winter mit wenig Auswahl und viel Konkurrenz Treffer landen kann. Seinerzeit stand der VfB-Sportstand auch kurz vor der Verpflichtung von Maximiliano Romero. Der junge argentinische Stürmer schwenkte dann aber noch um und schloss sich PSV Eindhoven an (wo er sich aber bisher nicht durchsetzen konnte). Gut möglich, dass der Kaderplaner auch diesmal auf dem südamerikanischen Markt zuschlägt. Von dort hat er ja auch schon Santiago Ascacibar und Nicolas Gonzalez zum VfB gelotst und bereits zu Leverkusener Zeiten gute Erfahrungen gemacht.

Oder vielleicht wirft er einen Blick in die niederländische Eredivisie und auf den schwedischen Neu-Nationalspieler Kristoffer Peterson. Der 23-Jährige hat mit acht Toren in zwölf Spielen großen Anteil am Höhenflug von Heracles Almelo. Marktwert: fünf Millionen Euro, Tendenz steigend.

Kein Kontakt zu Carlos Mané

Kein Thema ist nach derzeitigem Stand dagegen Carlos Mané. Der 24-Jährige von Sporting Lissabon war von 2016 bis 2018 an den VfB ausgeliehen, fiel nach gutem Start jedoch wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie lange aus. Er kommt in Lissabon kaum zum Zug und kann sich einen Wechsel vorstellen. Im Sommer wurde eine Rückkehr zum VfB bis zum Transferschluss heiß gehandelt, momentan gibt es nach Informationen unserer Redaktion dagegen keinen Kontakt mehr.

Die nächsten Wochen und nächsten Partien – angefangen mit dem Auftritt bei Bayer Leverkusen am Freitagabend (20.30 Uhr) – werden Klarheit in die Gemengelage bringen. Sicher ist nur, dass Anthony ­Modeste nicht zum VfB-Retter wird.

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