Der Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger (CSU) befürchtet angesichts der möglichen Cannabis-Legalisierung, dass bald auch über andere Drogen diskutiert wird.
Berlin - Vor dem Hintergrund der möglichen Cannabis-Legalisierung durch die kommende Bundesregierung schlägt die CSU durch den Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger andere Töne an.
Herr Pilsinger, alle reden von Legalisierung, Sie nicht.
Genau. Die ganzen Debatten, welche Droge man als nächstes legalisieren kann, gehen alle in die falsche Richtung. Wir müssen vielmehr darüber reden, wie wir den Konsum bereits legaler Drogen reduzieren, statt darüber, noch mehr Drogen in Umlauf zu bringen.
Ihr Vorschlag?
Ich möchte, dass wir die bereits bestehende bayerische Regelung des eingeschränkten Verkaufs von Alkohol ab 20 Uhr bundesweit in verschärfter Form übernehmen. Ich bin dafür, den Verkauf von brandweinhaltigen alkoholischen Getränken, also Schnaps, Wodka und andere harte Alkoholika, ab 22 Uhr ganz zu untersagen. Der Alkoholkauf soll also ab 20 Uhr Uhr nur noch in geringen Mengen, ab 22 Uhr für brandweinhaltige Alkoholika gar nicht mehr möglich sein.
Findet nicht jeder Kaufwillige dennoch Wege?
Es gibt die klare Analyse der Polizei, dass viele Gewaltdelikte und andere Straftaten, die nachts passieren, mit dem vorherigen Kauf und Konsum von Alkohol etwa an Tankstellen oder Kiosken zu tun haben. Diesen Faktor können wir eliminieren. Die Droge Alkohol muss nicht rund um die Uhr verfügbar sein.
Dreht sich die öffentliche Debatte also gerade um die falsche Droge?
Alkohol kann massive Schäden auslösen – für den eigenen Körper, aber auch für das soziale Umfeld. Das sehe ich auch in meiner Tätigkeit als Hausarzt. Wir diskutieren viel zu wenig, über die Folgen des Alkoholmissbrauchs. Er wird viel zu oft bagatellisiert.
In der Drogenpolitik wird gerade eher über die Legalisierung von Cannabis geredet. Wie stehen Sie dazu?
Wir brauchen eine Reduzierung, keine Ausweitung verfügbarer Drogen. Ich habe bei den Debatten, die ich auch rund um die Ampel-Gespräche vernehme, den Eindruck, dass es langfristig auch um die Legalisierung aller Drogen geht. Manche Grüne und andere denken, dass wir jetzt eine Debatte über Cannabis führen und bald reden wir leider auch über weitere Stoffe. Warum soll denn Koks illegal sein und Cannabis nicht? Dann kommen vielleicht Debatten über bestimmte Pilze. Das führt ins Uferlose. Das alles geht in die völlig falsche Richtung. Schon die legalen Drogen richten zu viele Schäden an.
Was halten Sie von Modellversuchen bei der Cannabis-Legalisierung?
Es gab ja schon allerlei Versuche. Keiner ist wirklich befriedigend gelaufen. Auch die niederländischen Erfahrungen einer sehr laxen Drogenpolitik sind abschreckend. Für richtig halte ich den Vorschlag der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Daniela Ludwig, den Besitz kleiner Mengen für den privaten Konsum zu entkriminalisieren, um die Polizei zu entlasten, damit sie sich auf die Händler konzentrieren kann.