Mehr als 25 Millionen Euro investiert XXXLutz in das 1990 eröffnete Möbelhaus in Ludwigsburg. Foto: Werner Kuhnle

Der Schützenverein Eglosheim muss wegen der Erweiterung des Möbelhauses umziehen – und vertraut auf die Vertragstreue des österreichischen Konzerns.

Ende Januar schloss das Möbelhaus an der Bundesstraße 27 in Richtung Tammerfeld. Vorübergehend, denn nun entkernen Bauarbeiter das mehr als 30 Jahre alte Gebäude in dem Gebiet Mäurach auf allen vier Ebenen. Damit begann, was das österreichische Unternehmen XXXLutz seit vielen Jahren vorhatte: seine Mann-Mobilia-Filiale in Ludwigsburg zu sanieren und zu erweitern. Mehr als 25 Millionen Euro investiert das Familienunternehmen in das 1990 eröffnete Möbelhaus. Wann es wieder Kunden empfangen wird, kann XXXLutz-Sprecher Volker Michels noch nicht sagen. Nach Informationen unserer Zeitung peilt man November an.

 

Dort, wo der Erweiterungsbau entsteht, haben die Erdarbeiten begonnen. Bereits in den nächsten zwei Wochen werden die Bagger auch das Vereinsheim des Sportschützenvereins (SSV) Eglosheim abreißen. Eigentlich haben der SSV, die Stadt Ludwigsburg und XXXLutz einen Vertrag miteinander geschlossen. „Dass das neue Schützenhaus erst fertiggestellt und die Schützen in ihr neues Haus umgezogen sein müssen, bevor das alte Vereinsheim rückgebaut werden kann, war immer Forderung der Verwaltung und der Politik“, teilt Peter Spear mit, Sprecher der Stadt Ludwigsburg. Das ist erkennbar nicht der Fall. An diesem Donnerstag unterzeichne man endlich die Vereinbarung über den Neubau, erklärt Jürgen Schreiner, Vorsitzender des SSV.

„Maßlose Arroganz“ beim Möbelriesen?

Er hatte sich in der Vergangenheit über die „maßlose Arroganz“ des Möbelriesen mit 5,34 Milliarden Euro Jahresumsatz geärgert und aus Enttäuschung über die deutsche Geschäftsführung schließlich direkt mit der österreichischen verhandelt. Der vertraut Schreiner nun und hofft darauf, dass sie sich an den Vertrag und alle darin vereinbarten Punkte halten wird. Die Einigung sieht vor, dass der SSV von der Stadt ein Grundstück in der nordwestlichen Ecke des Mäurach pachtet. XXXLutz wird den Schützen darauf das neue Vereinsheim errichten, das diese dann übernehmen. Für die Verzögerungen habe er der Gegenseite einige zusätzliche Elemente abgerungen, etwa eine Photovoltaik-Anlage, berichtet Schreiner. „Am 15. Oktober soll Einzug sein. Wir hoffen, dass XXXLutz so fair ist und sich an die Zusage hält.“ Für alle Fälle hat er für jeden Monat Verzug eine Konventionalstrafe von 5000 Euro in den Vertrag verhandelt.

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„Wir freuen uns riesig auf dieses Großprojekt“, hatte Mann-Mobilia-Hausleiter Mike Möller zum Beginn des Umbaus erklärt. „Noch größer aber ist die Vorfreude auf den Zeitpunkt, wenn wir unseren Kundinnen und Kunden selbst zeigen können, was hier Großartiges entstanden ist.“ Kein Wunder: Lange Jahre hatte die Stadt Ludwigsburg um die Zukunft im Mäurach gerungen. Bereits vor neun Jahren hatte der Gemeinderat zwar zugestimmt, dass Mann Mobilia wachsen darf. Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Vertretung der Bürgerschaft sahen den Bedarf an zusätzlicher Verkaufsfläche. Erst vor drei Jahren aber segnete der Gemeinderat den nötigen Bebauungsplan endgültig ab. Auf einem Teil des Areals hatten sich geschützte Arten angesiedelt. Für die musste eine Ersatzfläche gefunden werden.

Sorge vor Staus bei den Gemeinderäten

Auch die Räte hatten sich zwischenzeitlich über ein als arrogant empfundenes Verhalten der Möbelhaus-Vertreter geärgert. Diese forderten kompromisslos, dass der Verkehr zukünftig direkt über die B27, die Frankfurter Straße, zufahren kann. Andernfalls gebe es keine Erweiterung. Aufseiten der Stadt befürchtete man, dass dies den Verkehr auf der Bundesstraße noch mehr staut. Bislang muss man zunächst auf die L1138 in Richtung Monrepos abbiegen und kommt über die Monreposstraße in das Mischgebiet. Der Kompromiss sieht nun vor, dass man auf der Hinfahrt das Möbelhaus direkt von der Frankfurter Straße erreicht. Wer seine Geschäfte dort erledigt hat, muss auf der Monreposstraße auf die L1138 fahren und von dort weiter in Richtung Freiberg oder B27. Die dazu nötigen Straßenarbeiten sollen laut Stadtverwaltung voraussichtlich im September beginnen und etwa einen Monat dauern. In dieser Zeit wird der Verkehr von Ludwigsburg in Richtung Tammerfeld und umgekehrt nur auf jeweils einer Spur fließen.

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Lange stand auch die Frage im Raum, ob man im Mäurach ein kleines Gewerbegebiet ausweist – was der Gemeinderat schließlich ablehnte. Ein Grundstückseigentümer hatte sich auf Zusagen früherer Oberbürgermeister berufen, dass dort Gewerbe entstehen würde. Er hatte sein Land als Ersatz dafür erhalten, dass er Flächen abgeben musste, auf denen die Umgehungsstraße L1138 entstand. Dabei habe man ihm versichert, es handle sich um entsprechend hochwertige Fläche. Über Vertragsdetails könne man zwar keine Auskunft geben, teilt Stadt-Sprecher Peter Spear mit, aber: „Mit den Nachbarn, die auf ein Gewerbegebiet gehofft hatten, ist es zu einer vertraglichen Verständigung gekommen.“

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