Wie geht es weiter mit der Opti-Wohnwelt in Backnang? Zumindest „bis auf Weiteres“ sollen alle Filialen des Unternehmens geöffnet bleiben. Foto: Frank Rodenhausen

Die Möbelhaus-Gruppe steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeit. Das Amtsgericht Schweinfurt hat am Montag einem Insolvenzantrag im sogenannten Eigenverwaltungsverfahrens entsprochen. Betroffen ist auch der Standort Waldrems.

Mit einem Fachhandel für Bodenbeläge zweier Brüder hat die Firmengeschichte des Familienunternehmens Föst in den 1970er-Jahren begonnen. Nun zählt die Opti-Wohnwelt-Gruppe mit Sitz im unterfränkischen Niederlauer (Kreis Rhön-Grabfeld) mit ihren insgesamt 41 Niederlassungen zu den 20 größten Möbelhändlern Deutschlands. Doch die Firma, die in Backnang-Waldrems eines ihrer umsatzstärksten Häuser betreibt, ist offenkundig in finanzielle Schieflage geraten.

 

Besonderes Insolvenzverfahren eröffnet

Wie eine Firmensprecherin auf Nachfrage bestätigt, habe man am Freitag vergangener Woche beim zuständigen Amtsgericht Schweinfurt einen Insolvenzantrag auf die Eröffnung eines sogenannten Eigenverwaltungsverfahrens gestellt. Dem Antrag sei am Montag schließlich stattgegeben worden.

Das Eigenverwaltungsverfahren ist eine Sonderform der Insolvenz, bei der das Unternehmen unter der Aufsicht eines Sachwalters letztlich die Aufgaben eines Insolvenzverwalters übernimmt und damit – unter Berücksichtigung der Gläubigerinteressen – selbst den Sanierungskurs bestimmt. Das Familienunternehmen befinde sich derzeit in der größten Umstrukturierung ihrer fast 50-jährigen Firmengeschichte, sagt der Geschäftsführer Oliver Föst. Mit Hilfe einer spezialisierten Restrukturierungsberatung sei in den vergangenen Tagen allerdings klar geworden, dass die Maßnahmen schneller und konsequenter erfolgen müssten. Von dem jetzt eingeleiteten Eigenverwaltungsverfahren erhoffe man sich, das Unternehmen bei laufendem Betrieb neu aufstellen und langfristig auf solide finanzielle Füße stellen zu können.

Möglicherweise hat sich das stetig wachsende Familienunternehmen bei seinem jüngsten Expansionskurs etwas zu viel zugemutet. Opti hatte vor drei Jahren mehrere Häuser des Gelsenkirchener Möbel-Discounters Roller aufgekauft und nur ein Jahr später die Eröffnung eines City-Wohnkaufhauses in Bremen gefeiert. Die Übernahme von 20 neuen Standorten habe sich ab dem Jahr 2021 nicht so positiv wie erwartet entwickelt, räumt der zweite Geschäftsführer Michael Föst ein. So hätten sich kalkulierte Skaleneffekte wegen externer Faktoren wie dem Ukraine-Krieg, Lieferkettenproblemen, starker Inflation und hoher Rohstoffpreise nicht eingestellt, was zu deutlich reduzierten Erträgen geführt habe.

Sanierungsexperte als Generalbevollmächtigter

Im Eigenverwaltungsverfahren unterstützt wird die Opti-Geschäftsführung vom Sanierungsexperten Philipp Grub von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger. „Wir werden den Geschäftsbetrieb bei der Opti-Wohnwelt wie gewohnt fortsetzen und uns mit allem Engagement auf die Kernkompetenzen des Unternehmens und die besonders rentablen Standorte konzentrieren“, wird der Rechtsanwalt, der als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten ist, in einer Mitteilung zitiert. Und: „Die Chancen stehen gut, dass wir die Opti-Wohnwelt schon bald wieder auf solide Füße stellen.“ Für die Kunden solle sich vorerst nichts ändern. „Bis auf Weiteres“ sollen alle Filialen regulär geöffnet bleiben und „mit attraktiven Angeboten aufwarten.“

Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Stefan Debus von der auf Sanierung und Insolvenzverwaltung spezialisierten Münchener Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen bestellt. Auch Debus geht nach jetzigem Stand davon aus, dass „die Opti-Wohnwelt-Gruppe mittelfristig zukunfts- und wettbewerbsfähig ausgerichtet werden kann“. Voraussetzungen seien allerdings auch „eine klare Positionierung des Unternehmenskerns“ und die Schaffung tragfähiger Kostenstrukturen.

Was wird aus dem Standort Backnang?

Welche Rolle bei der Neuausrichtung die Niederlassung Backnang-Waldrems spielen wird, will das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Laut Aussage einer Unternehmenssprecherin gehört die an der B 14 gelegene Filiale mit ihren 109 Mitarbeitern und einer Verkaufsfläche von 23 000 Quadratmetern aktuell aber zu den „wichtigsten Häusern“ der Opti-Gruppe. Der gesamte Großraum von Stuttgart über Mannheim bis jenseits von Schwäbisch Hall werde von dort aus bedient.

Opti hatte den Standort im Jahr 2009 übernommen, nachdem das damalige Wohnland seinen mehr als 100 Mitarbeitern gekündigt und sein Möbelhaus nach mehr als drei Jahrzehnten geschlossen hatte. Damals hatte Opti gerade einmal sieben weitere Niederlassungen in der Region Unterfranken und in Südthüringen.