Kaum noch Kundschaft verzeichnet das Ludwigsburger Marstall-Center. Foto: Leif Piechowski

Nach jahrelangem Stillstand soll es mit dem Ludwigsburger Einkaufskoloss Marstall-Center so schnell wie möglich wieder aufwärtsgehen. Bereits 2014 will der Hamburger ECE-Konzern mit der Umgestaltung des überwiegend leer stehenden Shopping-Tempels starten.

Ludwigsburg - Eine offizielle Bestätigung ist weder im Ludwigsburger Rathaus noch bei dem Kaufhausbetreiber aus der Hansestadt zu erhalten. Doch die Zeichen stehen gut, dass das in die Jahre gekommene Marstall-Center am unteren Ende der Fußgängerzone eher früher als später ein neues Gesicht erhält. Bei einer Versammlung der Wohnungsinhaber und Geschäftseigentümer in dem Hochhauskomplex hat der ECE-Konzern jüngst im Ratskeller die ersten Pläne für die Revitalisierung der 22.000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche vorgestellt. Und noch im Frühjahr wollen der Investor und die Rathausspitze dem Vernehmen nach die nötigen städtebaulichen Verträge unterzeichnen.

Läuft alles nach Plan, könnten noch in diesem Jahr die konkreten Unterlagen für ein Baugesuch auf den Tisch kommen. Ein Beginn der Sanierungsarbeiten wäre nach Lage der Dinge ab Frühjahr 2014 möglich. Die Modernisierung wurde bisher auf etwa 90 Millionen Euro veranschlagt, allein für den Grunderwerb sind 13 Millionen Euro im Gespräch. Bereits im Jahr 2015 könnte ein erster Teil des Einkaufszentrums wieder für die Kundschaft öffnen. Bis die komplette Sanierung des Marstall-Centers beendet ist, geht wohl ein weiteres Jahr ins Land.

Beim Treffen der Eigentümer haben die Projektentwickler hinter verschlossenen Türen offenbar eine baldige Unterzeichnung der Verträge in Aussicht gestellt. Als sicher galt bisher, dass der Immobilien-Deal bis März 2013 über die Bühne gehen muss – so lange gilt die Verkaufsoption der Besitzer. Die Wohnungsinhaber im Marstall-Center stimmten den im Ratskeller vorgestellten Plänen für die neue Fassade und die Umgestaltung der unteren drei Etagen mit großer Mehrheit zu. Der 1975 als Einkaufszentrum eröffnete Betonklotz – einst als großer Wurf für den Einzelhandel in der Innenstadt gefeiert – gilt in Ludwigsburg mittlerweile als veritable Bausünde. Weil die äußerst komplizierte Eigentümerstruktur eine überfällige Modernisierung jahrelang verhinderte, blieb immer mehr Laufkundschaft weg. Und spätestens als mit der sehr erfolgreich laufenden Wilhelm-Galerie in der City ein neuer Publikumsmagnet entstand, suchten auch die Händler das Weite. Mit dem Auszug von Karstadt schien der Niedergang des Einkaufszentrums nicht mehr aufhaltbar – statt attraktiver Läden prägten rund um das Marstall-Center bald Spielcasinos und Ramsch-Händler das Bild.

Knackpunkt Tiefgarage unter Einkaufszentrum

Ludwigsburgs Stadträte hatten dem ECE-Konzern deshalb bereits im Oktober grünes Licht gegeben – und in einer nicht öffentlichen Sitzung beschlossen, dass sich der Betreiber des mit 41.000 Quadratmeter Verkaufsfläche knapp doppelt so großen Breuningerlands an der A 81 künftig auch um den Kaufhauskomplex in der Innenstadt kümmern soll. Allerdings will im Rathaus noch niemand von einem Durchbruch sprechen. „Einen Vollzug gibt es nach wie vor nicht zu vermelden“, stellte Ludwigsburgs Wirtschaftsförderer Frank Steinert klar. Vor einem Abschluss am Verhandlungstisch sind aus Sicht der Stadt „noch Steine aus dem Weg zu räumen“. Der ECE-Sprecher Christian Stamerjohanns war für eine Stellungnahme am Mittwoch leider nicht zu erreichen.

Ein Knackpunkt bei den Gesprächen zwischen Stadt und Investor ist offenbar die Tiefgarage unter dem Einkaufszentrum. Um das Marstall-Center attraktiver für die Kundschaft zu machen, soll es offenbar auch für die unübersichtlichen Parkdecks mehr als nur etwas Schönheitskosmetik geben. Allerdings hat der Betreiber der Stellplätze noch einen mehrere Jahre laufenden Vertrag. Fürs Rathaus mindestens ebenso wichtig ist die Frage, ob bei der Sanierung nur die Südfassade des Einkaufszentrums ein neues Gesicht erhält . Gehofft hatte die Stadt, dass unter der neuen Regie rund ums Marstall-Center auf eine verbesserte Optik gesetzt wird. Schließlich will Ludwigsburg selbst im Umfeld des Betonblocks drei Millionen Euro ausgeben, um der Kundschaft mehr Lust auf einen Einkaufsbummel zu machen.

Die Umbaupläne für die Shopping-Mall im Marstall-Center beinhalten eine grundlegend neu gestaltete Einkaufspassage. Die Fußböden und Decken sollen im Zuge der Sanierung ebenso komplett erneuert werden wie die technische Infrastruktur. Angedacht ist ein neuer Zuschnitt der Ladenlokale, neben Rolltreppen und zwei Aufzügen will ECE auch die dunkel und verwinkelt wirkenden Treppenhäuser umgestalten. Künftige Ankermieter sollen eine große Drogerie, Lebensmittel und ein Elektronikmarkt sein.

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