Moderator Alexander Franke (rechts) interviewt im Stadion-Sportstudio den VfB-Profi Chris Führich. Foto: /Wolfgang List

Vor 30 000 Fans wird er auf dem Schlossplatz moderieren – und wird damit zu einem Gesicht der Fußball-EM in Stuttgart: Alexander Franke, genannt Sandy, ist auch beim VfB eine feste Größe. Seine Karriere verdankt er einem Zufall. Wir haben ihn begleitet.

Ein VfB-Fan ist Alexander Franke, den alle Sandy nennen, seit Kindheitstagen. Für eine eigene Fußballkarriere hat sein sportliches Können zwar nicht gereicht, doch er hat andere Wege gefunden, den Profis ganz nahe zu sein. In der Schule sei er beim Kicken weniger durch Torschüsse aufgefallen als vielmehr durch Gags, erzählt der 39-Jährige: „Während des Spiels habe ich Witze von Otto erzählt – mein Vater wurde deshalb vom Lehrer in die Schule bestellt.“

 

Seinen Spitzname verdankt Franke dem Umstand, dass er als kleines Kind den eigenen Vornamen Alexander nicht richtig aussprechen konnte – es wurde Sandy daraus.

Die Abkürzung blieb bis heute – sie klingt halt cool. Und das ist der vielseitig tätige Moderator bis heute selbst. So cool ist er, dass ihn scheinbar nichts aus der Ruhe bringt. Beim Talk sind seine Fragen überlegt, geistreich, souverän, niemals überdreht – man spürt, dass sich einer mit dem Thema und der Person, die interviewt wird, befasst hat.

Moderator des stadioneigenen Fernsehens

Bei Heimspielen des VfB Stuttgart sitzt der Sandy auf der Haupttribüne der MHP-Arena in Reihe eins, gleich hinter der Spielerbank und dem Trainer. Dass ihm dies mal gelingen sollte, hätte er sich als Kind nie träumen lassen. Den guten Platz braucht er, weil er nicht nur zum Spaß zuschaut.

Seit vier Jahren ist der Stuttgarter Moderator des stadioneigenen Fernsehens, das an vielen Orten der Tribünen, Logen und des Business-Centers übertragen wird. So werden die Fans beim Besuch in der Arena mit wichtigen Infos versorgt, wenn er etwa mit VfB-Profis Chris Führich talkt.

Franke steht im Sportstudio auf Ebene 1 des Business-Centers vor der Live-Kamera. In der Halbzeit sowie nach Abpfiff analysiert er Spielszenen. Etwa zehn Minuten vor dem Schluss muss er seinen Platz in Reihe eins verlassen, sputet ganz hoch in die Studioregie, um auszuwählen, welche Ausschnitte er zeigen will. Ein bisschen peinlich sei es ihm, früher den roten Klappsitz zu verlassen. „Die Leute denken, was ist das für ein Fan, der nicht bis zum Ende bleibt“, sagt Sandy.

Für seine „Sprechstunde“ bei Dasding bekam er den n Deutschen Radiopreis

Mit nur 15 Jahren war Alexander Franke Deutschlands jüngster Radiomoderator. „Als Schüler durfte ich als Praktikant beim SWR in Stuttgart reinschnuppern“, erzählt er, „dann wurde eine Moderatorin überraschend krank.“ Es habe nur zwei Möglichkeiten gegeben für den Redaktionsleiter: entweder die Sendung fällt aus – oder der junge Kerl darf als absoluter Anfänger live ran. Der Chef entschied sich für die Lösung zwei. Sandy wurde also ins Wasser geworfen – und konnte von Anfang an gut schwimmen. Ein Naturtalent ist er also, weil er vor dem Mikro nicht anders redet als privat.

Heute wird Franke auf vielen Positionen der Medienspielfelder eingesetzt: Freier Mitarbeiter beim SWR mit der Live-Sendung „Sprechstunde“ bei Dasding (ausgezeichnet mit dem Deutschen Radiopreis), einige Jahre lang war er Bühnensprecher bei „Rock am Ring“, für Sender wie Sky Sport berichtet er vom internationalen Pferdesport, wird als Auktionator wegen seiner stoischen Ruhe geschätzt. Man kann gar nicht aufzählen, in welche Mikros er sonst noch alles spricht.

Bald kommt eine weitere Aufgabe dazu: Sandy moderiert auf dem Schlossplatz bei den Live-Übertragungen der Fußball-EM. Damit tritt er in die Fußstapfen des legendären Matthias Holtmann, der beim Sommermärchen der Fußball-WM 2006 auf der Bühne vor dem Neuen Schloss stand.

Was macht die Nervosität, wenn er vor so einer Masse spricht? „Du denkst nicht an die unfassbare Zahl der Zuhörer“, sagt der 39-Jährige, „das blendest du aus.“ Da sei es oft anstrengender, vor wenigen Menschen zu sprechen, die er einzeln sieht.

Bei „Wer wird Millionär?“ hat er 64 000 Euro gewonnen

Es ist nicht nur der Fußball, der ihn fasziniert. Seine zweite Leidenschaft sind Pferde, die ihn zum Moderieren auf Rennbahnen bringt. Als der Stuttgarter 2015 bei „Wer wird Millionär?“ von Günther Jauch 64 000 Euro gewonnen hat, kaufte er sich von dem Geld – na, was wohl? Ein Rennpferd!

Erst liebte er die Pferde, dann die Studentin Victoria, die in Iffezheim die Preise überreichte. Heute ist sie Projektplanerin für eMobility bei der Daimler Truck AG und seine Frau. Zur Verlobung schenkte er ihr ein Hengstfohlen mit dem Namen Marry Me – also mit der Bitte „Heirate mich!“ Sie hat Ja gesagt – auch als OB Frank Nopper als Standesbeamter die Frage aller Fragen stellte.

Auf dem Unterarm hat er das Logo seiner Ginmarke tätowiert

Auf seinem Unterarm hat der Ehemann allerdings einen anderen Namen tätowiert. „Ginstr“ steht da drauf. Zu sehen ist das Logo seiner Gin-Marke, für die er mittlerweile ebenso bekannt ist wie für Moderationen.

Alles fing damit an, dass er mit Winzersohn Markus Escher in einer Bar einen Gin Tonic nach dem anderen kippte, die Welt besprach, lachte und träumte. „Wir beschlossen, nur für uns einen Gin zu machen mit Zutaten aus der Region“, erzählt der 39-Jährige. Was daraus geworden ist, ist ein modernes Märchen – nicht nur für einen Sommer.

Mehrfach preisgekrönt ist ihre „Hommage an Stuttgart“, wie die Start-up-Gründer den Inhalt ihrer Apothekerflaschen beschreiben. Die Marke mit vielschichtiger Zitrusnote und alkoholischer Milde wurde zweimal als weltbester Gin zum Tonic ausgezeichnet und war sogar im Weltall für ein Experiment von Studierenden der Institut der Raumfahrtsysteme an der Uni Stuttgart.

Bereit für ein Déjà-vu

Völlig losgelöst abheben wird Sandy, wenn bald Tore für Deutschland bei der EM fallen. Er wird sie auf der Riesenleinwand bejubeln, die auf dem Schlossplatz steht, also dort, wo er vier Wochen lang moderiert.

Franke ist bereit für ein Déjà-vu, das ungewohnte Kräfte freisetzt in einer gastfreundlichen Stadt, in der man sich auch auf gute Spiele anderer Nationen freut. „Stuttgart ist viel schöner als Berlin“, sangen die Fans bei der WM 2006, völlig zu recht, wie er findet. Jetzt hofft der 39-Jährige, dass Stuttgart erneut seine Schönheit entfalten kann, freut sich auf einen Rausch aus Leichtigkeit, Leidenschaft und Lebenslust. Sandy wird ein Teil davon. Es gibt Menschen, die zählen bereits die Tage. Besonders wird es ihm gefallen, wenn VfB-Spieler im Nationaldress glänzen. Die Stimmung in der MHP-Arena ist bereits jetzt unfassbar emotional. Wie werde dies erst bei der EM?, fragt der Mann von Reihe eins. Die Stadt macht ihn happy. Wie schön es doch ist, Stuttgarter zu sein!