Sie bieten Upcycling-Mode aus Fellbach: Rafael Alkhouri Elyas (links) und Leander Gottwald. Foto: Eva Herschmann

Der 23-jährige Rafael Alkhouri Elyas und Leander Gottwald, 26, aus Fellbach kreieren Mode aus Stoffen und Kleidern, die andere wegwerfen. Wir zeigen Bilder von ihrer ersten Modenschau.

Leander Gottwald ist gelernter Koch. Der 26-Jährige hat im Hotel Bareiss in Baiersbronn – mit Drei-Sterne-Restaurant – gelernt und in internationalen Küchen in St. Moritz oder Neuseeland gearbeitet. Rafael Alkhouri Elyas, 23 Jahre, hat in Stuttgart ein Architekturstudium mit dem Bachelor abgeschlossen. Gemeinsam machen die beiden Fellbacher jetzt „Up-Cycling-High-Fashion-Mode“.

 

Unter dem Markennamen Battosaï kreieren sie von Hand Einzelstücke aus Stoffen und Kleidungsstücken, die andere wegwerfen. „Wir machen aus altem Zeug Neues“, sagt Gottwald. Am Samstag haben sie ihre erste Modenschau im Fellbacher Kunst-Werk präsentiert.

20 Models – keine gelernten, sondern Freundinnen und Freunde der beiden sind für Battosaï über den Laufsteg gegangen – haben 40 Modelle der neuen Modemarke präsentiert. Auch Monika Rajkovic, die Leiterin des Kunst-Werks, hat sich von Leander Gottwald und Rafael Alkhouri Elyas einkleiden lassen und den Catwalk eröffnet. Die Mode der beiden Newcomer ist kreativ, bunt, eigenwillig, hochwertig – und jedes Teil ist ein Unikat.

Die Quereinsteiger mixen Muster, Farben und Materialien

Hemmungslos und mutig mixen die beiden Quereinsteiger Muster, Farben und Materialien. Keine Ausbildung in Mode und Design zu haben, sei vielleicht gerade ihre Stärke, sagt Leander Gottwald. „Wir halten uns an keine Regeln, weil uns nie ein Lehrer gesagt hat, das oder das geht gar nicht. Unser Kopf sagt nie: Hey, das funktioniert nicht.“

Impressionen von der Modenschau Foto: Eva Herschmann

Eine gewöhnliche Einzelgarage in der Thomas-Mann-Straße im Fellbacher Oberdorf ist die kreative Zentrale von Battosaï. Drinnen steht ein Heizungslüfter, der „gefühlt mehr Jahre auf dem Buckel hat als Rafael und ich zusammen“, sagt Leander Gottwald. Es gibt einen großen Architektentisch, den sie aus zweiter Hand haben. Das Einzige, was sie sich gekauft hätten, seien eine Siebdruck- und eine Airbrush-Maschine, um T-Shirts zu drucken und zu bemalen.

Dort sitzen die beiden Jungs, die sich erst seit rund einem Jahr kennen, nahezu jede Nacht und arbeiten an ihren Modellen. Die Stoffe und die abgelegte Kleidung bekämen sie von überall her, erzählt Leander Gottwald. „Von Freunden, von Oma und Opa, und aus den Resten, die in der Kerschensteinschule für Mode und Design in Stuttgart abfallen und sonst im Müll gelandet wären“, erzählt der 26-Jährige.

Die Liebe zur Schneiderei hat Leander Gottwald durch seine Oma Aloisia, genannt Liesel, entdeckt, die gelernte Damenschneiderin war. Nach dem Abitur, erzählt Leander Gottwald, habe er keinen Bock zum Studieren gehabt. „Ich liebe Mode und Kochen, das ich von meiner Mama gelernt habe, und ich habe mich in dem Moment für das bodenständigere Handwerk entschieden.“ Talentiert ist der Fellbacher nicht nur beim Komponieren von Farben, Mustern und Textilien, sondern auch am Herd. Doch ihm fiel es zunehmend schwer, hochwertige Nahrung wegzuwerfen, weil in der Gastronomie beispielsweise längst nicht alles vom Tier verwendet wird.

Mit Battosaï wollen Leander Gottwald und Rafael Alkhouri Elyas bewusst einen Gegenpol zur Wegwerfgesellschaft setzen. „Mode, die mit billiger Kinderarbeit hergestellt wird, geht gar nicht. Bei uns gibt es nur Einzelstücke, jedes von Hand genäht, denn wir wollen keine Massenware produzieren“, sagt Gottwald. Die Nähmaschine von Oma Liesel haben sie aber reparieren lassen. „Bis jetzt arbeiten wir nur von Hand, das dauert sehr lang. Wir brauchen jetzt schon mal eine Nähmaschine.“

Die Fellbacher haben den Rapper Jazeek eingekleidet und gestylt

Kleine Erfolge feierte die junge Modemarke bereits vor der ersten Couture-Schau in Fellbach. Einige ihrer handgefertigten Stücke hängen in der Boutique Geschwisterliebe in Stuttgart. Und den Rapper Jazeek, der im April mit seinem Song „Akon“ auf Platz eins der deutschen Singlecharts stand, haben sie für ein Video eingekleidet und gestylt. Auch nach der Modenschau am Samstag haben sie ein paar Stücke verkauft, aber genauso viele auch verschenkt. „An Freunde, die uns geholfen oder zu unserer guten Laune beigetragen haben“, sagt Leander Gottwald.

Der 26-Jährige, der nebenbei in der Firma seines Vaters mitarbeitet, und Rafael Alkhouri Elyas streben nicht nach Geld und Ruhm. Die zwei machen das, was ihnen Spaß macht – und, was ihrer Einstellung zum Leben entspricht. Neben nachhaltiger Mode geht es ihnen um eine andere Gesellschaft, um Verbindungen und Beziehungen.

Am Samstag haben sich neue Verbindungen ergeben. „Wir werden mit zwei Künstlern aus dem Kunst-Werk kooperieren und Motive und Werke von ihnen auf unsere Mode bringen – entweder im Siebdruck oder aufgenäht“, so Leander Gottwald. Und sie haben am Samstag eine Jacke gegen ein Bild getauscht. „Das hängt ab jetzt in unserer Garage.“