Die Gäste sind begeistert: „Hier ist alles in sich schlüssig. Die Gleise, Wege, Straßen, Gebäude, Landschaften: Nichts, was es nicht gab oder gibt.“ Foto: Werner Kuhnle

Attraktion im Kreis Ludwigsburg: Mehr als 2000 Besucher lassen sich faszinieren von der Eisenbahn-Miniaturwelt der Modellbahntage im Freiberger Prisma.

Ja, ist denn schon Weihnachten?! Sieht fast danach aus. Die kleine Dampflok jedenfalls, die da nonstop durch das schwer überschaubare Eisenbahn-Universum im großen Saal schnurrt, verkündet mit ihrer Aufschrift unermüdlich ein „Merry Christmas“. Diesen kleinen Spaß haben die Aktiven des Modelleisenbahnclubs Freiberg am Neckar (MEC) speziell für dieses Jubiläum gebastelt: zum 20. Mal schon präsentieren sie im Prisma, was in 61 Jahren Vereinsgeschichte geschaffen wurde und was sonst das Jahr über mangels Platz weitgehend eingepackt und eingelagert bleiben muss.

 

Eine Bescherung sind die beiden „Freiberger Modellbahntage 2025“ für die wieder rund 2000 Besucher aber auch insgesamt, selbst wenn nur die Hälfte der MEC-Schätze hier reinpasst. Mit glänzenden Augen und nach Stunden teils auch mit roten Bäckchen bestaunen die Besucherscharen diese faszinierende Märchenwelt aus einer Zeit, als die Bahn noch keinen Pünktlichkeitskorridor hatte, sondern tatsächlich zuverlässig und pünktlich war. Und selbst auf den Baustellen für neue Module geht es hier zügig voran. Da könnte sich die DB-Spitze in Berlin mal ein Scheibchen von abschneiden!

Auf der Suche nach Schnäppchen

Direkt unter den Christbaum seiner Kindheit führt die Schau den Papa aus Kirchheim am Neckar, der mit seinen zwei Jungs hier unterwegs ist: „Unterm Christbaum lag immer ein Gschenkle zur Spielzeugeisenbahn, und zu Weihnachten wurde alles aufgebaut. Das war ein echtes Highlight“, erzählt Philip, während er Max einen Vorschuss aufs Taschengeld gibt, denn Max ist bereits fündig geworden auf dem Flohmarkt hier. 13 Euro sind fällig für den Güterwagen mit Baucontainer, während Florian weitersucht nach einer Lok, die in die Märklin-Welt passt, die jetzt „beim Opa“ ein ganzes Zimmer füllt: „Er findet bestimmt noch was, denn ohne was zu kaufen für die Jungs, komme ich hier nie raus“, sagt Philip amüsiert.

Rund 60 Meter umfassen die 35 Module, die MEC hier in einem Doppel-U zu einer einzigen großen Eisenbahn-Miniaturwelt zusammengefügt hat. „Every part has a story“, jubiliert die in Sersheim arbeitende Polin Agnieszka, die fleißig Fotos macht und gleich an die Freunde „über alle Grenzen hinweg“ verschickt. Jeder Abschnitt erzählt eine eigene Geschichte: Perfekt bringt sie damit die Vielfalt der Landschaften, Städtebilder, Dörfer, Weiler, Wälder und Wiesen, die Berg- und Tal- und Tunnelfahrten diese HO-Betriebes auf den Punkt, wo im Maßstab 1:87 auf 16,5 Millimeter Spurbreite alles wie am Schnürchen läuft. Mit Loks, Waggons und Güterzügen aus bestimmt hundert Jahren Eisenbahngeschichte: „I love it!“

Selbst in den Pausen gebastelt

Ein direkt ins Auge springender Hingucker und entsprechend umlagert ist das Element, das Wolfgang Grimm geschaffen hat: ein blinkender Wasen-Rummel mit 25 Buden und Fahrgeschäften en miniature: „Ich kann alles außer dunkel“, lacht der Gemmrigheimer, der allein in die Box-Auto-Anlage ein Jahr Arbeit gesteckt hat. Selbst in den Mittagspausen habe er „mit Erlaubnis des Chefs an den Sachen gebastelt“, berichtet der Kraftfahrzeugmeister und ist sicher: „Mit wird nicht langweilig im Ruhestand!“ Jetzt aber muss er die Schiffschaukel aktivieren, die dann auch umgehend blinkt und schaukelt. Es würde nicht wundern, wenn jetzt Beifall einsetzte.

„Spielzeuge sind das heute nicht mehr“

„Das ganze Leben, ein einziger großer Zirkus“, kommentiert Theo die bunte Szenerie lachend, während er mit Andreas und Wolfgang den großen Bahnhof in Gründerzeit-Architektur inspiziert. „Wir sind alle Eisenbahner“, stellt das Trio beschwingt fest. Irgendwas zwischen zehn und 15 Quadratmetern stehe auch bei ihnen zuhause herum. Zum MEC-Act kommen sie Jahr für Jahr, „auch um ein paar Ideen zu klauen“, denn diese Schau sei schon „etwas sehr Besonderes“, und zwar „en gros und en détail“, wie das Trio betont. „Alles in sich schlüssig. Die Gleise, Wege, Straßen, Gebäude, Landschaften: Nichts, was es nicht gab oder gibt.“ Einen Unterschied heben sie aber beim Fachsimpeln hervor: „Spielzeuge sind das heute nicht mehr. Wenn du die Verkleidung abnimmst, siehst du nur noch digitale Bauteile.“ Und früher? „Da war ein Motor drin. Vorwärts, rückwärts. Das war’s.“ Und doch könne man hier „Nostalgie tanken“.

Für ihn sei diese Miniaturwelt „wie Meditation vor einem Aquarium“, sagt Martin Saalfrank, der die Schmalspurbahn zwischen Steinheim und Maulbronn hin- und herschickt: „Ich brauche hier keine Beruhigungspillen“, versichert der einstige Freiberger Apotheker.

Das gefällt auch dem MEC-Vorsitzenden Eckhard Rühle: „Wir können uns hier zeigen, aber einmal im Jahr können wir auch mal selber wieder richtig spielen.“ Wie einst an Weihnachten.