Der Modelleisenbahn-Club Kirchheim (Kreis Esslingen) feiert sein rundes Jubiläum mit Wehmut: Die Anlage im Nebengebäude des Bahnhofs wird nach den Tagen der offenen Tür abgebaut.
Der Biergarten hat Gleisanschluss, die Bahn bringt die Gäste ins ländliche Idyll – mit Stopp am Bahnhof Owen. Die Rückfahrt wäre über den Bonner Hauptbahnhof möglich, sofern Michael Zapf die richtigen Weichen stellt. Der Mann hinter dem Stellpult „dirigiert“ die kleinen Züge, die auf der Anlage des Modelleisenbahn-Clubs Kirchheim ihre Runden drehen.
Was diese Welt von der echten Bahn unterscheidet: Hier, im Untergeschoss der ehemaligen Güterabfertigung beim Kirchheimer Bahnhof, fährt alles pünktlich. Dabei herrscht reger Betrieb, Personenzüge verschiedener Epochen rollen auf den Gleisen ebenso wie Triebzüge und diverse Güterzüge mit Kesselwagen und Containerwaggons.
Modelleisenbahn fährt durch liebevoll gestaltete Landschaften
Auf rund 20 Quadratmeter Fläche fahren die Züge durch mit viel Liebe zum Detail gestaltete Landschaften – viele davon sind in Handarbeit gefertigt. Wer sich die Zeit nimmt für den Blick auf die Modellwelt in Spurgröße H0, kann so manch realistische Szenerie entdecken. Den Feuerwehreinsatz mit Blaulicht in einer Fantasie-Fachwerkstadt zum Beispiel. Oder die Segelflieger und Motorflugzeuge, die über der Burg Teck ihre Kreise drehen. Außerdem grasen Kühe am Hang, fahren Autos auf den Straßen.
Günter Ackermann und Dirk Übbing vom Vorstand des Modelleisenbahn-Clubs schauen stolz auf das, was vor 50 Jahren in Räumen des Ötlinger Bahnhofs mit sieben Leuten seinen Anfang nahm. Dort hatten die Modellbahnfans im Laufe der Jahre eine Anlage gestaltet, die im Advent 1981 erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Im Jahr 2000 verkaufte die Deutsche Bahn jedoch das Bahnhofsgebäude, der Modelleisenbahn-Club zog daraufhin in das Nebengebäude des Kirchheimer Bahnhofs.
Ein Vierteljahrhundert später sind die Tage des Vereins gezählt. Nicht, weil er wieder einmal um sein Domizil fürchten muss, die Räume stellt ihm die Stiftung Bahn-Sozialwerk zur Verfügung. „Wir sind schlichtweg zu alt“, räumen Ackermann und Übbing ein. 90 Prozent der Mitglieder hätten die 70 schon überschritten, zu ihren wöchentlichen Treffen würden nur noch wenige Modellbahnfreunde kommen. Derzeit zählt der Club 13 Mitglieder, „damals in Ötlingen waren es in den besten Zeiten fast doppelt so viele“.
Es fehlt laut Ackermann und Übbing aber nicht nur an jüngeren Mitstreitern. Wir haben auch niemanden mehr, der die Elektronik beherrscht.“ Und so jemanden bräuchten sie für den Betrieb der Anlage, die noch analog gesteuert wird. Die einfache Technik war lange Zeit Standard, inzwischen aber ist die digitale Steuerung gang und gäbe. Deshalb hilft Michael Zapf seinen Kirchheimer Freunden in ihrem Jubiläumsjahr aus. Er ist eigens aus Bayreuth angereist, damit der Modelleisenbahn-Club am ersten Januarwochenende seine traditionellen Tage der offenen Tür anbieten kann.
Wer hat Interesse an Häuschen und Technik der Anlage?
„Die Anlage ist am Dienstag, 6. Januar, von 11 bis 16.30 Uhr zum letzten Mal zu sehen“, sagen Ackermann und Übbing mit Wehmut. „Nach der Ausstellung wird sie abgebaut.“ Leicht fällt ihnen dieser Schritt nicht. „Da steckt so viel Arbeit drin.“ Und was passiert nun mit all den Schienen, Weichen, Signalen, Landschaftselementen, Häusern, Figuren und Trafos? „Wenn jemand Interesse daran hat, kann er gern etwas mitnehmen.“ Man freue sich über eine Spende. Die Zukunft des Modelleisenbahn-Clubs Kirchheim sei ungewiss, räumen die beiden Vorstandsmitglieder ein. „Wir müssen sehen, wie es weitergeht.“