Attraktion beim Pferdemarkt 2024: die „MS Leonberg II“. Foto: Granville

Beim Leonberger Pferdemarkt 2024 sorgt die „MS Leonberg II“ für Diskussionen. Jetzt scheint ein Käufer für den voluminösen Titanic-Nachbau gefunden.

Noch bei der Amtseinführung des Oberbürgermeisters wurde gescherzt, das Leonberger Schiff bekomme ja jetzt einen neue Kapitän. Doch daraus wird wohl nichts werden. In der Jahresendsitzung des Gemeinderates verkündete Tobias Degode, dass die Chancen für einen Verkauf der „MS Leonberg II“ gut stünden. Man sei mit einem Interessenten in Gesprächen, ein guter Abschluss stehe bevor. Wer das 16 Meter lange Modellschiff erwerbe, will der OB aber erst sagen, wenn das Geschäft unter Dach und Fach ist.

 

Dass die Leonberger Stadträte die Nachricht vom bevorstehenden Verkauf mit lautem Applaus bedachten, hat freilich mit der mitunter recht abenteuerlichen Vorgeschichte zu tun. Vor knapp zwei Jahren überraschte der damalige Oberbürgermeister Martin Georg Cohn mit einem eher ungewöhnlichen Einkauf. Durch einen privaten Kontakt war er ein Jahr zuvor im Hessischen auf einen Karnevalswagen aufmerksam geworden, der die Titanic darstellte.

Der OB war sofort begeistert

Die „Issgemer Buben“, eine Gruppe aus Bruchköbel bei Hanau, hatte seinerzeit beim örtlichen Fastnachtsumzug mit dem detailgetreuen Nachbau des Luxusschiffes den Vogel abgeschossen. Auch beim OB aus Leonberg. „Mir schoss sofort das Bild in den Kopf, wie es beim Pferdemarkt durch die Altstadt fahren könnte. Ich war begeistert, setzte mich mit dem Verkäufer in Verbindung und alles nahm seinen Gang“, erzählte Cohn damals.

Der frühere OB Cohn (3.v.li) mit Ehrengästen auf dem Schiffs-Nachbau. Foto: Granville

Gut 11 000 Euro ließ sich die Stadt die überdimensionale Attraktion für den Pferdemarkt-Umzug 2024 kosten, die nötigen Umbauten nicht eingeschlossen. Damit der Koloss durch die engen Altstadtgassen kam, musste der Zugweg geändert werden. Auf dem Marktplatz ging die „MS Leonberg II“, wie Cohn seinen maritim anmutenden Einkauf getauft hatte, vor Anker und erzeugte reichlich Aufsehen, aber nicht nur Freude.

Besonders die hohen Kosten sorgten im Gemeinderat für Unmut, zumal das Schiff unter großem Aufwand von Hessen nach Leonberg transportiert werden musste. Die Stadt verteidigte die Investition damals: Engagierte Schüler durften während des Pferdemarkt-Umzugs an Bord. Außerdem habe das Schiff die Ehrentribüne ersetzt, auf der sonst die offiziellen Gäste der Stadt den Umzug verfolgen.

Mehrere Verkaufsversuche schlugen fehl. Schließlich verschwand der große Koloss in einem Schuppen in Gerlingen, wo er bis heute steht und auf neue Einsätze wartet. Die könnten nun bald kommen. Wer die einstige „Titanic“ kaufen könnte, darüber lässt sich trefflich spekulieren.

Für eine Privatperson dürfte der voluminöse Schiffsnachbau wohl kaum interessant sein. Naheliegender ist, das Modell wieder auf närrischen Wogen in See sticht. Ein bisschen muss sich die interessierte Öffentlichkeit noch gedulden: Wenn der Vertrag unter Dach und Fach ist, will Oberbürgermeister Degode berichten, wer den Einkauf seines Vorgängers für wie viel Geld übernimmt.