Die Modegeschäfte sind zu. Nach Ende des Lockdowns erwarten Handelsexperten, dass die Winterware um bis zu 90 Prozent reduziert werden könnte. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Lager der Modehändler quellen über, die neuen Lieferungen sind oft unbezahlt. Aus Not gewähren die Händler Rabatte, wie sie es so wohl noch nicht gegeben hat. Im Internet hat die Rabattschlacht bereits begonnen.

Stuttgart - Die Modehändler im Land bereiten sich mit der geplanten Wiederöffnung der Geschäfte zum 15. Februar auf eine bisher beispiellose Rabattschlacht vor. Vor allem bei den kurzlebigeren Modeprodukten könnten die Preise schon zu Beginn um 70 Prozent fallen, heißt es beim Handelsverband Textil. Die Handelsexperten gehen davon aus, dass die Preise für die Winterware danach weiter sinken werden.

„Es ist zu befürchten, dass Händler in Einzelfällen um 90 Prozent reduzieren – das könnte der letzte Sargnagel sein“, sagte Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IHF), unserer Zeitung. „Aber ich kann jeden verstehen, der bei der Rabattschlacht mitmacht. Sobald der erste beginnt, gibt es keine Chance mehr, sich dem zu entziehen.“

Hier lesen Sie die Hintergründe: Diese Rabattschlacht könnte für viele Händler die letzte sein

Ein Grund ist der Platzmangel: Derzeit lagern bundesweit rund 500 Millionen Modeartikel aus der Herbst- und Wintersaison in den Regalen. Hinzu kommen Bestellungen für die Frühjahrskollektion. Zudem sind viele Händler gezwungen, die Waren zu Niedrigpreisen zu verscherbeln, um Rechnungen bezahlen zu können und liquide zu bleiben.

Die Südwest-Händler fordern die schnellere Umsetzung der staatlichen Hilfen

Die Händler im Südwesten fordern deshalb eine schnellere Umsetzung der angekündigten Nachbesserungen bei den Überbrückungshilfen. Sonst, heißt es beim Handelsverband Baden-Württemberg, könne es „ein Massensterben“ in der Branche geben. Laut einer aktuellen Verbandsumfrage befürchtet mehr als die Hälfte der Einzelhändler, dass sie spätestens in der zweiten Jahreshälfte ihre Geschäfte schließen müssen. Demnach reichten bei mehr als 80 Prozent der Befragten die bisherigen Hilfsmaßnahmen des Staates nicht aus.

Schon jetzt gewähren die Modehändler für den Online-Kauf Rabatte von rund 50 Prozent. Viele müssen ihre Waren über Marktplätze von Konkurrenten verkaufen, weil sie keinen eigenen Onlineladen haben.

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