Die Geschäftspartnerinnen Cornelia Hobbhahn (l.) und Rahmee Wetterich in Bayerisch-Afrikanischen Dirndl. Foto: dapd

Inzwischen gibt es Dirndl sogar mit afrikanischen Mustern oder im Stile eines indischen Saris.

München - Ob Wiesn, Wasen oder Kirchweih: Dirndl sind in. Inzwischen gibt es die Kleider sogar mit afrikanischen Mustern oder im Stile eines indischen Saris – zum Entsetzen mancher Traditionalisten.

Rahmée Wetterich muss nicht lange nachdenken, wenn sie gefragt wird, was Bayern und Afrikaner verbindet. „Beide sind warmherzig, trinken gerne Bier und essen deftig“, sagt sie.­Wetterich, die aus Kamerun stammt und seit mehr als 30 Jahren im Freistaat lebt, hat beide Kulturen nun auch in der Mode zusammengebracht: Dirndl mit einem traditionell bayerischen Schnitt, aber aus afrikanischen Stoffen mit kräftigen Farben und auffälligen Mustern sind das Ergebnis. Die Kleider verkauft Wetterich in einem Laden in München-Schwabing, den sie gemeinsam mit ihrer Schwester und einer Freundin betreibt.

Die ersten afrikanischen Dirndl hat die Schneiderin Marie Darouiche vor zweieinhalb Jahren entworfen. Es war ein Experiment. Eine Bekannte trug eines der Kleider auf einer Party, und es kam so gut an, dass Darouiche und Wetterich gleich die ersten Aufträge erhielten. Die Frauen gründeten schließlich das Modelabel NOH NEE – Suaheli für „Geschenk Gottes“ – , seit Mai 2011 haben sie ihr eigenes Geschäft. Die Kundinnen seien ganz unterschiedlich, erzählt Wetterich: „Von der gestandenen Bayerin bis zur Business-Frau ist alles dabei.“ Dass die Kleider in Handarbeit und zudem in Deutschland hergestellt werden, schlägt sich jedoch im Preis nieder, die Dirndl kosten zwischen 800 und 1000 Euro.

Auch Anton Jell aus Poing bei München ist aufgefallen, dass Dirndl sich gut mit der Mode aus anderen Kulturkreisen kombinieren lassen. Während einer Reise in Indien kam ihm, seinem Bruder Sebastian Jell und seinem Cousin Ludwig Schmideder die Idee, das Dirndl mit dem indischen Sari, einem Wickelkleid für Frauen, zu kreuzen. Beinahe wäre ihr Projekt daran gescheitert, in Indien einen geeigneten Schneider zu finden. „Der Dirndl-Schnitt war für die Inder natürlich vollkommen neu“, erzählt Jell. Techniken, wie Röcke in Falten zu legen, beherrschten sie nicht. Nach einem Jahr der Suche stießen Jell und sein Team schließlich auf eine Schneiderei, die normalerweise Hochzeitskleider für den amerikanischen Markt herstellt und dadurch mit westlichen Schnitten vertraut war. Ein wenig Nachhilfe in bayerischer Mode war dennoch notwendig. Jells Großmutter, die bis zur Rente als Dirndl-Schneiderin arbeitete, reiste nach Indien und lernte die Schneider an.

„Wer auf der Wiesn keine Tracht trägt, fällt auf“

Seit etwa einem Jahr verkaufen die Jell-Brüder und ihr Cousin die Sari-Dirndl, Kleider aus glänzender Kunstseide in leuchtenden Farben, vor allem übers Internet. Dass der Erfolg der Dirndl auch mit den Bollywood-Filmen zusammenhängt, glaubt Anton Jell nicht. Seinem Eindruck nach ist der Indien-Bezug für die meisten Kundinnen gar nicht so wichtig. „Die Dirndl sind generell in den letzten Jahren bunter und knalliger geworden“, sagt er. Stoffe aus Afrika und Indien passen also zum Trachten-Trend und werden Wiesn und Wasen in diesem Jahr bunter machen.

„Wer auf der Wiesn keine Tracht trägt, fällt auf“, sagt Nina Munz von Trachten Angermaier in München. „Vor allem kommen immer mehr jüngere Menschen dazu, die Spaß an der Tracht haben“, ergänzt Gabriele Hammerschick, Leiterin der Trachtenabteilung bei Lodenfrey in München. Selbstverständlich sind die traditionellen Outfits inzwischen nicht nur auf dem Oktoberfest, sondern auch andernorts, etwa auf der Bergkirchweih in Erlangen oder auf dem Cannstatter Wasen – in Stuttgart freilich mit Hirschstangen statt des bayerischen Löwen. Statt auf Muster aus anderen Kulturkreisen setzen Traditionalisten auf klassische Schnitte und Muster. Als „Materialmix aus Glamour und Tradition“ beschreibt etwa die Münchner Designerin Lola Paltinger ihre aktuelle Kollektion. „Kitschige Geschichten wie Schürzen im Asia-Stil sind out“, findet dagegen Alois Wenger, Inhaber von Trachten Wenger Austrian Style in Salzburg. Stattdessen sind die Schürzen bei ihm schlichter, oft in einer Kontrastfarbe zum Kleid. Neu im Trend sind Unterröcke oder Petticoats, die dem Dirndl beim Drehen Schwung ver­leihen, sagt Munz. Sie können auch farbig oder mit Blümchen bedruckt sein. Sie dürfen aber nicht unter dem Kleid herausblitzen, wenn man steht, erklärt Hammerschick. Auf frische Farben verzichten freilich auch die Traditionalisten nicht: Neben klassischen Farben wie Marineblau, Rosa, Tannengrün oder Schwarz finden sich viele Modelle in Rot, Orange, Grün, Blau, Pink oder Gelb.

„Absolutes Muss sind dieses Jahr Trachtenhüte mit Federn bei den Damen“, sagt Munz. Die Hüte dürfen auffallen und werden sowohl in klassischem Tannengrün als auch als Hingucker in frechem Pink oder modischem Rot angeboten.

Während die Dirndl in dieser Saison länger sind, zeigt Mann viel Bein. Die Hosen werden mit künstlichen Gebrauchsspuren versehen. Auffälligere Modelle haben farbige Stickereien. Zur Lederhose werden Westen, Hemden, Schals und Wadenwärmer in allen Farben kombiniert.

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