Modedesignerin Elena Braun hat neben eigener Mode und Schmuck unzählige Knöpfe in ihrem Sortiment. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Elena Braun führt seit 2013 den Laden Goldknopf in S-Mitte. Die 29-Jährige macht Mode nach Maß, und bietet der Wegwerfgesellschaft die Stirn.

Stuttgart - Tücher aus Seide, Knöpfe aus Paris, funkelnder Schmuck aus China, verschlungene Borten, Schleifen und Spitzen – der von außen unauffällige Laden Goldknopf am Charlottenplatz in S-Mitte ist ein Mix aus Maßschneiderei und Fachgeschäft für Hobbynäher. 2013 hat ihn die 29-jährige Modedesignerin Elena Braun von den Balletttänzern Thomas Lempertz und Friedemann Vogel übernommen. „Nach einem Praktikum bei Thomas Lempertz war mir schnell klar, wenn ich mal einen Laden haben sollte, dann so einen“, erzählt Braun. Als Lempertz das Geschäft 2012 abgeben wollte, war die Ex-Praktikantin sofort zur Stelle, nahm einen Existenzgründerkredit auf und übernahm den Laden 2013, den sie seither zusammen mit ihrer Mutter führt.

Unter ihrem Label EB Elena Braun schneidert die Designerin vom T-Shirt, über die Baseballjacke bis zum Abend- oder Brautkleid Mode nach Maß. Für einfache Stücke wie Shirts oder Röcke nutzt sie Reststoffe, die sie bei einem italienischen Großhändler einkauft. Für hochwertige Teile wird Stoff extra bestellt. Doch noch mehr, als eigene Mode zu machen, hat es ihr die Kunst des Upcyclings angetan. „Mir ist es wichtiger der Wegwerfgesellschaft etwas entgegenzusetzen,“ so Braun. „Unsere Kunden kommen hierher, weil sie ihre Kleidungsstücke aufpeppen wollen, etwa mit Borten, Knöpfen oder Schmuckstücken, die ich selbst designe. So wird dann aus einer einfachen Bluse ein besonderes, individuelles Kleidungsstück und man muss es nicht wegwerfen. Ich finde es besser etwas umzugestalten, als ständig etwas Neues zu kaufen“, sagt Braun.

Braun will die Tradition der Ladengeschäfte aufrecht halten

Auch sie selbst lebt diesen Gedanken mit ihrer Garderobe. „Das Kleid, das ich gerade trage, hat 15 Euro gekostet. Ich habe ein paar unserer Schmuckknöpfe daran genäht und schon sieht es anders und hochwertiger aus.“ Niemand müsse sich daher schämen, wenn er mit einer Jeansjacke vom Flohmarkt zu ihr komme, um sie aufpeppen zu lassen, versichert die 29-Jährige. Die Schmuckknöpfe sind Teil des von ihr designten Schmucks. Der entstehe in einer Kooperation zwischen Braun und einer Freundin in China. Braun designt die funkelnden Ohrringe, Haarspangen und Ketten aus Swarovski Elementen. In Taipeh werden die Stücke dann angefertigt und zurück nach Stuttgart geschickt. „Auch der Schmuck kann immer wieder neu verarbeitet werden, wir funktionieren zum Beispiel eine Kette oder Haarspange in einen Gürtel um.“

In die Welt der Mode sei sie nur reingerutscht, weil sie aufgrund einer Verletzung ihr Tennisstipendium sausen lassen musste. Ihre dreijährige Ausbildung zur Modedesignerin absolvierte sie nach dem Abitur 2006 in Mannheim, bis sie, nach verschiedenen Praktika, sich selbstständig machte und nach Stuttgart kam. „Vor der Mode hat sich in meinem Leben alles um Tennis gedreht. Heute bin ich froh, dass ich mir den Wunsch mit einem eigenen Laden und meiner eigenen Philosophie erfüllen konnte. Hier kann sich jeder etwas leisten – vom Knopf bis zum Opernkleid sind wir breit aufgestellt und sogar Männer gehören mittlerweile zu unseren Stammkunden.“

Dass seit einiger Zeit immer mehr Ladengeschäfte zu machen, macht Braun allerdings Sorge. „Ich fände es schade, wenn dieser Trend anhält. So stirbt eine Stadt doch aus“, sagt sie und hofft, dass durch das neue Dorotheen-Quartier direkt hinter dem Goldknopf noch ein paar mehr modeinteressierte Kunden den Weg zu ihr finden.

Der Goldknopf ist am Charlottenplatz 17 in S-Mitte zu finden.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19, Sa 10-18 Uhr. Auf Facebook gibt es regelmäßig Neuigkeiten. Zur Website geht’s hier. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.temporary-wardrobe-mode-zum-mieten.abf85603-636a-453d-9adf-eb48f47febb3.html

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