Im Mobilitätskonzept richtet die Stadt Leinfelden-Echterdingen den Blick nicht mehr bevorzugt auf den Autoverkehr. Für die Verbesserung der Situation in der Echterdinger Hauptstraße (Bild) soll ein Projekt in Gang gesetzt werden. Foto: Norbert J. Leven

Hinter den Kulissen arbeitet die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen an der Umsetzung des Mobilitätskonzepts. Manchem Bürger geht das nicht schnell genug

Leinfelden-Echterdingen - „Das Thema Mobilität“, sagt Eva Noller, „war in Leinfelden-Echterdingen bisher zu sehr auf das Auto fixiert“. Seit ihrem Amtsantritt vor nahezu zwei Jahren verwendet die Erste Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt einen nicht unerheblichen Teil ihrer Arbeitszeit darauf, mithilfe eines Mobilitätskonzepts alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt in den Fokus zu rücken.

Gleichwohl ist dem Thema die Dynamik der Auftaktphase vom Frühjahr 2014 abhanden gekommen. Das Mobilitätskonzept für L.-E. verharrt auch nach dem Geschmack mancher Stadträte zu lange in der Theorie. Schon bei den inzwischen bereits ein Vierteljahr zurückliegenden Beschlüssen über die Ziele des Konzepts war ein Murren über die langen Bearbeitungszeiten kaum zu überhören: Die Bürger, deren Interesse an den öffentlichen Veranstaltungen inzwischen deutlich nachgelassen hat, wollten jetzt Taten sehen, hieß es.

„Wir sind keineswegs untätig“

Die Bürgermeisterin versteht die Ungeduld der Menschen, weshalb sie sich jetzt mit einer Bestandsaufnahe zu Wort meldet. Sie tritt dem Eindruck vehement entgegen, dass das Thema in der Versenkung verschwunden sei: „Wir sind keineswegs untätig, vieles wird zurzeit vorbereitet und bearbeitet“, sagt Noller.

Ein zentraler Bestandteil des Mobilitätskonzepts wird der Verkehrsentwicklungsplan sein. Daran arbeiten die beauftragten Fachbüros intensiv. Solche Pläne hatte die Stadt bereits in der Vergangenheit erstellen lassen, um den Bedarf an neuen Straßen zu ermitteln. Diesmal, sagt die Bürgermeisterin, werde erstmals ein Plan vorgelegt, „in dem alle Mobilitätsarten gleichberechtigter Bestandteil sein werden“. Sie erwartet konkrete Aussagen zum motorisierten Individualverkehr wie auch zu Bus, Bahn, Fahrrad und Fußgängern.

Mobilitätskultur befindet sich im Umbruch

Einen positiven Effekt hat Eva Noller bereits bemerkt. Allein durch die Diskussion mit Bürgern und Vertretern verschiedener Interessengruppen über das Thema Mobilität habe sich der Fokus vom Automobil entfernt. „In unserem täglichen Tun fördern wir die Mobilität anders als bisher“, sagt die Bürgermeisterin. Im Rathaus werde bei Planungen nun automatisch auch an Fußgängerfreundlichkeit gedacht. Immer öfter werde sie von Bürgern mit der Bemerkung begrüßt: „Ich bin mit dem Fahrrad da.“ Somit sei erwiesen, dass sich die Mobilitätskultur im Umbruch befinde – in eine, wie sie findet, positive Richtung.

Diese Entwicklung soll durch das Mobilitätskonzept weiter unterstützt werden, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Unterstützt mit 75 000 Euro vom Land werden die Stadtwerke 30 Abstell­boxen für Fahrräder an den S-Bahn-Stationen aufstellen. Diese sollen vermietet werden. „Wir denken aber auch über spontane Nutzungsmöglichkeiten nach“, sagt Noller. Die provisorische Ampel am Gewerbegebiet in Stetten soll dauerhaft erhalten bleiben. Sie erleichtert Radfahrern das Überqueren der viel befahrenen Kreisstraße. Außerdem werde die Stadt nun auch der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) beitreten.

Konkrete Projekte

Ob die Bushaltestelle dort erhalten bleibt, wird noch untersucht. Im nächsten Jahr wird die Stadt zehn Bushaltestellen barrierefrei umbauen. Dafür erhält sie einen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro vom Land. Den Ausbau der Stadtbahnlinie U 5 bis zur Markomannenstraße listet Noller ebenfalls als konkretes Projekt im Mobilitätskonzept auf. Zu Veränderungen bei Bahn- oder Busverbindungen gebe es viele Wünsche aus der Bevölkerung. Hier sieht sie eine „gemeinsame Aufgabe“ mit dem neuen Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Allerdings macht Eva Noller keine großen Hoffnungen, weil die Stadt nicht allein entscheiden kann: „Das ist ein Thema, bei dem wir fast nichts tun können.“

Angehen will die Bürgermeisterin neben dem Aufbau von Mobilitätsstationen in den Stadtteilen und einer Verbesserung des Carsharing-Angebots in einem gesonderten Projekt die Verbesserung der Situation in der Hauptstraße in Echterdingen. Dort gebe es viele widerstreitende Interessen. So sei es beispielsweise wünschenswert, den Busverkehr zu beschleunigen, andererseits verlange der Lärmaktionsplan jedoch, das Tempo zu drosseln.