Sami Khedira macht Werbung für Moovel Foto:  

Eine Anwendung, alle Verkehrsmittel von Fahrrad bis Taxi, dazu eine bequeme Bezahlfunktion auf dem Smartphone: So will die Daimler-Tochter Moovel die Mobilität neu denken.

Leinfelden-Echterdingen - Der Fußballstar Sami Khedira betritt die U-Bahn in Madrid und macht sich auf den Weg zum Bernabeu-Stadion. Er wird von einer älteren Frau erkannt, die ihn in den Arm nimmt und herzt. Khedira setzt sich, wendet sich der Kamera zu und redet über sein Leben. „Materielle Dinge sind wichtig, aber Abenteuer und nicht planbare Dinge sind einfach unbezahlbar“, sagt der ehemalige VfB-Spieler. Der dreiminütige Film ist Teil der Werbekampagne von Moovel, die im Januar startet und die Anwendung bekannter machen soll. Khedira und andere Stars erzählen darin, was sie in ihrem Leben so bewegt.

Ob es wirklich Sami Khedira dazu braucht, ist fraglich. Denn eigentlich spricht die Idee für sich. Moovel ist eine Smart­phone-App und zeigt Nutzern, wie sie möglichst optimal eine Strecke von A nach B zurücklegen können. Dabei werden Angebote ganz unterschiedlicher Verkehrsmittel kombiniert und gebündelt. Für Stuttgart etwa ist dies nicht nur der öffentliche Nahverkehr mit den SSB oder der Deutschen Bahn im Verkehrsverbund VVS. Hinzu kommen Carsharing-Firmen wie Car2go oder auch Taxidienste. Die verschiedenen Kombinationen werden je nach gewünschter Vorliebe, zum Beispiel kürzester oder günstigster Weg, sortiert und ­aufgelistet. Jeder Fortbewegungsart ist ­dabei eine Farbe zugeordnet. Blau steht etwa für ­Carsharing, Orange für öffentliche ­Verkehrsmittel, Gelb für Taxi. „Mobilität wird ­ganzheitlich abgebildet“, sagt Michael Kuhn, Sprecher von Moovel. Dabei denkt die App immer mit. So wird bei einer länger ­geplanten Reise etwa kein Car2go-Fahrzeug ­angeboten, da die Verfügbarkeit zu diesem speziellen Termin ja nicht garantiert ist. Die dabei anfallenden Daten über Strecken und Fahrgewohnheiten seien sicher und nicht personenbezogen, betont Michael Kuhn.

Im Juli 2012 startete das Daimler-Tochterunternehmen, zu dem auch Car2go mit seinen nicht stationsgebundenen Smart zum Mieten gehört, seinen Dienst. Los ging es in Stuttgart, inzwischen sind längst weitere große Ballungsräume wie Hamburg, Berlin, München, Köln oder Nürnberg hinzugekommen. Auch die App hat sich weiterentwickelt. So hat Moovel im Laufe der Zeit viele weitere Mobilitätsanbieter integriert – erst im September etwa den amerikanischen Taxidienstvermittler My Taxi sowie Ridescout LLC, das für die USA ähnlich wie Moovel verschiedene Mobilitätsdienstleister unter einem Dach bündelt. Damit soll die Präsenz auf dem amerikanischen Markt verstärkt werden. „Mit der Übernahme von ­Ridescout stoßen wir gemeinsame Produktentwicklungen an – und wollen gleichzeitig den nordamerikanischen Markt mit einem weiteren, innovativen Dienst erschließen“, sagte Moovel-Chef Robert Henrich anlässlich der Übernahme.

Die Vernetzung der verschiedenen Angebote von Bahnen, Bussen, Mietwagenfirmen oder Taxibetreibern ist aber nur der erste Schritt der Moovel-Entwickler. Hinzukommen soll später auch eine Bezahlfunktion, mit der sich die App von vergleichbaren Routenplanern wie etwa Allryde unterscheidet. „Wir wollen Mobilität so einfach machen wie möglich – zukünftig einschließlich der Buchung und der bargeldlosen Bezahlung für wichtige Verkehrsmittel“, sagt Robert Henrich. Im Moment lassen sich über Moovel neben den eigenen Diensten wie Car2go ­bereits Bahntickets per Smartphone erwerben. In den nächsten Monaten sollen Schritt für Schritt weitere Partner hinzukommen. Ziel ist es, eine Strecke von A nach B mit ganz verschiedenen Verkehrsmitteln über die Moovel-App berechnen zu lassen und bequem per Tastendruck bezahlen zu können. „Wir wollen ein Marktplatz für Drittanbieter im Sinne eines One-Stop-Shop sein“, sagt Michael Kuhn. Ähnlich wie bei Amazon kassiert Moovel dann bei den externen Anbietern für die Vermittlung einen geringen Centbetrag.

Noch aber steckt Moovel in den Kinderschuhen. Beim Kaufhaus für Smartphone-Anwendungen von Google Play ist die App mit 10 000 bis 50 000 Installationen nur eine Randerscheinung. Und die Beurteilungen über Moovel fallen unterschiedlich aus. „Sehr übersichtlich“, lobt einer. „Idee super, Ausführung schlecht“, schreibt dagegen Carsten Kaefert Ende November in die Bewertungen. Viele Fehlermeldungen und ein mangelhafter Log-in, der nicht einmal das Passwort speichere, werden von ihm kritisiert. Mit dreieinhalb von fünf Sternen landet die App, was die Bewertungen betrifft, nur im Mittelfeld. Vielleicht wird sich dies ja mit Sami Khediras Werbefeldzug bald ­ändern. Hier das Video: