Pedelecs kosten von der ersten Minute an, während Fahrräder für bestimmte Kunden 30 Minuten kostenlos sind. Foto: Jacqueline Fritsch

Seit einem Jahr gibt es den Verleih-Service für Räder und Pedelecs. Nach dieser Zeit zeichnet sich ab, dass sich das Verhalten der Kunden teils stark unterscheidet. Das hat vor allem für höher gelegene Gegenden Auswirkungen.

Filder - In Birkach war es schwierig, einen geeigneten Standort für eine Regio-Rad-Station zu finden. So schwierig, dass der Bezirksbeirat helfen und angeben musste, wo die Birkacher am liebsten ein Fahrrad ausleihen würden. So sollen die blauen Räder nun an der Bushaltestelle „Birkheckenstraße“ stehen. Wenn dafür ein Parkplatz wegfallen muss, sei das nicht so schlimm, meint Bezirksvorsteherin Andrea Lindel: „Die sind sowieso nicht stark frequentiert.“ Aber wenn die Birkacher nun schon an der Reihe sind, wollen sie auch gleich einen zweiten Standort haben, und zwar an der Himmelfahrtskirche in Schönberg. „Ich hoffe, dass der Vorschlag jetzt so durchgeht“, sagt Lindel.

Ob es in Birkach künftig zwei Regio-Rad-Stationen geben wird, muss der Betreiber, die Bahn-Tochter DB Connect, entscheiden. An der neuen Station in Birkach wird es wohl vier Fahrräder und ein Pedelec geben. Das ist die normale Mindestausstattung für eine Regio-Rad-Station. Allerdings gibt es beim Betreiber zurzeit die Überlegung, an einzelnen Standorten nur noch Pedelecs anzubieten. Die Filderbezirke wären dann sicher vorne mit dabei. Und die Änderung würde sich teils deutlich auf den Geldbeutel der Nutzer auswirken, denn anders als ein Fahrrad kostet ein Leih-Pedelec auch für VVS-Abonnenten von der ersten Minute an.

Die Lage der Filder bringt Herausforderungen mit sich

Trotzdem zeigt das erste Regio-Rad-Jahr, dass sich die Stadtbezirke auf den Fildern vor allem für Pedelecs eignen. Weil sie oberhalb des Stadtkessels liegen. „Es kommt eher selten vor, dass jemand mit dem Regio-Rad hoch nach Degerloch fährt“, sagt Ralf Maier-Geißer, der bei der Stadt für nachhaltige Mobilität zuständig ist. Die Vermutung: Nutzer leihen sich zwar ein Fahrrad, um in den Kessel hinunterzufahren, entscheiden sich beim Rückweg aber lieber für Bus oder Bahn.

Das Problem: Bei diesem Verhalten leeren sich die höher gelegenen Stationen und die in der Innenstadt werden immer voller, also muss eine Lösung her. Denn sonst muss der Transporter, der die Räder regelmäßig wieder verteilt, zu oft fahren. Die Idee: An höher gelegenen Stationen gibt es nur noch Pedelecs. Denn mit Motor ist auch die Fahrt bergauf zu machen. Außerdem würden es sich die Nutzer dann besser überlegen, ob sie überhaupt ein Rad ausleihen, so Maier-Geißer. Schließlich zahlt man für ein Pedelec zehn Cent pro Minute – der Stundensatz liegt je nachdem, ob man ein VVS-Abo hat oder nicht, bei drei bis vier Euro. Ein Leihfahrrad ist für VVS-Abonennten in der ersten halbe Stunde kostenlos, für Nicht-Abonnenten kosten 30 Minuten einen Euro.

Müssen die Filderbewohner nun bald mehr zahlen?

Geht man also von einem VVS-Kunden aus, der von Degerloch in die Innenstadt fahren möchte, zahlt der bei einer geschätzten Fahrzeit von 20 Minuten für das Fahrrad gar nichts und fürs Pedelec zwei Euro. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Menschen auf den Fildern künftig mehr für ihr Leihrad bezahlen müssen, weil bei ihnen – oberhalb des Kessels – nur noch Pedelecs angeboten werden. Ralf Maier-Geißer gibt in diesem Punkt Entwarnung: „Die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt er, „vielleicht werden wir es auch erst einmal nur an einer Station ausprobieren“.

Leinfelden-Echterdingen dürfte dagegen weit genug vom Stuttgarter Kessel entfernt sein, um erst einmal nicht zur reinen Pedelec-Station umgemodelt zu werden. Während in Stuttgart bis zum Frühjahr 25 neue Regio-Rad-Stationen entstehen sollen, spielt man auch in L.-E. mit dem Gedanken an eine Expansion. Dort gibt es bisher an den beiden Bahnhöfen jeweils eine Radleihstation. „Die ersten Ausleihzahlen fallen für L.-E. sehr positiv aus“, sagt die Stadtsprecherin Gisela Fechner. Deshalb seien neue Stationen am Bahnhof Oberaichen und am Messegelände denkbar.

Wo Regio-Rad-Stationen entstehen

Neue Standorte
: Bis zum Frühjahr 2020 soll sich die Zahl der Stuttgarter Regio-Rad-Stationen von 75 auf 100 erhöhen. Auch auf den Fildern gibt es dann neue Standorte. Wo genau, prüft die DB Connect derzeit noch. Konkrete Überlegungen für die Filderbezirke gibt es aber bereits.

Vaihingen:
S-Bahnhaltestelle „Universität“; weitere Standorte auf dem Campus; Vaihinger Bahnhof; Industriestraße; Freibad Rosental; Bahnhof Österfeld; Synergiepark

Sillenbuch
: Stadtbahn-Haltestelle „Sillenbuch“ oder in Heumaden entlang der Hauptradroute

Degerloch:
Traifelbergplatz oder Kreuzung zur Großen Falterstraße

Möhringen
: SI-Centrum oder Wohngebiet Widmaierstraße; Wiederaufbau der Station am Filderbahnplatz

Kaltental
:Schwarzwaldstraße; Ruggerstraße

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