Mit seinem E-Klapprad fährt der Stuttgarter Ingenieur Uwe Brandt auch schon mal von Stuttgart nach Leonberg und zurück. Foto: /Julian Rettig

Uwe Brandt aus Stuttgart hat sich vor einem Jahr von seinem Auto getrennt und sich dafür mit einem E-Klapprad und der Bahncard belohnt. Seither spart er nicht nur Emissionen, sondern auch Geld.

Das Klima ist ihm wichtig. Neulich hat er bei seinen Eltern ein Referat von sich aus der sechsten oder siebten Klasse gefunden, erzählt er. Es handelte von der Erderwärmung und ihren Folgen. „Seitdem hat sich wenig getan“, sagt der heute 45-jährige Uwe Brandt. Daher hat er nun etwas geändert. „Da, wo man das Verbrennen von Fossilen sein lassen kann, sollte man es sein lassen“, sagt er. Daher trennte er sich vor einem Jahr von seinem Ford Focus. „Es ist ein minimal politisches Engagement.“

 

Ein anderer Grund ist das Geld gewesen. Der Ingenieur aus Stuttgart-Vaihingen arbeitet an unterschiedlichen Orten. Zurzeit in Feuerbach und in Leonberg; die jeweils rund 15 Kilometer langen Strecken legte er eigentlich schon immer mit dem Rad zurück, erzählt er. „Weil ich das mehr mag.“ Wenn er das Auto genommen habe, sei er 25 Minuten lang unterwegs gewesen und habe dabei oft auf der Autobahn im Stau gestanden. „Mit dem Rad sind es 35 Minuten, und ich fahre auf einem Waldweg.“ Und er bewegt sich.

Uwe Brandt fuhr recht wenig mit dem Auto

Sein Auto kam vor allem auf Langstrecken zum Einsatz. Brandt nutzte es für Besuche und Urlaube, sagt er. Unter dem Strich war es aber eher ein „Stehzeug“ als ein Fahrzeug. Er brachte es auf höchstens 7000 Kilometer im Jahr. Ein teurer Spaß, wie er fand. Laut einer Tabelle des ADAC, die er sich durchgelesen habe, kostete ihn seit Ford rund 700 Euro im Monat – inklusive Wertverlust. Jetzt nimmt er sich wenn nötig auch mal einen Mietwagen, „und es bleibt trotzdem im Vergleich noch viel Geld übrig.“

Für die Trennung von seinem Auto hat er sich mit einem E-Faltrad und einer Bahncard belohnt, weil beides gut zusammenpasse. Besucht er seine Eltern, fährt er vom Kölner Hauptbahnhof noch eine halbe Stunde lang mit dem Klapprad. In der Regel nimmt er aber lieber sein Mountainbike. Dessen Tacho habe in den vergangenen fünf Jahren 20 000 Kilometer gesammelt.

Mobilitätshelden erzählen ihre Umstiegsstory

Uwe Brandt ist einer der Leute aus Stuttgart, die unter der Überschrift „Mobilitätshelden“ ihre Umstiegsstory mit der Öffentlichkeit teilen. Drei Monate lang hatte die Stadt dazu im Rahmen der Kampagne „Stuttgart steigt um“ aufgerufen. Da berichtet zum Beispiel Claudia, 54, dass sie ihre Katzen in den Radanhänger packt, wenn sie zum Tierarzt müssen. Oder Jan Anders, 47, der findet, mit dem Rad und den Öffis schneller am Ziel zu sein. Oder Antonia, 27, die noch nicht lang in der Stadt ist, auf Bus und Bahn setzt und sich derzeit aus Sicherheitsgründen nicht traut, mehr Rad zu fahren. Oder eben die Geschichte von Uwe Brandt. Was zunächst exotisch klingt, ist für ihn kein Widerspruch: Der Ingenieur arbeitet bei einem Automobilzulieferer, sein Metier ist die Fahrassistenz. Wer sich für autonomeres Fahren interessiere, fahre eher ungern Auto, sagt er. Musste er sich trotzdem umstellen in den vergangenen Monaten? „Was anders ist: Ich muss mich jetzt länger damit beschäftigen, wie ich von A nach B komme.“ Er habe aber die Zeit dazu, „ich kann mir das leisten“. Dass das seinem Bruder mit drei Kindern schwerer fallen würde, kann er nachvollziehen.

Bei den Mobilitätshelden gibt es auch noch Johannes, 35, der inzwischen mit seinen drei Kindern per Lastenrad durch Stuttgart kurvt. „Und wenn wir doch mal weiter raus müssen, nehmen wir Bus, Bahn oder Carsharing“, schreibt Johannes. „Eigene Autos haben wir schon lange nicht mehr.“