Adnan Skenderovic ist in Renningen und Rutesheim unterwegs Foto: Manuel Schust

In Renningen und Rutesheim können Fahrgäste an Wochenendtagen per App oder Telefon einen VVS-Rider ordern. Die Nachfrage für das On-Demand-Pilotprojekt ist noch ausbaufähig.

Befindet sich die Haltestelle nah am Wohn- oder Zielort und ist man zu den sogenannten Kernzeiten unterwegs, kann der ÖPNV eine feine Sache sein. Doch wer weite Wege bis zu den Haltestellen zurücklegen muss und außerhalb eng getakteter Fahrtzeiten auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, muss teils lange Wartezeit einkalkulieren.

 

Genau hier setzt ein sogenanntes On-Demand-Konzept an, das bereits von verschiedenen Verkehrsverbünden landesweit eingesetzt wird. Via App oder auch per Telefon kann ein Kleinbus geordert werden, der losgelöst von Fahrplan und Haltestellen Fahrgäste an ihr Wunschziel bringt.

Fahrten auf Wochenend- und Feiertage beschränkt

Seit Dezember letzten Jahres hat der VVS hierzu Pilotprojekte in allen fünf Verbundlandkreisen gestartet. Auch in Renningen und Rutesheim kann ein sogenannter VVS-Rider an Wochenend- und Feiertagen gebucht werden, der sogar bis zum IMAX-Kino nach Leonberg fährt.

Das Angebot im Landkreis Böblingen richtet sich vor allem an den Freizeitverkehr. Daher fährt der VVS-Rider an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen von 6 bis 21 Uhr. In den Nächten zu Samstagen, Sonn- und Feiertagen fährt der Kleinbus auch zwischen 21 Uhr und 0.30 Uhr. Die Fahrt im Shuttlebus ist zum regulären VVS-Tarif möglich. Wer eine Monatskarte oder ein Deutschlandticket besitzt, muss mit gar keinen Zusatzkosten rechnen.

Das Fahren mit dem VVS-Rider ist fast so komfortabel wie eine Taxifahrt. Zwar wird man nicht direkt vor der Haustür abgeholt. Doch das „Rider-Netz“ umfasst insgesamt rund 1500 virtuelle Haltestellen, an denen der Kleinbus seine Fahrgäste einsammelt. Auch der Standort, an dem man wieder aussteigt, ist somit nicht weit vom Fahrtziel entfernt.

Erste Zwischenbilanz

Die erste Zwischenbilanz nach einem halben Jahr im Betrieb fällt durchwachsen aus. Die Nachfrage ist nach anfänglicher Zurückhaltung seit März aber deutlich gestiegen. Im Mai wurden als vorläufiger Höhepunkt etwa 200 Fahrten gebucht. Rund 80 Prozent der Fahrten werden innerhalb des Gebietes von Renningen und Rutesheim unternommen. 13 Prozent der Fahrten bedienen das IMAX in Leonberg.

„Wir können definitiv noch Fahrgäste gebrauchen“, betont daher auch VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. „Vielleicht besteht noch eine gewisse Scheu gegenüber dem neuen Angebot. Wir haben jetzt die Phase erreicht, in der wir das Projekt noch bekannter machen müssen.“

Eine wirkliche Bilanz zu den Pilotprojekten wird erst nach 2 bis 3 Jahren gezogen. Thomas Hachenberger unterstreicht, dass es sich beim VVS-Rider „um eine klassische Ergänzung zum regulären ÖPNV handelt. Speziell wenn das bestehende Angebot nicht so ist, wie der Kunde es sich wünscht.“

Algorithmus arbeitet im Hintergrund

Im Hintergrund der App arbeitet ein Algorithmus, der die einzelnen Anfragen der Fahrgäste bündelt und dafür sorgen soll, dass Einzelfahrten verhindert werden. Bis zu sieben Fahrgäste können im VVS-Rider Platz nehmen. Das System sammelt Leute, die auf einer ähnlichen Route sind und bringt sie relativ nah an ihr Ziel. Besteht im klassischen ÖPNV-Angebot eine Alternative, wird die Anfrage von der App abgelehnt. Denn: „Wir wollen mit dem Angebot dem normalen Betrieb keine Konkurrenz machen“, sagt VVS-Geschäftsführer Hachenberger. „Eine Fahrt wird nur dann angeboten, wenn der normale Busverkehr kein Angebot hat. Es soll eine wirkliche Ergänzung, ein Lückenfüller sein.“

80 Prozent junge Fahrgäste

Einer der Fahrer, die mit dem VVS-Rider zwischen Renningen und Rutesheim im Einsatz sind, ist Adnan Skenderovic. Dem 26-Jährigen macht es Spaß, mit dem Kleinbus unterwegs zu sein, „weil man immer wieder unterschiedliche Leute zu verschiedenen Orten bringt und kein Tag wie der andere ist.“ Die Nachfrage schwanke derzeit noch, gibt Skenderovic zu. „80 Prozent meiner Fahrgäste sind junge Leute“, schätzt er. Der Komfort-ÖPNV im Luxussegment müsse noch in den Köpfen der Leute ankommen.

Der VVS-Rider

Fahrtzeiten
 An Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen von 6 bis 21 Uhr. In den Nächten zu Samstagen, Sonn- und Feiertagen auch zwischen 21 Uhr und 0.30 Uhr.

App
 Die VVS-Rider-App ist erhältlich bei Google Play Store oder App Store. 

Kontakt
 Der VVS Rider ist erreichbar unter der Servicenummer 0711 / 99 52 10 77.