Ein Radschnellweg komplett entlang der B 10 ist wohl nicht umsetzbar. Foto: Roberto Bulgrin

Das Land kann sich im Esslinger Westen weder eine Nordroute noch eine Strecke entlang der B 10 vorstellen, sondern nur eine Trasse durch die Pliensauvorstadt – und es will nicht mehr auf die Stadt Esslingen warten.

Es sieht so aus, als würden die Optionen für den Verlauf des Radschnellwegs zwischen dem Esslinger Alicensteg und Stuttgart schwinden. In einem Brief an den Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) hat nun auch der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) der Nordtrasse eine Absage erteilt. Unterdessen sieht das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) keine Möglichkeit für eine durchgehende Route entlang der B 10. Bleibt nur eine Strecke durch die Pliensauvorstadt – wo genau, soll die Stadt Esslingen jetzt klären.

 

In seinem Brief an Klopfer wird der baden-württembergische Verkehrsminister Hermann deutlich. Zwar will man das Schreiben, das Anfang der Woche ans Esslinger Rathaus ging, im Verkehrsministerium ausdrücklich nicht als Weisung, sondern lediglich als guten Rat gelesen wissen. Doch die Aussagen sind unmissverständlich: „Die Südvariante stellt nach fachlicher Abwägung die einzig absehbar umsetzbare Lösung dar“, heißt es in dem Brief. Angesichts der Tatsache, dass die Stadt die von einer Arbeitsgruppe vorgeschlagene Route durch die Weilstraße in der Pliensauvorstadt ausgeschlossen hat, müsse die genaue Trassenführung „in der Ortsdurchfahrt Pliensauvorstadt dann im weiteren Planungsprozess von der Stadt Esslingen eigenverantwortlich als künftiger Baulastträger selbst festgelegt und finanziert werden“, so der Verkehrsminister. Dabei komme unter Umständen auch eine Route über die Stuttgarter Straße oder die Parkstraße in Frage.

Land will Radweg Richtung Deizisau früher bauen

Allerdings will das Land offenbar nicht mehr auf die Stadt warten. Verkehrsminister Hermann schlägt vor, den Radschnellweg auf Esslinger Gemarkung am Alicensteg in zwei Abschnitte zu teilen. Für die Strecke Richtung Deizisau könne das Regierungspräsidium Stuttgart dann noch in diesem Frühjahr in die Entwurfsplanung einsteigen und 2024 das Planfeststellungsverfahren einleiten. Ein Baubeginn könnte dann unter Umständen im Jahr 2026 möglich sein. Unterdessen könne sich die Stadt Esslingen ohne zeitlichen Druck mit der Planung der Trasse durch die Pliensauvorstadt befassen.

Auch vom RP kommen klare Worte: Man sehe „unüberbrückbare Hindernisse für einen Trassenverlauf an der B 10“, heißt es aus der Landesbehörde. Die Bürgerausschüsse der Esslinger Stadtteile Pliensauvorstadt und Innenstadt hatten jüngst gefordert, Bereiche rund um die  B 10 für den Radschnellweg zwischen Alicensteg und Stuttgart in Erwägung zu ziehen. Hintergrund ist, dass die Bürgerausschüsse alle bisher veröffentlichten Trassenvorschläge ablehnen. Diese seien nicht zu realisieren, ohne den betreffenden Stadtteil und seine Bewohner erheblich und dauerhaft zu schädigen, so ihre Argumentation. Vom RP aber heißt es, dass es bereits Überlegungen für eine Trasse an der B 10 gegeben habe. Diese seien verworfen worden – unter anderem, weil die Verkehrsführung am Knotenpunkt von Vogelsangbrücke, Brückenstraße, Berkheimer Straße und B 10 zu komplex sei. Zudem wäre eine Querung der Pliensaubrücke unmöglich und der Platz zwischen B 10 und Neckar nicht breit genug. Eine Umnutzung von Fahrstreifen der Bundesstraße für den Radverkehr sei ebenfalls nicht machbar, weil dadurch der Verkehrsfluss erheblich verschlechtert würde und die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne.

Stadt hält Fahrradzonen und Fahrradstraßen für denkbar

Der Esslinger Baubürgermeister Hans-Georg Sigel sagt, südlich des Neckars gebe es verschiedene Optionen zur Verbesserung des Radnetzes – unter anderem seien Fahrradzonen und Fahrradstraßen denkbar. Das werde man in einer ausführlichen Bürgerbeteiligung diskutieren. Zunächst aber solle der Radschnellweg Thema im Mobilitätsausschuss am 6. März sein – Beschlüsse seien dort nicht geplant. Über den Verlauf des Radschnellwegs zwischen Alicensteg und Stuttgart wird schon lange kontrovers diskutiert.