Ein Teil des Fahrerteams um Elmar Pfitzinger (Initiator des Crowdfundings, 3. v.l.), Martina Köhnlein (Generationenreferat, Mitte) und Bürgermeister Hans Michael Burkhardt (r.). Foto: Käthe Ruess

Jettingens neuer Bürgerbus, der am Wochenende in Betrieb genommen wurde, ist ein echtes Bürgerprojekt. Ein großes, ehrenamtliches Fahrerteam übernimmt die Fahrten.

Der neue Jettinger Bürgerbus ist ein echter Hingucker. Der VW Crafter ist am Samstagnachmittag auf dem Partnerschaftsplatz vor dem Jettinger Rathaus zur offiziellen Übergabe vorgefahren. Die Anschaffung bezeichnete Bürgermeister Hans Michael Burkhardt (parteilos) als „Projekt der Herzenswärme“, das gleichzeitig ein „echtes Bürgerprojekt“ war. Denn der Kaufpreis von 68 000 Euro wurde zu 100 Prozent aus Spenden und Fördergeldern finanziert.

 

In Jettingen gibt es bereits seit 2011 einen ehrenamtlich betriebenen Bürgerbus. Bisher wurde dafür der Bus des Franziska-von-Hohenheim-Stifts in Kooperation mit dem DRK als Heimbetreiber leihweise genutzt. Nachdem dieser altersbedingt ausgetauscht werden musste und zugleich die Anzahl der angesteuerten Angebote sowie der Bedarf älterer Menschen gestiegen ist, sei klar gewesen, dass die Gemeinde einen eigenen Bürgerbus brauche, blickte der Jettingen Rathauschef auf die Entwicklungen zurück. Insbesondere, nachdem offensichtlich geworden sei, dass der Mannschaftstransportwagen der Feuerwehr keinen adäquaten Ersatz biete, weil es eine flexible Transportmöglichkeit für Senioren brauche, wie auch Martina Köhnlein vom Generationenreferat „Bürgerimpuls Jettingen“ betonte.

Das neue Fahrzeug müsse eigentlich den Namen „Elmar“ tragen, betonte Burkhardt. Denn Elmar Pfitzinger, der in der Gemeinde bereits beim ehrenamtlichen „Essen-auf-Rädern“-Angebot als Einsatzleiter aktiv ist, war Hauptinitiator des Bürgerprojekts. Er hat dafür nicht nur den Internetauftritt auf der Crowdfunding-Plattform „Viele schaffen mehr“ der Volksbank in der Region gestaltet, sondern die „Schwarmfinanzierung“ auch durch klassisches Klinkenputzen im Ort beworben.

Neben dem Fahrer finden noch acht weitere Personen Platz im Bürgerbus

Auf diese Weise kamen von 152 Spendern 19 130 Euro zusammen. Dieser Betrag wurde durch die Volksbank um 5175 Euro auf 24 305 Euro aufgestockt. Außerdem flossen über Leader Heckengäu 21 500 Euro aus dem EU-Förderprogramm zur Stärkung und Entwicklung der ländlichen Räume. Zudem kamen jeweils 10 000 Euro über die Sozialstiftung der Kreissparkasse Böblingen (KSK) sowie die Pro-Cent-Aktion von Mercedes-Benz hinzu. „So muss Deutschland funktionieren: eine vernünftige Idee und sie umsetzen, nicht nur darüber reden“, betonte der Rathauschef.

Das große bürgerschaftliche Engagement, dass auch anwesende Vertreter von Geldgebern als vorbildlich betonten, zeigt sich auch darin, dass Elmar Pfitzinger ein insgesamt 16-köpfiges Fahrerteam um sich geschart hat. Dessen Mitglieder holen zukünftig beim Generationenreferat angemeldete Personen zuhause ab und bringen diese heim. Welche Veranstaltungen angefahren werden, wird vorab veröffentlicht. In dem Fahrzeug, das wie Werner Böckle vom Service-Außendienst des Herrenberger Autohauses Weeber erläuterte, nicht nur über eine Rampe für Rollstühle, sondern auch über eine automatisch ausfahrbare Trittstufe an der Seitentür verfügt, haben außer dem Fahrer noch weitere acht Personen Platz.