Die Bahn baut und die Autofahrer stehen. Wer am Wochenende Richtung Ulm wollte, musste viel Geduld und gute Nerven mitbringen. Foto: Horst Rudel

Die Sperrung der A 8 in Richtung München hat am Wochenende zu einem kilometerlangen Stau auf der Autobahn geführt. Auf der Umleitung rollte der Verkehr aber, wenn auch nur zäh. Wer den Zug nehmen wollte, war auch nicht besser dran.

Kreis Göppingen - Es hätte schlimmer kommen können: An der Kreuzung der B 466 und der B 10 sorgten die roten Ampelphasen in Geislingen für ein wenig Rückstau. „Als wir von der Autobahn runter waren, ging es einigermaßen“, erklärt Heiko Beltz (38), der von der Sperrung der Autobahn überrascht wurde und in Geislingen an der roten Ampel warten muss. Seinen privaten Termin in Ulm hat er bereits um eine Stunde verschoben: „Das Smartphone macht’s möglich.“ Ebenfalls an der Ampel warten muss die 64-jährige Heidemarie Beier. Sie fahre regelmäßig durch Geislingen. „Da ist man Stau gewohnt“, sagt sie gelassen. Aber besser wäre es natürlich schon, wenn alles etwas flüssiger ginge.

Anfang April ist wieder gesperrt

Wegen der Sperrung der A 8 in Fahrtrichtung München zwischen den Anschlussstellen Mühlhausen und Hohenstadt aufgrund von Bauarbeiten für die Fils­talbrücke des Bahnprojekts Stuttgart 21 wurde der Verkehr am Wochenende über die B 466 nach Geislingen und von dort über die B 10 Richtung Ulm umgeleitet. Die Bahn und das Regierungspräsidium teilen mit, dass ein Schutzgerüst über der A 8 gebaut wird, das bis zur Fertigstellung der Filstalbrücke aufgebaut bleibt. Die Brücke soll Ende 2021 fertig sein. Wegen des Gerüsts sind die Fahrstreifen in Richtung München auf einer Länge von rund 400 Metern eingeengt. In diesem Bereich ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer beschränkt, sobald die Sperrung wieder aufgehoben ist. Ferner bleibt der Parkplatz Eselsteige gesperrt. Von Freitag, 5. April, 22 Uhr, bis Montag, 8. April, 6 Uhr, wird der Verkehr erneut in Mühlhausen ausgeleitet und über die B 466 und die B 10 bis zum Kreuz Ulm-West umgeleitet. Die Autobahn in Fahrtrichtung Stuttgart ist von den Sperrungen nicht betroffen.

Die Umleitung Richtung Ulm führt direkt durch Geislingen. An viel Autoverkehr ist man in der Stadt jedoch gewöhnt. Besonders während des Berufsverkehrs wälzen sich regelmäßig lange Blechlawinen durch den Ort. Am Samstagmittag war es dagegen ruhig in der Stadt. „Es gibt nichts Ungewöhnliches“, bestätigt die Polizei in Ulm. Lediglich auf der A 8 gebe es vor der Ausleitung einen wachsenden Stau, der am frühen Nachmittag acht Kilometer lang war. Auf der Umleitungsstrecke fließe der Verkehr aber weitgehend. Auch am Sonntag war die Lage auf der Umleitungsstrecke laut der Polizei entspannt. Offenbar wurde der Verkehr nur peu à peu auf die Umleitungsstrecke gelassen, weshalb sich die Autos zwar auf der Autobahn stauten, auf der Umleitungsstrecke dann aber einigermaßen vorankamen.

Den Zugfahrern ging es nicht besser

Neben den Autofahrern waren auch die Zugfahrer am Wochenende in Geislingen vor Überraschungen nicht sicher. Mit ungläubigem Blick studiert Anita Geist die Anzeigetafel. „Zug endet hier“ oder „Dieser Zug wird ab Beimerstetten durch einen Bus ersetzt“, ist dort zu lesen. „Ich habe eine Zeit ausgemacht“, sagt die 53-Jährige verärgert, die nach Illertissen zu einem Familientreffen möchte. Nun werde es wohl später, meint sie. Die Züge der RB-Linien von Stuttgart oder Geislingen nach Ulm verkehren zwischen Beimerstetten und Ulm überhaupt nicht. Die Fahrgäste müssen auf Busse umsteigen.

Anita Geist ist an diesem Tag nicht die einzige Kundin, die im DB-Reisezentrum um Rat fragt. Auch Matthias Kleet wurde von der Streckensperrung überrascht. „Wenn es einen Busersatzverkehr gibt, ist es ja ok“, sagt er gelassen. Immerhin sei am Bahnhof eine Mitarbeiterin da, die Auskunft gebe, sagt der 33-Jährige. Die Arbeiten an Gleisen, Weichen, an der Oberleitung und an einer Brücke auf dem Streckenabschnitt zwischen Eislingen und Ulm-Örlingen sowie im Ulmer Hauptbahnhof werden bis Ende März im Filstal zu Einschränkungen im Zugverkehr führen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: