Die Strahlung des Mastes an der Bismarckstraße 57 wurde gemessen. Foto: Archiv/Michael Steinert

Ein von der Evangelischen Kirchengemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt die starke Strahlung eines Mobilfunkmast in S-West – auch in den Wohnungen.

S-West - Die Anwohner rund um das Gebäude an der Bismarckstraße 57 haben es wohl schon geahnt, nun können sie es schwarz auf weiß nachlesen. Der Mobilfunkmast auf dem Dach des Gebäudes, der seit 2006 in Betrieb ist, strahlt in einem Radius von rund 300 Metern mit Werten von bis zu 543 000 Mikrowatt. Dieser Höchstwert wurde an der Seyfferstraße 56 gemessen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert in einem 2008 veröffentlichten Positionspapier, dass innerhalb einer Wohnung nicht mehr als ein Mikrowatt zulässig sein sollte, die Gefahrenabwehr beginnt für den BUND bei 100 Mikrowatt. „An dieser Vorgabe orientieren wir uns“, sagt Peter Hensinger, der Sprecher der Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart-West.

Die gemessenen Werte sind das Ergebnis eines Gutachtens, das die Evangelische Gesamtkirchengemeinde dem EMF-Institut von Peter Nießen, einem unabhängigen Fachinstitut für elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt mit Sitz in Köln, in Auftrag gegeben hatte. „Mit diesem Gutachten haben wir nun eine fundierte Grundlage“, sagt Hermann Beck von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde. Beck selbst war im Jahr 2000 dabei, als die Verträge mit den Mobilfunkbetreibern Vodafone und O2 geschlossen wurden. „Als der Mast 2006 dann installiert wurde, wollten wir ihn schon nicht mehr“, so Beck. „Heute sind wir alle schlauer.“

Erstmals wurde auch in der Höhe gemessen

Das Besondere an dem Gutachten ist laut Hensinger, dass nicht nur auf Höhe der Straße gemessen wurde, wie es die Bundesnetzagentur mache, sonder auch in der Höhe. „Es wurde pro Stockwerk gemessen und je höher, desto stärker ist die Strahlung“, so Hensinger. Hermann Beck weist daraufhin, dass die Kirchengemeinde bereits 2000 bei Vertragsabschluss gefordert habe, dass durch den Mast eine möglichst geringe Belastung entstehen solle. Demgegenüber heißt es in dem Gutachten nun: „Die Analyse der Gesamtsituation vor Ort hat ergeben, dass die Mobilfunkbasisstationen auf dem Gebäude Bismarckstraße 57 weder so angelegt sind noch so betrieben werden, dass die ‚geringst mögliche Immissionsbelastung’ hervorgerufen wird.“

Frühere schriftliche Einwände der Kirchengemeinde gegen den Mast hatten nichts gebracht. „Unser Anwalt prüft nun, ob es ein Sonderkündigungsrecht gibt“, so Beck. Außerdem wolle die Kirchengemeinde den Betreiber auffordern, Nachbesserungen vorzunehmen, um die Strahlenbelastung zu senken.

Bürgerinitiative fordert Mobilfunkvorsorgekonzept

Die Forderungen der Bürgerinitiative, die mit der Kirchengemeinde an einem Strang zieht, haben ein klares Ziel: „Der Mast muss weg“, sagt Peter Hensinger, betont dabei aber, dass der Initiative keine Mobilfunkgegner angehören, sondern Kritiker. „Wir möchten die Gesundheitsrisiken minimieren“, so Hensinger.

Von der Stadt fordert die Initiative, ein Mobilfunkvorsorgekonzept zu erarbeiten. Damit könne modellhaft im Westen begonnen werden, neue Technologien zu testen, die eine Mobilfunk-Versorgung gewährleisten, ohne gesundheitsgefährdend zu sein. Außerdem solle die Stadt veranlassen, dass an allen Mast-Standorten auf die gleiche Weise gemessen werde, wie es das Institut an der Bismarckstraße getan habe, und daraus ein Kataster erstellt werde.

Der Bezirksbeirat, dem Peter Hensinger das Gutachten vorgestellt hatte, unterstützt diese Forderungen einstimmig. Seine Frau, Doris Hensinger, SÖS/Linke-Bezirksbeirätin und ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative, betonte, dass es ihnen auch um die Aufklärung der Bevölkerung ginge. „Je besser die Bürger informiert sind, desto stärker wird vielleicht auch die Unterstützung seitens der Politik werden.“

// Weitere Informationen unter www.der-mast-muss-weg.de
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