Einen Funkmast im Außenbereich aufzustellen, dauert bis zu dreieinhalb Jahre. Das war eine Erkenntnis in der Konferenz zum Mobilfunkausbau in Böblingen.
Fragt man die Computer, dann ist der Mobilfunk im Kreis Böblingen bestens: Etwa 98 Prozent des Kreises seien abgedeckt, sagen die Modellberechnungen. Doch die Telefonkunden sagen etwas ganz anderes: Funklöcher auf der B 464 und der A 81, Funklöcher an vielen anderen Stellen auch. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard hat am Dienstag bei der Konferenz zum Mobilfunkausbau keinen Zweifel daran gelassen, dass die Zeit für den wirtschaftsstarken Landkreis reif sei, die Funklöcher zu stopfen und den vollständigen Ausbau des Mobilfunks abzuschließen.
Und weil das Landratsamt erkannt hatte, dass sich die rechnerische und gefühlte Abdeckung im Kreis unterscheiden, war das Amt empirisch vorgegangen. Wie Carolin Döring vom Zweckverband Breitbandausbau berichtete, haben Messfahrten auf den Kreisstraßen eben die Unterschiede zwischen Realität und Rechnung erbracht, die auch den Bürgern im Kreis sauer aufstoßen.
„Das Problem haben Sie schon letztes Jahr mitgenommen“
In der Tat war diese Veranstaltung im Herman Hollerith Zentrum in Böblingen die zweite ihrer Art, die Kommunen, Verwaltungen und die Mobilfunkbetreiber an einen Tisch brachte , um gemeinsam zu beraten, wie das letzte Stück des Mobilfunk-Ausbaus schneller und besser funktionieren könnte.
Und nicht nur Ioannis Delakos war aufgefallen, dass die Referenten zum Teil die gleichen Vorträge hielten wie im letzten Jahr.
Mobilfunk: Gesetzgeber fordert Ausbau
Neu waren allerdings zwei Dinge: Zum einen fordert der Gesetzgeber inzwischen, entlang der Straßen den Mobilfunk knapp an die Hundert-Prozent-Grenze zu bringen und neu in der Runde war auch erstmals eine Firma, die Masten für Mobilfunk aufstellt.
Den Vorträgen der Mobilfunkbetreiber war zu entnehmen, dass durch den wachsenden Bedarf an Kapazitäten auch bestehende Standorte weiter aufgerüstet werden müssten. „Wir wollen Sie ja mit Mobilfunk versorgen“, sagte Hilmar Möhlmann von Telefónica, der beobachtet hat, dass die Akzeptanz der Bevölkerung inzwischen nicht mehr das Hauptproblem sei. Der Ablauf dafür hat sich inzwischen eingespielt: Die Betreiber teilen den Kommunen mit, wo sie aus technischen Gründen eine Anlage brauchen, die Kommune konkretisiert ihn und genehmigt ihn dann.
Die Stromanbieter reagieren nicht
Während das Prozedere von der Anfrage an die Kommunen bis zur Genehmigung ungefähr ein Jahr dauert, klemmt es inzwischen an anderer Stelle, wie Paul Franz, Vertreter der Vantage Towers AG aus Düsseldorf, berichtete, einer Firma die Masten aufstellt. Es brauche bis zu dreieinhalb Jahre bis die Masten im Außenbereich aufgestellt würden: Schuld daran, sagte er deutlich, seien die Energieunternehmen, die nur sehr langsam auf die Anfragen zur Stromversorgung reagieren würden und bei Masten im Außenbereich sehr hohe Preise verlangen würden.
So entstand durch den Vortrag von Paul Franz ein kurioser Eindruck: Nämlich dass ausgerechnet jene den Ausbau des Mobilfunks bremsten, für die ihn der Landkreis beschleunigen möchte: Die Wirtschaft.
Mobilfunk: Schuld von einem auf den anderen schieben
Ioannis Delakos wertete das alles als „Fingerzeigen“, als „die Schuld vom einen auf den anderen zu schieben“, was seine Stadt auch nicht voranbringe. Der Landrat Roland Bernhard formulierte am Ende der Veranstaltung drei Ziele: Die Genehmigungen noch mehr beschleunigen, die Stromanbieter zu schnellerem Handeln auffordern und die Funklöcher auf den großen Verkehrsachsen des Kreises schließen.