Bürger, Politiker, Nachbarn, Handwerker, Ehrenamtliche, Vertreter der Verwaltung der Mobilen Jugendarbeit sowie Buben und Mädchen feierten gemeinsam die Eröffnung des neuen Gebäudes an der Rotwegsiedlung. Foto: Chris Lederer

Mit einem Fest und vielen Besuchern sind die neuen Räume der Mobilen Jugendarbeit in Rot eröffnet worden. Im Haus soll gelacht, getanzt, Musik gehört und gekocht werden.

Stuttgart-Zuffenhausen - Nicole Schilling hat überschlagen, wie oft sie und ihre Kollegen von der Mobilen Jugendarbeit Rot die Kinder und Erwachsenen in den vergangenen Monaten vertrösten mussten: „Bestimmt 222 Mal wurden wir gefragt, ob das Holzhaus schon geöffnet hat, und immer wieder mussten wir sagen: Nein, es ist noch nicht so weit – ab heute können wir sagen: Es ist geöffnet!“, sagte Schilling am Donnerstag beim Eröffnungsfest. „Halligalli ist das Motto des heutigen Festes, es ist aber auch, was wir uns hier wünschen.“ Im Haus soll gelacht, getanzt, Musik gehört und gekocht werden. Aber auch ernste Gespräche sollen geführt, viele Angebote gemacht und von den Kindern und Jugendlichen wahrgenommen werden.

Zuvor hatte der Bürgermeister für Umwelt und Städtebau, Matthias Hahn, die neuen Jugendräume am Rotweg 125 eröffnet. „Wir sind froh, den Kinder und Jugendlichen in Rot diesen lang gehegten Wunsch erfüllen zu können.“ Es war ein langer Weg. Zunächst hatte man einen anderen Standort gesucht – zentral gelegen, störungsarm und wirtschaftlich umsetzbar. Aber es wurde nichts Geeignetes gefunden. Auch eine Kooperation mit dem SV Rot hatte sich zerschlagen. Nach einem Lärmgutachten und einer Machbarkeitsstudie fiel die Wahl wieder auf das städtische Grundstück am östlichen Rand der Rotwegsiedlung in direkter Nachbarschaft zu den Kleingärtnern.

„Bauen Sie heutzutage mal etwas, dass die Nachbarn nicht stört“

Zwei Voraussetzungen mussten erfüllt sein. Es sollte wirtschaftlich machbar sein und die Nachbarn nicht stören. „Aber bauen Sie heutzutage mal etwas, dass die Nachbarn nicht stört“, sagte Hahn. „Am Schluss sind wir zu diesem Punkt zurückgekehrt, der gar nicht dumm ist“, sagte Hahn. Aus Mitteln der „Sozialen Stadt“ konnten der Abbruch des alten Holzhauses und 30 Prozent der Kosten für den Neubau gefördert werden. Rund 60.000 Euro tragen der Bund und das Land auf diese Weise bei. Den Großteil der Gesamtkosten von rund 336.000 Euro trägt die Stadt.

Das neue Holzhaus steht nun exakt auf dem Fundament des alten Gebäudes. Vergangenen Sommer war die 40 Jahre alte und stark sanierungsbedürftige „Baracke“ abgerissen worden. „Die Architektur nimmt Rücksicht auf die Nachbarschaft“, sagte Hahn. „ Es gibt keine Fenster in Richtung Wohnbebauung und der Eingang ist auch auf die Seite gegenüber verlegt worden.“ Auch die Anliegen des Vereins der Gartenfreunde seien berücksichtigt worden. Nach anfänglichen Bedenken seien Vorbehalte ausgeräumt worden. Die Teamleiterin Schilling lobte die gute Zusammenarbeit während der Bauzeit. „Wir machen hier einen Neustart und hoffen, dass die Akzeptanz weiter wächst.“

Die Mobile Jugendarbeit Rot, getragen vom Caritasverband für Stuttgart, kann ihr Angebot nun erweitern. Besonders ein offener Treffpunkt als niederschwelliges Angebot hatte bisher gefehlt. „Viele Mädchen und Jungen kommen aus nicht einfachen Verhältnissen“, sagte Armin Biermann, der Bereichsleiter Jugend- und Familienhilfe. „Ihnen wollen wir hier einen Schutzraum bieten.“ Es sei ein tolles, neues Gebäude, wenngleich es in Stuttgart größere und exklusivere gebe. Doch auf Gebäude und Ausstattung wie Computer oder Tischkicker komme es bei der Arbeit der Mobilen Jugendarbeit nicht in erster Linie an. „Unsere zentrale Ressource sind die Menschen. Wir haben viele Partner wie Lehrer oder Ehrenamtliche und unsere Mitarbeiter. All das ist die Grundlage unserer Arbeit.“

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