Während der Coronakrise läuft der Kontakt mit den Jugendlichen in vielen Fällen über das Telefon. Foto: dpa/Markus Scholz

Auch während der Coronakrise ist die Mobile Jugendarbeit im Einsatz. Der Kontakt zu den Heranwachsenden läuft dabei vor allem über soziale Medien und das Telefon.

Zuffenhausen - Wir sind da!“, so lautet das Motto der Mobilen Jugendarbeit (MJA) in Stuttgart. Das gilt auch in Zeiten der der Coronakrise. Auch wenn persönliche Kontakte stark eingeschränkt werden, die Büros geschlossen bleiben und es keinerlei Gruppenangebote gibt, haben Natascha Zöller, die Teamleiterin für Zuffenhausen und Freiberg/Mönchfeld/Rot, und ihre 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel zu tun.

Nicht nur über Corona wird geredet

„Die Jugendlichen haben gerade sehr viel Redebedarf“, sagt Zöller. Dabei ginge es natürlich immer wieder um das Thema Corona, doch auch die anderen Probleme würden nicht weniger. Im Gegenteil, manche Schwierigkeiten würden durch die aktuelle Situation sogar noch verstärkt. Das Klientel der Mobilen wohnt nämlich oftmals in sehr beengten und auch familiär schwierigen Verhältnissen, wo das Zusammenleben schon unter normalen Umständen nicht gerade einfach ist. Gerade diese Jugendlichen treffen die Kontaktbeschränkungen hart. Und dass alle Pfingstfreizeiten abgesagt werden mussten, ist ebenfalls schlimm. Für viele Heranwachsende sind die Freizeiten nämlich die einzige Gelegenheit, bei der sie ihr Umfeld verlassen können.

Für Kontakte werden vor allem Social-Media-Kanäle genutzt. Instagram, Facebook, WhatsApp und Co. spielen eine große Rolle, es wird aber auch viel telefoniert. Manchmal kommt es sogar zu persönlichen Treffen, natürlich unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen: In prekären Einzelfällen gibt es Zweier-Spaziergänge, bei denen Jugendliche sich ihre Probleme von der Seele reden können.

„Wir rufen auch ganz gezielt junge Menschen an, um die wir uns Sorgen machen“, sagt Zöller. Das Streetwork laufe, in stark eingeschränktem Rahmen, weiter. In Ausnahmefällen helfen die Mobilen in wirtschaftliche Not geratenen Familien sogar durch Lebensmittel-Einkäufe, die über Spenden finanziert werden.

Die Jugendlichen zeigen große Disziplin

„Die Jugendlichen zeigen in dieser Krisensituation eine überraschend große Disziplin“, sagt Zöller. Leider komme das in den Medien nicht immer rüber. Oftmals würden gerade jene Beispiele aufgegriffen, bei denen die jungen Leute über die Stränge schlügen. Dabei sei das Verhalten der Heranwachsenden kaum anders als das der Erwachsenen. Unvernunft gebe es in jeder Altersklasse.

Wie es momentan bei der Gewalt in den Familien aussieht, darüber kann Zöller noch nichts wirklich Konkretes sagen. Man müsse abwarten, bis die Schulen wieder öffnen und die Gespräche mit Außenstehenden wieder eine größere Rolle spielen. „Dann wird wohl einiges aufkommen“, vermutet die Teamleiterin. Klar zu spüren sei bereits jetzt, dass sich viele Heranwachsende Gedanken um die Zukunft machen. Schulprüfungen, Lehrstellensuche, Freunde und Familie im Heimatland, all das treibe sie um. Nicht selten würden sie dabei Opfer von so genannten „Fake News“. Die Aufklärung über seriöse und unseriöse Nachrichten ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe der MJA.

„Wir sind da, egal wie es mit der Coronakrise weiter geht“, sagt Zöller. Junge Menschen, die Hilfe brauchen oder einfach nur Redebedarf haben, finden die Kontaktdaten im Internet unter www.mobile-jugendarbeit-stuttgart.de

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