Mobile Jugendarbeit in Stuttgart-Sillenbuch Ursache für gesundheitliche Beschwerden weiter unklar

Von Caroline Holowiecki 

Was ist los im Gebäude der Mobilen Jugendarbeit in Sillenbuch? Foto: Caroline Holowiecki
Was ist los im Gebäude der Mobilen Jugendarbeit in Sillenbuch? Foto: Caroline Holowiecki

Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit in Stuttgart-Sillenbuch haben nach gesundheitlichen Beschwerden die Vermutung geäußert, dass die Lüftungsanlage sie krank macht. Laut der Stadt funktioniert das Gerät aber einwandfrei. Was ist da los?

Sillenbuch - Was ist denn nun schuld an den wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen der Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit in Sillenbuch? Die Sozialarbeiter, die im Gebäude an der Bernsteinstraße in Heumaden häufig über Kopfschmerzen, Nasenbluten, trockene Augen und Erkältungen klagen, haben keinen Zweifel: Ein Mangel an der Lüftungsanlage muss der Grund sein. Das Gerät soll deutlich zu trockene Luft in die Räume leiten, weniger als 30 Prozent Luftfeuchtigkeit würden regelmäßig gemessen.

Auch Wolfgang Riesch, stellvertretender Bereichsleiter der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (Eva), des Verwaltungsträgers der Jugendsozialarbeit im Bezirk, sagt: „Von Anfang an hat das Lüftungs- und Heizkonzept nicht funktioniert.“

Das Thema hat große Unruhe ausgelöst

Seit Jahren geht das offenbar schon so, im April ist das Thema im Sillenbucher Bezirksbeirat aufgeschlagen und hat große Unruhe ausgelöst. Das Gremium hat postwendend einen interfraktionellen Dringlichkeitsantrag bei der Stadtverwaltung, der Vermieterin, eingereicht. Sie wird darin aufgefordert, „unverzüglich“ aktiv zu werden, die Ursachen zu untersuchen und Mängel zu beheben. Knackpunkt: Ende dieses Monats läuft die fünfjährige Gewährleistungsfrist ab. Die Verwaltung hat nachschauen lassen – und kommt zu einem völlig anderen Ergebnis. „Die Lüftungs- und Wartungsfirma hat mittlerweile die Messungen durchgeführt. Laut Messprotokoll ist die Lüftungsanlage in einem ordnungsgemäßen Zustand. Es wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt“, teilt Martin Thronberens, ein Sprecher, mit. 35 bis 39 Prozent Luftfeuchtigkeit seien ausgemacht worden, „die Werte innerhalb und außerhalb des Gebäudes sind bis auf ein bis zwei Prozentpunkte identisch“. Vor diesem Hintergrund habe die Fachfirma „mit Verwunderung auf die Aussagen hinsichtlich der Funktionalität des Lüftungs- und Heizungskonzeptes“ reagiert, so Martin Thronberens. Die Verwaltung werde zu Beginn der Heizsaison abermals messen lassen, um auch während der kalten Jahreszeit die Funktionalität der Anlage nachzuweisen, heißt es.

Normen seien eingehalten worden

Weitere Untersuchungen seien nicht geplant. Das fragliche Gebäude sei schließlich gerade einmal fünf Jahre alt, beim Bau seien geltende Normen eingehalten worden, heißt es aus dem Rathaus. Und in der Kita, mit der sich die Mobile Jugendarbeit das Haus teilt, gebe es keinerlei Beschwerden. Das spreche gegen eine Schadstoffbelastung. „Darüber hinaus wurde das Gebäude vor Inbetriebnahme freigemessen“, erklärt der Sprecher für die Fachabteilung. Ähnliches hat die Bezirksbeirätin Melanie Gehrung (CDU) dem Gremium in seiner jüngsten Sitzung mitgeteilt. Sie zeigte sich kritisch. „Für mich klingt es nach Larifari“, sagte sie. Sie hielt eine Aufschiebetaktik für denkbar, „da mag rauskommen, was will, weil man dann keine Gewährleistung mehr hat“.

Immerhin: Laut dem Eva-Bereichsleiter Klausjürgen Mauch sind seit dem Besuch des Wartungstechnikers die Werte gut und die Symptome weg. Ob das Wetter die Luftfeuchtigkeit positiv beeinflusst oder ob der Fachmann eine Modifikation an der Anlage vorgenommen hat, entzieht sich seiner Kenntnis, „aber wir wünschen uns nichts mehr, als dass es so bleibt“. Auch der Duale Studenten Raphael Génevé bestätigt, dass das Raumklima an der Bernsteinstraße aktuell „absolut akzeptabel“ ist. Er stellt klar: „Wir bleiben in der Beobachtung.“

Redaktion Sillenbuch

Ansprechpartnerinnen
Judith A. Sägesser und Julia Bosch
sillenbuch@stz.zgs.de

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