Mladen Petric Ärger für Autogrammjäger in Uniform

Von Rainer Wehaus 

Mladen Petric Foto: dapd
Mladen Petric Foto: dapd

Strafanzeige gegen drei Karlsruher Polizisten, die HSV-Mannschaftsbus angehalten hatten.

Stuttgart/Karlsruhe - Weil sie den Mannschaftsbus des Hamburger SV anhielten, nur um ein Autogramm des kroatischen Fußballstürmers Mladen Petric zu bekommen, droht drei Polizisten aus Karlsruhe Ungemach. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe am Freitag den Stuttgarter Nachrichten sagte, hat ein Bürger per Mail Strafanzeige gegen die Streifenwagenbesatzung gestellt.

Der Mann werfe den zwei Männern und einer Frau unter anderem Nötigung und Amtsmissbrauch vor, sagte Präsidiumssprecher Jürgen Schöfer. Der Fall werde nun Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft übergeben. „Es sind nun offizielle Ermittlungen nötig, die von der Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei geführt werden“, sagte der Sprecher den Stuttgarter Nachrichten. Nach Paragraf 240 Strafgesetzbuch kann Nötigung unter Missbrauch von Amtsbefugnissen mit einer Geldstrafe oder mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

"Ich bin ein großer Fan von Ihnen"

Die Beamten hatten vergangenen Samstagabend den HSV-Bus nach dem Bundesligaspiel in Hoffenheim auf der Autobahn im Raum Heidelberg gestoppt. Sie überholten den Bus, schalteten die Leuchtschrift "Bitte folgen" auf dem Dach ihres Polizeiautos ein und lotsten den Bus zu einem Parkplatz. Dort baten sie HSV-Trainer Michael Oenning (45), Petric aus dem Bus zu holen. "Die haben gegrinst. Ich habe erst gedacht, die wollen mich verarschen, und bin sitzen geblieben", sagte Petric der "Hamburger Morgenpost". Schließlich sei er doch nach vorne gegangen und habe zu seiner Überraschung festgestellt, dass er nur einer jungen Polizistin ein Autogramm geben sollte. "Ich bin ein großer Fan von Ihnen, Herr Petric", sagte die Beamtin dem Fußballer zufolge.

Während Petric den Wunsch erfüllte, machte HSV-Pressesprecher Jörn Wolf Fotos und verbreitete sie per Twitter. Die "Bild"-Zeitung bekam Wind davon und machte die Sache öffentlich. Der HSV-Pressesprecher bemüht sich nun um Schadenbegrenzung. "Er hat sich bei uns gemeldet und uns ausdrücklich darum gebeten, die Beamten nicht zu bestrafen", sagte Präsidiumssprecher Schöfer. Zwar sei man beim HSV über die Aktion "kurz verwundert" gewesen, sie sei aber durchweg positiv bewertet worden. Auf die Frage, ob das die Beamten vor einer Strafe bewahre, sagte er: "Ich gehe davon aus, dass das in die Bewertung der Staatsanwaltschaft einfließen wird."

Von ihren Vorgesetzten im Polizeipräsidium droht den Beamten wegen Verletzung der Dienstvorschriften in jedem Fall eine Gelbe Karte. "So was geht gar nicht und darf sich nicht wiederholen", sagte Schöfer. Anderseits wolle man die Aktion auch nicht überbewerten und "menschlich bleiben".

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