Die lange Einkaufsnacht von ihrer schönsten Seite Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wie viele Besucher lockte die lange Einkaufsnacht in die Stadt? Neue Messtechniken per Laser lösen eine Debatte über den Nutzen des Mitternachts-Shoppings aus.

Stuttgart - Die Welt wird immer gläserner. Neue Technik macht’s möglich. Mit einer dieser Neuerungen, die Daten erfasst, lässt sich punktgenau sagen, wann und wie viele Menschen sich auf der Königstraße aufhalten. Diese Kennziffern haben für den Handel eine große Bedeutung. Zuletzt sorgte eine Methode der Firma „hystreet.com“, die per Laser Passanten zählt, anlässlich der langen Einkaufsnacht am Samstag für eine Überraschung. Denn die an zwei Stellen auf der Königstraße erfassten digitale Passantenzahlungen weichen vermeintlich von den Zahlen der City-Initiative Stuttgart (CIS) ab.

City-Managerin Bettina Fuchs gibt beinahe nach jeder langen Nacht den Wert von 200 000 Besuchern zu Protokoll. Die Zählung von „hystreet.com“ ergibt jedoch, dass nur 160 587 Besucher auf der Königstraße waren. Kritische Beobachter fragen sich angesichts dieser Differenz: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt noch? Ist die lange Einkaufsnacht etwa ein Relikt aus den guten alten Tagen des Einzelhandels? Hat der Strukturwandel auch dieses Instrument zur Umsatzsteigerung überflüssig gemacht?

Die lange Nacht ist ein Frequenzbringer

Bettina Fuchs widerspricht all dem gelassen und macht eine neue Rechnung auf: „Bei dieser Rechnung wurden die Zahlen der beiden Einkaufscenter nicht mit einbezogen.“ Erfahrungsgemäß rechnet das Milaneo mit bis zu 46 000 Besuchern an einer langen Nacht, das Gerber mit maximal 30 000. „Wenn man dann noch die doppelt gezählten Besucher abzieht, kommt man immer noch auf eine stattliche Zahl für die Innenstadt“, sagt Fuchs und schätzt, dass am vergangenen Samstag wohl rund 210 000 Besucher in der City waren. Und sie macht noch eine Rechnung auf, „die ein weiterer Beweis dafür ist, dass die lange Nacht ein echter Frequenzbringer ist“. Denn an einem normalen Samstag kämen bei einer zehnstündigen Ladenöffnung etwa 100 000 Passanten. Diese Zahlen bestätigen auch die Laser-Messungen von der Firma „hystreet.com“. Das bedeutet, dass sich im Stundenschnitt etwa 10 000 Passanten auf der Königstraße aufhalten. Zum Vergleich: Bei der langen Nacht waren es in 14 Stunden durchschnittlich etwa 11 400 Königstraßen-Flaneure. „Das ist ein Plus von rund 13 Prozent Frequenz allein auf der Königstraße“, sagt Fuchs.

Handel macht gute Umsätze

Ungeachtet dieser Rechnung ist die City-Managerin tief von dem Nutzen der Einkaufsnacht für die Stadt und den Handel überzeugt: „Ebenso wichtig ist die Strahlkraft dieser Nacht. Sie ist Standortwerbung für die Stadt. Und natürlich wirkt sich das auf den Umsatz der Händler aus. Von daher ist die lange Nacht unbezahlbar.“ Fuchs spricht von einem „Gesamtpaket“ und lässt sich das Mitternachts-Shopping weder „schön noch schlecht reden“. Vielmehr zeige dieses Format, wie wichtig es sei, dass sich diese Veranstaltungen inzwischen in den Köpfen der Menschen aus Stuttgart und der Region festgesetzt hätten. Der Vergleich mit dem neuen Event „Stuttgart picknickt“ beweist dies. Die „hystreet“-Zählung am 16. Juni (102 680) unterscheidet sich kaum von einem durchschnittlichen Königstraßen-Samstag. Fazit Fuchs: „Tradition zahlt sich aus. Es war wieder eine starke lange Nacht, in der starke Umsätze gemacht wurden.“ Fuchs nimmt ihre Gewissheit aus einer eigenen Umfrage bei den großen Händlern in der Stadt. Manche hätten das Vorjahresergebnis erreicht, manche lägen sogar darüber. Florian Henneka, Inhaber von Korbmayer in der Schulstraße, bestätigt diese Einschätzung: „Ich bin sehr zufrieden mit der langen Einkaufsnacht. Für uns hat sich der Aufwand gelohnt.“ Für ihn steht fest: „Dieses Event ist ein gutes Tool. Auch weil es Kunden von außerhalb in die Stadt lockt. Von daher hat dieses Format seine Berechtigung.“

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