Hier wohnt die Mittelschicht, doch davon gibt es immer weniger. Foto: Kienzle

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung ist die Mittelschicht der Verlierer des Jahrzehnts.

Berlin - Die Kritik am Sparpaket ebbt nicht ab: Wirtschaftsforscher des DIW warnen, dass die Maßnahmen die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößern. Verlierer des Jahrzehnts sei aber die Mittelschicht.

Die Kluft zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland hat sich nach einer Studie spürbar vergrößert und schürt Sorgen in der schrumpfenden Mittelschicht. Diese sei der "Verlierer der Umschichtungen in der Einkommensverteilung im letzten Jahrzehnt", so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Langzeitbefragung seit 1984

Im vergangenen Jahr hatten noch 61,5 Prozent der Menschen mittlere Nettoeinkommen zwischen 860 und 1844 Euro, so DIW-Experte Jan Goebel sagte. Im Jahr 2000 seien es 66,5 Prozent gewesen. Im Gegenzug vergrößerte sich der Anteil der Menschen mit niedrigen Einkommen von 17,8 auf 21,7 Prozent. Die Gruppe der oberen Einkommen wuchs in diesem Zeitraum von 15,6 Prozent auf 16,8 Prozent. Die Reicheren seien "nicht nur immer mehr, sondern im Durchschnitt auch immer reicher geworden".

Der Trend zu einer Polarisierung der Einkommen sei vor allem für Menschen in der Mittelschicht besorgniserregend. Dies nähre Verunsicherung, dass der eigene Status bedroht sei. Als mittlere Einkommen definierten die Forscher alle Einkommen, die zwischen 70 und 150 Prozent des Durchschnittseinkommens in Deutschland entsprechen. Die Forscher verwendeten Daten aus einer seit 1984 laufenden Langzeitbefragung von mehr als 10.000 privaten Haushalten in Deutschland.

Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände forderten erneut, Wohlhabende stärker für das schwarz-gelbe Sparpaket heranzuziehen. FDP-Fraktionsvize Patrick Döring warf dagegen den rot-grünen und schwarz-roten Vorgängerregierungen vor, die Mitte geschröpft zu haben.


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