Vorsicht giftig – eine Portugiesische Galeere lässt sich durch das Meer treiben. Foto: imago stock&people

Die Portugiesische Galeere ist ein äußerst giftiger Meeresbewohner. Derzeit versetzt die Qualle die Balearen in Aufruhr.

Palma de Mallorca - Einer der englischen Spitznamen des Tieres ist „floating terror“, was nichts Gutes erwarten lässt. Man möchte der Portugiesischen Galeere, lieber nicht über den Weg schwimmen, denn die Tiere mit dem meist blau schimmernden Körper gelten als eine der giftigsten Quallenarten der Welt. Einem elfjährigen spanischen Jungen ist es vor ein paar Tagen am Strand von Elche an der Costa Blanca dennoch passiert. Der Fernsehsender Antena 3 zeigte Bilder seines Arms: Wie eine kunstvolle Tätowierung zog sich ein rotes Muster über Hand und Unterarm. Die Mutter erzählte, wie ihr Sohn Qualen gelitten habe, weil sich die Tentakeln des Tiers nicht von seiner Haut lösen wollten, er habe ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Floating terror.

Die Portugiesische Galeere, zur Gattung der Seeblasen gehörend, fühlt sich normalerweise im Mittelmeer nicht besonders wohl, weil es ihr da zu warm ist. Dieses Jahr erlebte Spanien aber einen ziemlich regnerischen, vergleichsweise kühlen Frühling, und außerdem gab es starken Wind vom Atlantik her, der die wundersamen Tiere durch die Straße von Gibraltar trieb. Jetzt sind sie da und machen Schlagzeilen, erst recht, seit sie diese Woche auch vor Mallorca gesichtet wurden. Es gebe auf der Insel ja eigentlich jedes Jahr einen Urlauberschreck, schrieb spöttisch die Mallorca-Zeitung, mal Haie, mal vermeintliche IS-Terroristen, mal die Vogelgrippe, und dieses Frühjahr nun eben: die Portugiesische Galeere.

Kurz vor Beginn der Sommersaison wurde auf Mallorca ein totes Exemplar vor der Küste der Inselhauptstadt Palma entdeckt. Kurz darauf berichteten Medien auch von mindestens zwei lebenden Exemplaren, die gesichtet worden seien. Der erste Fund Anfang der Woche an dem beliebten Strand Ciudad Jardín – zwischen „Ballermann“ und Stadtzentrum – löste einigen Wirbel aus.

Das Gift des Tieres ist zwar nicht tödlich, Todesfälle gab es dennoch

Das Tier mit den langen Fangfäden soll schon Leute umgebracht haben, weswegen es die Behörden sehr ernst nehmen. Die Stadtverwaltung von Palma schloss darum für kurze Zeit mehrere Strände, seit Donnerstag sind aber wieder alle offen. Der Vorzug der Portugiesischen Galeere ist, dass sie nicht wie manche Quallen durchsichtig ist, sondern gut sichtbar auf der Meeresoberfläche schwimmt. Das erleichtert ihre Entdeckung und Beseitigung. Und sowieso werden die Exemplare im Mittelmeer mutmaßlich nicht lange durchhalten: Ab 25 Grad Wassertemperatur sterben sie. Und so warm soll es bald wieder werden.

Mallorca ist nicht allein mit seinem Quallen-Dilemma: Exemplare waren im April bereits vor Formentera und Ibiza gesichtet worden. Allein auf Formentera wurden rund 100 Tiere eingesammelt. Auch die Begegnung des Elfjährigen mit einer Portugiesischen Galeere in Elche blieb nicht folgenlos: Auf einer Länge von 120 Kilometern wurden in Alicante am Wochenende Strände gesperrt. Die Behörden dort erwägen den Einsatz von Netzen und Drohnen. „Man kennt das aus Australien, wo es ein Problem mit Würfelquallen gibt: Solche Netze funktionieren“, sagt Winfried Hochstetter, Leiter des Aquariums Wilhelmshaven.

Die Portugiesische Galeere ist eine originelle Kreatur, die aus einer Kolonie verschiedener Polypen zusammengesetzt ist. Oben schwimmt eine Gasblase, darunter hängen die bis zu 50 Meter langen, mit giftigen Nesselzellen besetzten Tentakeln. Kleinere Beutetiere bringt das Gift um, dem Menschen bereitet die Berührung vor allem starke Schmerzen. Die Meeresbiologin Laura Prieto erklärte der Netzzeitung Público: „Wenn es einen alten Menschen mit Herzproblemen trifft, können der Schreck und der Schmerz zum Herzstillstand führen, aber er stirbt nicht wegen des Giftes.“ Im Fall der Fälle gilt es also, erst mal kühlen Kopf zu bewahren: die Fangfäden vorsichtig ablösen und die Haut mit Meerwasser abspülen. So bleiben am Ende vom schwimmenden Terror nur der Schreck und für ein paar Tage ein kunstvolles Muster auf der Haut.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: