Enzo Millot ist weder mit sich noch mit der Leistung des VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach zufrieden. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der 22-Jährige ist nicht mehr der Unterschiedsspieler, der er sein soll. Nun hat sich der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth über die Leistung des Franzosen geäußert.

Seine Ballbehandlung ist exzellent. Das zeigt Enzo Millot im Spiel des VfB Stuttgart immer wieder. Allerdings taucht seine fußballerische Begabung seit Wochen nur noch in wenigen Szenen auf. Wie zuletzt beim 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach oder zuvor beim 1:4 gegen Paris Saint-Germain. Großen Einfluss übt der Franzose mit dem feinen linken Fuß auf das Spiel des Bundesligisten aktuell nicht mehr aus. Jedenfalls im Vergleich zu Saisonbeginn, als der Mittelfeldspieler die Fans begeisterte und die Fachleute seine Klasse lobten.

 

Erinnert sei an das 5:1 gegen Borussia Dortmund im vergangenen September, mit einem überragenden Millot als Dreh- und Angelpunkt sowie Torschützen und Vorlagengeber. Vergangenheit. Millots Spiel wirkt zurzeit launenhaft, manchmal eigensinnig. Der 22-Jährige will viel erreichen – mit dem VfB, aber auch für sich selbst. Die Leichtigkeit, die seine Aktionen auszeichnen können, ist ihm dabei verloren gegangen. Es fehlen die Überraschungsmomente in seinen Dribblings und Pässen. Alles wirkt bemüht. „Die zweite Hälfte gegen die Gladbacher war zerfahren“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „da kann ich ihn nicht herausnehmen. Gemeinschaftlich hat die Mannschaft eine Leistung geboten, die nicht gut genug war, um das Spiel zu gewinnen.“

Nur: Millot, der nun hundert Pflichtpartien im Trikot mit dem Brustring absolviert hat, ist beim VfB nicht irgendein Profi. Er verkörpert einen teuren Unterschiedsspieler, mit den entsprechenden Erwartungen an ihn und den eigenen hohen Ambitionen. Dafür gewährt ihm Sebastian Hoeneß auf dem Platz Freiheiten. Weil er der Mann für magische Momente sein kann. Und auf dieses Element mag der Chefcoach nicht verzichten. Ganz gleich, wo er Millot (acht Pflichtspieltore/fünf Vorlagen) hinstellt: ob im defensiven Mittelfeld wie gegen Gladbach, ob auf der vom Spieler geliebten Zehnerposition oder ob auf der rechten Seite, um nach innen zu ziehen. Über dieses Ausnahmetalent sagt der Sportchef nun: „Er gibt sich viel Mühe.“

Das offenbart eine gewisse Unzufriedenheit mit Millots Leistungen, obwohl der Kapitän der französischen U-21-Nationalmannschaft fleißig ist, Ehrgeiz zeigt und eine zentrale Rolle auf dem Feld beansprucht. Am Willen, sich für den VfB einzubringen, liegt es demnach nicht. Zumal Millot dem Verein dankbar ist, ihm eine Chance im Profibereich gegeben zu haben. Mit dem Einzug in die Champions League fühlte sich der Techniker dann vollends im Fußballhimmel, da er sich dadurch auf der Bühne der Besten in Europa präsentieren konnte.

Doch nach dem bitteren Königsklassen-Aus bleiben Millot jetzt nur noch die nationalen Wettbewerbe, um sich für internationale Topclubs zu empfehlen. Denn im Sommer zieht es ihn weg. Aufgrund einer Ausstiegsklausel in seinem Vertrag kann er für knapp 20 Millionen Euro an Ablösesumme auch gehen. Vorher sollte er jedoch noch Eigenwerbung betreiben. An diesem Dienstag (20.45 Uhr/ARD) kann er im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den FC Augsburg im Sinne des VfB gerne damit beginnen – und danach in Dortmund fortsetzen.