Michael Schwirczek ist aus Duisburg angereist und versorgt Nachwuchsritter mit selbst hergestellten Holzschwertern. Foto: Michael Käfer

Das Mittelalter ist zum 15. Mal in die Alte Kelter eingezogen. Dort sorgten Gaukler und Musikanten bei den Besuchern für gute Stimmung.

Fellbach - Am Stand von Michael Schwirczek schlagen die Herzen von jungen Rittern höher. Hölzerne Schwerter und Hellebarden, auf Wunsch auch mit eingebranntem Namen, hat der Duisburger im Angebot.

Große Nachfrage unter den Ausstellern

Weil an die Seite eines feschen Reiters aber auch ein Burgfräulein gehört, hat er zu seinem vierten Besuch auf dem Fellbacher Mittelaltermarkt auch Jungfernkränze in die Alte Kelter mitgebracht. „In den Wintermonaten besuche ich eigentlich keine Märkte“, sagt Michael Schwirczek, der bei jährlich rund 40 Gelegenheiten seinen mobilen Laden aufbaut. Zu kalt und zu unsicher ist ihm das Wetter im Winter, seine Saison als Marktbeschicker beginnt im März und ist spätestens an Weihnachten zu Ende.

Deshalb nutzen viele Händler die Gelegenheit, im warmen Fachwerksbau zu Fellbach ihre Waren anzupreisen. Über Nachfragemangel kann sich der Veranstalter Thomas Schwinkowski bei der 15. Auflage des Markts jedenfalls nicht beklagen. Eher schon über die im Vergleich zum Vorjahr etwas geringere Besucherfrequenz, die der nahen Konkurrenz geschuldet war (siehe Nachgefragt rechts). Gut 50 Standbetreiber sind in diesem Jahr gekommen, Bewerbungen hat der Mann aus dem thüringischen Städtchen Greiz dagegen deutlich mehr als 100 erhalten. Händler und Wirtsleute, Pillendreher und Korbmacher, Bogenbauer und Lederer sind unter den Ausstellern. Allesamt Profis, die ihre Stände in jenem Stil präsentieren, die der Mensch im 21. Jahrhundert für mittelalterlich hält.

Bürojob als Ausgleich zur Schmiedekunst

Nicht alle Standbetreiber sind jedoch zum Geldverdienen gekommen. Nur der kann die Standmiete – wie bei derartigen Märkten häufig der Fall, ist es der zehnte Teil des Umsatzes – bezahlen, der überhaupt Umsatz macht. Bei Christian Glanz klimpern fast keine Münzen im Säckel. Der 35-Jährige betreibt darstellendes Handwerk, erklärt und zeigt also alte Handwerkstechniken. In seinem Fall ist das die Schmiedekunst. Während er bei früheren Gelegenheiten noch eine Gasesse anwerfen durfte, bleibt die Feldschmiede diesmal kalt. Allzu gefährlich ist der Funkenflug für das trockene Gebälk. Deshalb ist er von Eisen als Rohstoff auf das auch kalt zu bearbeitende Messing umgestiegen. „Ich habe einen Bürojob und das ist für mich der Ausgleich“, sagt der Nürtinger Hobbyschmied, der etwa zehn Mittelaltermärkte pro Jahr besucht.

Dass sich jeder in feuerpolizeilicher Hinsicht an die Regeln hält, überwacht Andreas Speer. Der Hauptlöschmeister der Freiwilligen Feuerwehr Schorndorf hat die Lage im Griff, zudem stehen etliche Feuerlöscher griffbereit parat. Zum Einsatz kommen sie nicht, denn „die Leute wissen, was sie tun“, sagt der 55-Jährige. Das kann er nicht nur aus der Sicht des Brandexperten beurteilen, denn Andreas Speer ist selbst Freund des Mittelalters und Teil einer Gruppe, die bei vielerlei Gelegenheiten im Stil der Stauferzeit auftritt. Dann verwandelt sich der Hauptlöschmeister in einen Kaufmann aus der Zeit zwischen 1100 und 1300.

Reiche Bürger und arme Marktweiber tummeln sich zwischen Rittern

Endgültig zur Zeitmaschine wird die Alte Kelter durch die Besucher selbst. Während in den Anfangsjahren moderne Alltagskleidung dominierte, sind die „Gewandeten“ inzwischen eindeutig in der Mehrzahl. Reiche Bürger und arme Marktweiber tummeln sich zwischen Rittern wie Michael Mack. Der Söldnerhauptmann aus dem 15. Jahrhundert schleppt nicht nur eine 50 Pfund schwere Rüstung mit sich, sondern auch einen Flammberg, also ein zweihändiges Schwert, das ob seiner Wirkung im Kampfgetümmel mitunter Gassenhauer genannt wird. Deutlich leichter als das acht Kilogramm schwere Schwert tragen die Falkner. Gleich bei mehreren von ihnen sitzen Eulen, Falken oder andere Greifvögel auf dem Unterarm und bilden begehrte Fotomotive.

Stimmungsmacher im Saalbau sind die Musikanten, Federfechter und Gaukler, die Thomas Schwinkowski für gut 20 Auftritte engagiert hat. Willis der Gaukler und das opulent kostümierte Trio des Theaters Feuervogel sind die einzigen Akteure, denen Andreas Speer eine Ausnahme vom Feuerverbot in der Halle gewährt. Auch ohne Brandbeschleuniger sorgt die Band Metusa um ihren extrovertierten Frontmann Dominik Schurdak für Feuer unterm Dach. Das Repertoire des Septetts alterniert zwischen Folk und Punk. Fast ausschließlich präsentiert es Eigenkompositionen, angereichert durch Coversongs. Eine Mischung, die den aus dem Großraum Stuttgart zusammengewürfelten Halbprofis bis zu 80 Auftritte im Jahr und begeistert mitsingende Fans in der Alten Kelter beschert.

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