In der Stadt waren auch Ritter in Kettenhemden samt Streitaxt und Schild zu bestaunen. Foto: Werner Kuhnle

Zahlreiche Besucher tauchten beim Historischen Markt in Großbottwar wieder in die bunte Welt des Mittelalters ein. Hunderte Besucher säumten die Straßen beim Eröffnungsumzug. Es gab auch Schaukämpfe von Rittern auf dem Marktplatz.

„Jubelt, freches Pack, jubelt!“, schrie der Mann mit der großen Peitsche und ließ sein Folterinstrument laut knallen. Das Volk zeigte sich folgsam: „Jubel, Jubel!“-Geschrei füllte die Gassen. Hunderte waren bereits zum Eröffnungsumzug des 16. Historischen Markts in Großbottwar geströmt, ein buntes, vielseitiges Spektakel, bei dem die Besucher für ein paar vergnügliche Stunden in die Welt des Mittelalters eintauchen konnten.

 

Im Umzug bekamen sie nicht nur den Peitschenmann zu sehen. Fahnenschwinger, mit großen Bannern teils in den Stadtfarben Gelb und Rot, schritten voran, Ritter in Kettenhemden folgten mit schwerem Tritt, ferner Marketenderinnen, Wahrsagerinnen, Musikanten, Puppenspieler, Mönche. Es gab Darbietungen auf dem Marktplatz, und an rund 40 Ständen in der Altstadt konnte man Handwerkern zuschauen, Märchen hören, mittelalterlich designten Schmuck erwerben. Oder geflammten Lachs, Hirschpfanne oder „gehobelte Schweinespäne“ genießen.

Auch Bürgermeister Ralf Zimmermann mischte sich unter das Volk, stilecht gekleidet im edlen karminroten Wams. Zur Begrüßung auf dem Marktplatz freute sich der Schultes: „Schön, dass Sie alle gekommen sind! Es lohnt sich, beieinanderzusein.“ Er stellte fest: „Das Bier läuft auch, so muss es ein.“ Zimmermann würdigte das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, „ohne die dieser Markt gar nicht möglich wäre“.

Gandulph von Brandeshall nannte sich der „Großmeister der Freien Ritterschaft Baden“, der mit einem Augenzwinkern eine lange Liste nicht immer ernst gemeinter Marktgesetze verlas. Weinpanschern und betrügerischen Händlern wurden harte Strafen angedroht; der Henker, Severinus der Gestrenge aus Bayern, stand schon bereit.

Besagte Ritterschaft, hinter der sich ein Verein aus Pforzheim verbirgt, lockte viele Besucher zu den Schaukämpfen auf den Marktplatz. Sir Galahad, Sir Lancelot oder auch Mertain von Liebeneck jagten über das Pflaster und ließen die Schwerter klirren.

Viel geboten war für die Kinder: Armbrust- und Bogenschießen, Beil-Werfen, Steinmetz-Übungen, auch ein kleines Ritterturnier zog die Kleinen an. Sie trafen auf einen freundlichen Ritter, der erklärte, wie schwer das Kettenhemd ist – 17 Kilo, immerhin – und warum er das Schwert immer links tragen muss. „Das ist ziemlich lang, und so kann ich es besser mit der Rechten aus der Scheide ziehen.“

Großbottwar hat in der Fangemeinde der Mittelalterfreunde einen sehr guten Ruf. Die Besucher Knut und Elvara, im Stil des Jahres 1000 gekleidet, stellten sich als „Wikingerpaar aus Haithabu“ vor. Elvara, schwärmte von „der Atmosphäre hier. Die Stimmung in den Gassen ist etwas Besonderes.“ Die beiden waren extra von der Ostalb angereist. „Wir interessieren uns sehr für die Geschichte, bei uns gibt es ein großes Gräberfeld aus der Merowinger-Zeit.“

Viele Besucherinnen und Besucher spazierten als Ritter, Gaukler oder Edelfrau durch die Stadt mit ihren zahlreichen Fachwerkgebäuden. „Das macht einfach Spaß,“ sagte Sursula, eine Modedesignerin, hier Mitglied des Musik-Ensembles Faranspil, das immer wieder – mit Dudelsack, mit Flöten, mit Schellen – für mittelalterliche Klänge sorgte. Oder für wilde Rhythmen zum „Rattenstampftanz“, mit dem die lästigen Nager verjagt werden sollten, „damit wir tanzen können“.

Wer sich für altes Handwerk interessierte, wurde in den Nebengassen fündig. In der „Zeugschmiede“ arbeitete Nico John alias „Jan der Schmied“. Er fertigte in der Glut kleine Gebrauchsgegenstände. Zum Beispiel die handlichen Gewandfibeln, eine Art Sicherheitsnadel, die in früheren Zeiten die Kleider zusammenhielten. Als Chemielaborant kann „Jan“ natürlich mit Materialien umgehen. Er sagte: „Ich genieße die Zeit hier. Die Leute sind so entspannt, das ist wie Urlaub!“

In der Kleidung eines Johannitermönches wandelte Lothar Strecker aus Großbottwar durch die Altstadt. Er hat sich schon immer für die alten Orden interessiert und weiß viel von deren Geschichte zu erzählen. Auch er schätzte besonders die Stimmung auf dem Mittelaltermarkt. „Hier gibt es keine Pöbeleien, alle gehen freundlich miteinander um,“ hat er beobachtet. In der Tat, sehr friedlich; ein hochgerüsteter Kreuzritter und ein Mann in orientalischer Tracht ließen sich lächelnd gemeinsam fotografieren …