Peter Möller muss inzwischen keine Blutdrucksenker mehr nehmen. Foto: Werner Kuhnle

Peter Möller hat rund 20 Kilo abgenommen, seit ihn sein Arzt in Marbach (Kreis Ludwigsburg) per Abnehmspritze behandelt. Seine Erfahrungen damit sind positiv – mit kleinen Ausnahmen.

Der Blutdruck war entschieden zu hoch, eine Diabetes bereits im Anmarsch. Im Gewebe lagerte sich Wasser ab, beim Treppensteigen ging ihm schnell die Puste aus. Peter Möller (Name geändert) hatte etliche gesundheitliche Baustellen, verursacht oder zumindest verschärft durch sein Übergewicht. Mehr als 120 Kilogramm verteilten sich auf 1,80 Körpergröße. „Das konnte so nicht weitergehen“, sagt der 60-Jährige – zumal er im vergangenen Jahr auch noch vor einem Burnout stand und ihn eine Gürtelrose Schachmatt gesetzt hatte.

 

Möller war klar, dass er das Problem an der Wurzel packen musste, was vor allem hieß, neben dem Stress bei der Arbeit das Gewicht zu reduzieren. Und sein Marbacher Hausarzt David Strodtbeck kam dabei mit einer Lösung um die Ecke, die Möller gar nicht auf dem Schirm hatte: einer Abnehmspritze. Seit Januar zieht er sich nun regelmäßig das Medikament der Marke Mounjaro auf – mit durchschlagendem Erfolg.

Er bringe nur noch knapp über 100 Kilo auf die Waage, habe folglich rund 40 Pfund abgenommen. „Auch meine Blutwerte sind mittlerweile vollständig in Ordnung“, sagt der Ingenieur. Seinen Blutdrucksenker habe er absetzen können, ebenso die Tabletten, die das überschüssige Wasser aus seinem Körper schwemmten. „Außer dem Mounjaro nehme ich im Augenblick gar nichts mehr. Das hätte ich mir nie träumen lassen“, konstatiert Möller. „Eigentlich müsste ich beim Hersteller mal anklopfen, ob ich nicht Werbung für den Laden machen sollte“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Private Kasse übernimmt die Kosten

Bei den Abnehmspritzen sind inzwischen mehrere Präparate auf dem Markt. Foto: Archiv (dpa)

Bis dato hat Möller auch Glück mit seiner privaten Krankenkasse, die die gesamten Kosten für die Therapie übernommen hat. Ansonsten hätte er tief in die Tasche greifen müssen. Die Dosierung steigert sich in der Regel, Möller ist mittlerweile in der höchsten Stufe bei 15 Milligramm angelangt. Eine Spritze reicht für vier Injektionen in vier Wochen. Im Monat müssten Selbstzahler dafür 487 Euro hinblättern. „Mir wäre es allerdings sogar wert, die Kosten zu übernehmen. Ich fühle mich deutlich jünger, bin leistungsfähiger“, beteuert er. Ihm ist zudem bewusst, dass seine Kasse nicht ewig für die Behandlung aufkommt.

Umgekehrt möchte Möller das Medikament auch nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag einnehmen. Und zwar nicht nur wegen der perspektivisch auf ihn zurollenden Kosten, die sich pro Jahr in einem mittleren vierstelligen Bereich bewegen würden. In seinen Überlegungen spielen auch die Nebenwirkungen eine Rolle. Die sind bei ihm glücklicherweise überschaubar, aber doch nicht von der Hand zu weisen.

Zum einen nehme die Muskelmasse ab. Das sei zwar eine in dem Alter normale Begleiterscheinung des Abnehmens, die aber durch Mounjaro verstärkt werde. Zum anderen werde der Verdauungsapparat träger. „Das ist bei mir besonders problematisch, weil ich seit Jahrzehnten eine immer wiederkehrende Darmentzündung habe, die empfindlich gegen eine langsame Verdauung ist. Der Verlauf der Entzündung ist dann schlimmer“, erklärt Möller.

Vermutlich werde er die Spritzenkur fürs Erste im Sommer beenden. Dann spiele mutmaßlich die Krankenkasse auch in Sachen Kostenübernahme nicht mehr mit. Die warmen Monate seien davon abgesehen ein guter Zeitpunkt, weil er dann viel Sport treiben und sich zum Beispiel aufs Fahrrad setzen könne. So lasse sich hoffentlich kompensieren, dass der Appetit wieder stärker wird.

Allerdings flankiert Peter Möller die Mounjaro-Injektionen bereits jetzt mit einem erhöhten körperlichen Trainingspensum, was den Erfolg der Therapie unterstützt haben dürfte. In der Mittagspause unternimmt er zum Beispiel gerne Spaziergänge. Auf dem Rad hat er in diesem Jahr circa 5000 Kilometer abgespult. Dazu hat er seine Ernährung ziemlich radikal umgestellt. Er orientiert sich an einem Speisefahrplan nach den Grundsätzen von Metabolic Balance, der auf einer Blutanalyse basiert und exakt auf ihn zugeschnitten wurde.

Dabei ist dann vereinfacht ausgedrückt geregelt, welche Lebensmittel in welcher Menge und in welcher Kombination er zu sich nehmen sollte. „Das funktioniert bei mir sehr gut“, sagt er. Fleisch und Wurst kommen bei ihm beispielsweise nur noch in Ausnahmefällen auf den Teller. „Da kann man trotzdem tolle Sachen machen. Das ist mir auch wichtig. Ich esse gut und gerne“, erklärt Peter Möller.

Der 60-Jährige macht sich auch keine Illusionen, träumt nicht von einem Körper wie ein Profisportler. Sollte sich sein Gewicht nach dem Aussetzen der Spritzenbehandlung bei um die 100 Kilogramm einpendeln, wäre er vollauf zufrieden.

Frage der Langzeitfolgen ist für Möller nebensächlich

Sollte jedoch ein Jo-Jo-Effekt eintreten, würde er auf ein günstigeres Alternativprodukt umschwenken oder mit Mounjaro in reduzierter Dosis wieder einsteigen. Die Frage nach möglichen Langzeitfolgen blendet er dabei nicht aus, sie ist für ihn aber nebensächlich. „Für mich ging es in erster Linie darum, das Gewicht herunterzubekommen, um das damit verbundene erhöhte Risiko für andere gesundheitliche Probleme zu senken. Ich habe 30 Jahre geraucht und genug Chemie in mich hineingekippt. Da kommt es auf die Spritze nicht mehr an“, sagt er.

Was die Medikamente kosten

Präparate
In Deutschland sind drei Abnehmspritzen mit unterschiedlichen Wirkstoffen zugelassen. Die Kosten müssen meist privat getragen werden. Bei Diabetes-Erkrankungen übernehmen in der Regel die Krankenkassen die Ausgaben, die je nach Präparat und Dosierung zwischen 300 und 500 Euro kosten.

Grade
Adipositas ist eine Erkrankung, die verschiedene Ursachen haben kann wie den Lebensstil, psychische Probleme, genetische Faktoren oder Medikamente. Liegt der Body-Mass-Index (BMI) über 30, wird es kritisch – was zum Beispiel bei jemandem der Fall ist, der bei einer Größe von 1,80 Meter mindestens 97 Kilo auf die Waage bringt. Es gibt drei Adipositas-Grade, der schwerste liegt bei einem BMI über 40 vor.