Der russische Impfstoff Sputnik V wird in dem Land bereits seit längerer Zeit verimpft. Die Europäische Arzneimittelagentur entscheidet nun über eine Zulassung in der EU. Foto: AFP/Alexander Nemenov

Firmen in der ganzen Welt forschen an Impfstoffen. Wie weit sind die einzelnen Mittel? Und welches ist Studien zufolge wie wirksam? Ein Überblick.

Stuttgart - Derzeit gibt es weltweit rund 250 Projekte zur Entwicklung von Corona-Impfstoffen, darunter elf in Deutschland. Das geht aus Daten des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hervor. Ein Überblick.

Impfstoffe mit EU-Zulassung

In den USA, der EU und anderen Industrienationen sind vor allem die hochwirksamen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna im Einsatz. Mit diesen Impfstoffen wird der genetische Bauplan von Teilen der Virushülle in den menschlichen Körper gebracht, worauf die Immunabwehr in Gang kommt.

Inzwischen hat auch der Vektorimpfstoff von Astrazeneca eine EU-Zulassung erhalten. Er basiert auf nicht vermehrungsfähigen Schimpansenviren. In Großbritannien wird er schon in großem Stil eingesetzt. Die Wirksamkeit in den Zulassungsstudien lag je nach Dosierung zwischen 60 und 90 Prozent.

Britischen Behörden zufolge soll das Vakzin auch bei älteren Menschen gut wirken, das hätten neue Studiendaten des britisch-schwedischen Konzerns bestätigt. In Deutschland wird der Impfstoff bis jetzt nur für Personen unter 65 empfohlen.

Russische Impfstoffe

Der weltweit erste Impfstoff, der in großem Stil geimpft wurde, war Sputnik V aus Russland. Bisher ist dieser Vektorimpfstoff vor allem in Russland eingesetzt worden, nun wollen ihn weltweit auch immer mehr andere Staaten nutzen.

Nach eigenen Angaben hat Russland bereits vor zwei Wochen einen Zulassungsantrag bei der europäischen Behörde Ema gestellt. Laut einer Studie im Fachblatt „Lancet“ liegt die Wirkung bei 92 Prozent.

Chinesische Impfstoffe

Weltweit preist China derzeit zwei Impfstoffe an, einen von Sinopharm und einen von Sinovac. Beides sind Totimpfstoffe, die auf abgetöteten Coronaviren beruhen. Über die Wirksamkeit ist noch wenig bekannt. Bisherige Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine fortgeschrittene klinische Studie der Phase III ergab in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Wirksamkeit von 86 Prozent.

Weitere Impfstoffe

Weltweit haben weitere Impfstoffe in absehbarer Zeit gute Chancen auf eine Zulassung. Dazu gehört der mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac, für den derzeit eine Phase-III-Studie läuft. Das US-Unternehmen Novavax hat einen Proteinimpfstoff in der Entwicklung, der in einer Phase-III-Studie zu annähernd 90 Prozent gewirkt hat.

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Der US-Konzern Johnson & Johnson hat die Notfallzulassung seines Impfstoffs in den USA beantragt und plant dies auch in der EU. Laut einer zuvor veröffentlichten Studie liegt die Wirksamkeit des Präparats, bei dem im Gegensatz zu den anderen Vakzinen nur eine Dosis nötig ist, bei 66 Prozent. Der US-Hersteller Merck hat dagegen die Entwicklung seiner beiden Impfstoffe eingestellt, weil die Immunantwort unbefriedigend war.

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