Andreas Kwiezinske, Thomas Thull und Reiner Nolle vom Polizeiposten Sillenbuch: Viel Zeit fürs Essen bleibt meistens nicht. Foto: Fritzsche

Ein Besuch auf dem Polizeiposten Sillenbuch und bei der Feuerwehrwache 5 an der Tränke: Wie sieht es hier mit dem Mittagessen aus, bei Schichtdiensten und Einsätzen, die sich nicht nach Uhrzeiten richten?

Degerloch/Sillenbuch - Mittagessen bei festen Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr ist schön und gut – aber wie sieht es eigentlich aus, wenn diese Rahmenbedingungen eher nicht gegeben sind? Beispielsweise wenn im Schichtdienst gearbeitet wird oder jederzeit ein Notfall eintreten kann, eben auch zwischen 12 und 13 Uhr.

Drei Kollegen sind es, die im Polizeiposten Sillenbuch tätig sind: der Leiter der Dienststelle, Hauptkommissar Thomas Thull, sowie die beiden Kollegen Andreas Kwiezinske, Polizeihauptmeister, und Reiner Nolle, Hauptkommissar, schieben hier Dienst. Dabei steht vor allem eines fest: Feste Zeiten fürs Mittagessen sind im Alltag gar nicht möglich. Thomas Thull sagt sogar: „Ich esse mittags gar nicht.“ Stattdessen werde gut gefrühstückt. „Abends koche ich gemeinsam mit meiner Frau das Abendessen.“ Ob ihm das gar nicht schwerfalle, tagsüber nichts zu essen? „Nein, gar nicht“, sagt Thull, „das ist Gewöhnungssache“.

Die Arbeit geht vor, das Essen muss warten

Sicher, gibt er zu und lacht, manchmal führe ihn der Duft aus dem Restaurant Pro Arte in Versuchung – das mediterrane Restaurant liegt im gleichen Gebäude wie das Polizeirevier. Kwiezinske und Nolle bringen sich beide ihr Mittagessen von daheim mit. „Das ist oft ein Salat“, erzählt Kwiezinske, gegen später gibt es Joghurt oder Obst. Die beiden setzen sich oft in die kleine Küche und essen zusammen. Wann das jeweils ist, hängt von den Dienstzeiten ab – ob etwa ab 6, 7 oder 8 Uhr gearbeitet wird. Und auch davon, was gerade auf dem Polizeiposten los ist. „Wenn es klingelt und Bürger mit einem Anliegen hereinkommen, müssen wir das Mittagessen stehenlassen“, so Kwiezinske.

Die umliegenden Gaststätten und Restaurants entlang der Kirchheimer Straße besuchen die Polizisten nur ausnahmsweise: „Zu einem Geburtstag vielleicht mal“, erzählt Thomas Thull, „oder wenn ehemalige Kollegen uns besuchen“. Auch hier gilt aber: Die Arbeit geht vor, das Essen muss im Zweifelsfall warten.

So sieht es bei der Berufsfeuerwehr in der Tränke ebenfalls aus. Geht ein Alarm ein, wird alles stehen- und liegengelassen, auch das Mittagessen. „Wir haben viele Sonderfahrzeuge hier, sodass meistens nicht alle Kollegen ausrücken müssen“, erzählt Tobias Gohrbandt. Der verbliebene Rest koche dann zu Ende, und die ausgerückten Kollegen müssen eben essen, wenn sie vom Einsatz zurück seien. Dass alle ausrücken müssen und das Essen ganz auf der Strecke bleibt, kommt selten vor.

Tobias Gohrbandt und Torsten Brandt von der Feuerwehrwache 5. Gegessen wird meist gemeinsam. Foto: Fritzsche

Das Essen ist eine Gemeinschaftsaktion

Das Mittagessen, überhaupt das Essen, ist eine Gemeinschaftsaktion in der Wache 5. Die Feuerwehrmänner und -frauen sitzen zusammen am Tisch in den Aufenthaltsräumen der Wache. Und die Auswahl ist groß. Aus dem Pflegeheim in Sonnenberg kommt eine Selektion aus drei Menüs, die wählbar sind, ein weiterer Lieferdienst bietet täglich ein Essen an. Alternativ können die Feuerwehrleute etwas Mitgebrachtes wärmen oder in der großen Küche selbst eine Mahlzeit zubereiten. Die Kollegen sind neben anderen Diensten auch in einen Küchendienst eingeteilt, sodass sie sich abwechseln, was das Kochen, Spülen und Aufräumen angeht.

Die Wache verlassen, um bei einem Essenstand im Industriegebiet Tränke etwas zu kaufen, ist meistens nicht möglich: „Wir sind fahrzeuggebunden“, sagt Tobias Gohrbandt. Die Kollegen müssen verfügbar sein, wenn ein Alarm eingeht. Wer sich unterwegs etwas besorgen kann, ist die Rettungswagenbesatzung: „Die sind tagsüber sowieso oft unterwegs“, sagt Gohrbandt.

Für Wochenenden und Feiertage muss anders geplant werden, da die Lieferdienste nicht zur Verfügung stehen. Auch hier wird gemeinsam gekocht oder bei schönem Wetter draußen gegrillt.

So wichtig das kommunale Essen auf der Feuerwehrwache ist, so nahrhaft muss es auch sein: In drei Schichten sind die Feuerwehrleute eingeteilt, pro Schicht sind es 22, 23 Kollegen, die 24 Stunden lang im Dienst sind. So lange sollte der Magen nicht knurren: Höchstleistungen bei einem Einsatz der Feuerwehr sind ansonsten kaum möglich. Im Ausnahmefall kommt der „Giftschrank“ zum Einsatz, den Tobias Gohrbandt schmunzelnd vorzeigt: Er ist gefüllt mit Schokoladenriegeln.

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