Schwäbisch, italienisch oder Foto: Annina Baur

Ade veganes Mittagessen: das Coox & Candy hat seinen Mittagstisch eingestellt. Ob der Mittagstisch in Bad Cannstatt rentabel ist oder nicht, darüber sind die Gastronomen in der Altstadt sehr unterschiedlicher Ansicht.

Bad Cannstatt - Tofu und Tempeh scheinen doch nicht jedermanns Sache zu sein: Mit Beginn des Monats März hat das vegane Restaurant Coox & Candy an der Sulzbachgasse seine Öffnungszeiten reduziert und den Mittagstisch eingestellt. Dienstags bis freitags öffnet das Lokal seither erst um 17 Uhr. „Am Abend sind wir es gewohnt, volles Haus zu haben. Mittags ist die Auslastung unter der Woche leider schwankend“, sagt Kathrin Friedrich, die Teil der dreiköpfigen Geschäftsführung des Restaurants ist. „Die Cannstatter sind anscheinend der veganen Küche nicht ganz so zugeneigt wie unser Publikum, das am Abend auch von außerhalb zu uns kommt.“ Sorgen um das Fortbestehen des veganen Lokals müsse sich aber niemand machen: „Die Nachfrage ist super, nur eben im Mittagstisch nicht.“ Die veränderten Öffnungszeiten böten auch Chancen, andere Geschäftsfelder wie das Catering auszubauen. Nichtsdestotrotz schließt Friedrich nicht aus, die veränderten Geschäftszeiten im Sommer mit einem veränderten Konzept für den Mittagstisch wieder zu korrigieren – festlegen möchte sie sich zurzeit allerdings nicht.

Schneller Snack konkurriert mit gepflegtem Mittagessen

Für Peter Zimmermann von der Alten Schmiede kommt eine Wiederbelebung des Mittagstisch nicht infrage: „Der Mittagstisch hat mich mehr Strom gekostet, als er eingebracht hat“, sagt der Wirt des Gasthauses an der Kühlbrunnengasse. Wenige Monate, nachdem er das Lokal im Sommer 2010 übernommen hatte, stellte Zimmermann den unrentablen Mittagstich ein und konzentrierte sich ganz auf den Abend: „Mittags wollen die meisten Leute einen schnellen, billigen Snack“, glaubt Zimmermann nicht an die Zukunft des gepflegten Mittagessens im schönen Ambiente.

Das sieht Bea Stimpfig vom Restaurant Meran anders. „Natürlich muss es mittags schnell gehen“, sagt die Inhaberin des Lokals am Cannstatter Marktplatz, das beim Start 2010 zunächst ausschließlich tagsüber geöffnet war und sich nach und nach zum Spezialitätenrestaurant entwickelt habe, das sein Hauptgeschäft abends mache. Dennoch wagt sie gerade mit dem Mittagstisch einen Neustart, nachdem das Meran wegen Krankheitsfällen und Personalmangel zwischenzeitlich mittags geschlossen bleiben musste. Seit Kurzem gibt es wieder einen Mittagstisch, bei dem Bea Stimpfig auf Klasse setzt. „Wir bieten ein gehobeneres Mittagessen an, für das wir eine Stammkundschaft haben.“ Während der Eingewöhnungszeit für den neuen Koch sei die gesamte Speisekarte ein wenig reduziert, solle aber bald wieder auf den gewohnten Umfang ausgebaut werden. „Der Mittagstisch lohnt sich“, ist Stimpfig überzeugt. Ganz besonders gelte dies für die Sommermonate, wenn die Terrasse des Meran wieder geöffnet sei.

Bis zu 300 Essen in zwei Stunden

Der Sommer ist auch für Giuseppe Vaglica die umsatzstärkste Zeit des Jahres – kein Wunder bei der Terrasse des Elefantino, die sich beinahe über den gesamten Felgerhof erstreckt. Bis zu 300 Essen verlassen an guten Tagen über die Mittagszeit die Küche des italienischen Restaurants. Vaglica hat den Mittagstisch zu seinem Markenzeichen gemacht: Für 5,90 bis 9,90 Euro haben seine Gäste täglich die Auswahl zwischen einem vegetarischen Gericht, einer Pizza und einem Fleisch- oder Fischgericht, dazu kommt ein Aktionsessen. Bei solchen Preisen kommt der Umsatz mit der Masse, die Vaglica mit vielfältiger und gesunder Küche seit der Eröffnung des Elefantino 2010 Jahr für Jahr gesteigert hat. Inzwischen macht er mittags sein Hauptgeschäft, abends schließt das Elefantino normalerweise circa um 20 Uhr: „Das ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung“,sagt Vaglica. Auf diese Weise könne er mit einer Schicht arbeiten und abends sei das Elefantino nicht besonders gut besucht: „Wenn die Läden schließen, werden auch unsere Gäste weniger.“ Für Feiern und größere Gruppen öffnet Vaglica Küche und Lokal allerdings auch abends. Eine Reservierung dafür ist Pflicht und übrigens auch mittags zu empfehlen: „Wir sind oft bis auf den letzten Platz besetzt.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: