Am Robert-Bosch-Gymnasium in Gerlingen sind in diesem Schuljahr die Anmeldezahlen deutlich zurückgegangen. Foto: Simon Granville

Die Kritik am fehlenden Mittagstisch am Gerlinger Gymnasium zeigt Wirkung – es soll eine Interimslösung getestet werden. Der geplante Mensabau verteuert sich um 1,5 Millionen Euro.

Dass Thema fehlender Mittagstisch an den weiterführenden Schulen in Gerlingen sorgt für reichlich Wirbel in der Strohgäukommune. Offenbar wurde der Druck auf die Stadt in den vergangenen Wochen immer stärker: Die Verwaltung reagiert jetzt mit der Ankündigung eines Interimangebots für die fünften und sechsten Klassen. Gleichzeitig musste die Stadt einräumen, dass der vereinbarte Kostendeckel für die neue Mensa nicht eingehalten werden kann.

 

Wie unsere Zeitung berichtet hatte, waren am Robert-Bosch-Gymnasium in Gerlingen in diesem Schuljahr die Anmeldezahlen deutlich zurückgegangen. Als einer der mutmaßlichen Gründe wurde die mangelnde Essensversorgung der Schüler ins Feld geführt – für berufstätige Eltern ein triftiges Argument. Entsprechende Leserbriefe und Rückmeldungen bei der Stadtverwaltung bestätigten in der Folge, dass der fehlende Mittagstisch für viele Familien ein großes Problem darstellt.

Pilotphase soll ein Jahr laufen

Die Stadtverwaltung zieht deshalb nun die Reißleine: Bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend kündigte Bürgermeister Dirk Oestringer an, die Stadt werde „ad hoc ein Interimsangebot erstellen“. Demnach soll noch in diesem Jahr für die fünften und sechsten Klassen der Realschule und des Gymnasiums Mittagessen angeboten werden. Die Speisen liefert das Altenhilfezentrum Breitwiesenhaus.

In einer Pilotphase von einem Jahr soll es zunächst Montag, Dienstag und Donnerstag für die Schüler Essen geben. Die Stadt rechnet bei 341 Fünft- und Sechstklässlern mit rund 50 Essen pro Ausgabetermin. Der Knackpunkt: Noch ist völlig offen, wo genau der Mittagstisch stattfinden kann.

Mensa soll gebaut werden

Daniela Höck, deren Kinder die sechste und achte Klasse des Gymnasiums besuchen, zeigt sich nach der Gemeinderatssitzung skeptisch, dass der Plan umsetzbar ist. „Wenn es zustande kommt, wäre es toll“, sagt sie. Sie gibt aber zu bedenken, dass die beiden Schulen keinerlei Infrastruktur wie Industriespülmaschinen und Räume für das Essensangebot besitzen. Eine Möglichkeit wäre die Jahnhalle, doch die sei belegt. Höck hatte im August eine Online-Petition gestartet, um die Stadt zur Einrichtung eines Mittagstischs zu bewegen.

Die Stadtverwaltung betont, den Ort der Essensausgabe mit den Schulleitungen aktuell abzustimmen. Zudem wurde angekündigt, dass, je nach Verlauf der Pilotphase und der Nachfrage, das Angebot auf höhere Klassenstufen ausgebaut werden könnte. Das Essen soll online buchbar sein.

Am Mittwoch fasste der Gemeinderat zudem den Beschluss zum Bau der neuen Mensa am sogenannten roten Platz. Zum Schuljahr 2027/2028 soll ein rund 600 Quadratmeter großer Neubau mit Küche und Speisesaal entstehen, der 200 Schülern gleichzeitig Platz bietet. In dem Gebäude an der Straße Beim Brückentor soll frisch gekocht werden.

Wie die aktuelle Kostenberechnung des beauftragten Architekturbüros jetzt zeigt, wird der vom Gemeinderat auf Grundlage einer ersten Grobkostenannahme ursprünglich beschlossene Kostendeckel von fünf Millionen Euro gesprengt. Oestringer sprach im Rückblick von einem „sehr ambitionierten Projektbeschluss“.

Könnte das Land doch noch finanziell fördern?

Die neue Kostenberechnung ergibt, dass die Mensa sich ohne nachträgliche Einsparungen um rund 2,2 Millionen Euro verteuern würde. Mit den am Mittwoch beschlossenen Einsparmaßnahmen, die im Wesentlichen aus einer Fülle von kleineren Einzelposten besteht, wird die Mensa nach derzeitigen Berechnungen rund 1,5 Millionen Euro teurer als vorgesehen. Am grundsätzlichen Verpflegungskonzept der frischen Zubereitung vor Ort soll sich nichts ändern.

Die Tatsache, dass der Bau der Mensa sich nun auf rund 6,5 Millionen Euro verteuert, sahen einige Stadträte kritisch. Björn Maier von den Grünen betont: „keine Mensa zu haben, wäre aber ein Wettbewerbsnachteil für die Schulen“. Die FDP-Stadträtin Annette Höhn-Thye nannte die Mensa eine für „die Vereinbarkeit von Beruf und Familie notwendige Baumaßnahme“. Nachdem zunächst ein Förderantrag beim Land wegen Überzeichnung des Fördertopfes keinen Erfolg zeitigte, rechnet die Stadt wieder mit einer Förderung in Höhe von bis zu vier Millionen Euro.