Die neue Esslinger Band „Ela und die Herzensbrecher“ präsentiert eine hinreißende Schlagerrevue. Foto: Roberto Bulgrin

Das neue Band-Projekt „Ela und die Herzensbrecher“ feiert mit Schlagern der 1950er und 1960er Jahre Premiere bei den Galgenstricken in Esslingen. Neun Monate lang hat sich das Quartett darauf vorbereitet.

Sie bringen die Herzen zum Schmelzen. Sie animieren zum Mitsingen. Sie sorgen dafür, dass man für zweieinhalb Stunden die Welt um sich herum vergisst: „Ela und die Herzensbrecher“. Mit einer hinreißenden Schlagerrevue luden sie in den ausverkauften Keller der Esslinger Galgenstricke zur Premiere und zu einem musikalischen Ausflug in die 1950er und 1960er Jahre: Damals reisten die Deutschen in ihr Sehnsuchtsland Italien, im Gepäck Nietenjeans und den Itsy-Bitsy-Teenie-Weenie-Honolulu-Strandbikini. Damals glaubten sie – Marmor, Stein und Eisen zum Trotz – an unverbrüchliche Liebe. Und der Bossanova war an allem schuld.

 

„Wir lieben diese Zeit, die Atmosphäre, die Musik, die Kleidung“, gesteht das Esslinger Ehepaar Ela Kirchner und Buddy Bosch. Als Mundart-Duo „Buddy & Ela“ nehmen sie die Schlager aus den Wirtschaftswunderjahren mit neu gedichteten schwäbischen Texten aufs Korn, als „Ela und die Herzensbrecher“ gibt’s im Quartett mit Manne Stauss und Hardy Fritsch die Songs der Fünfziger und Sechziger nun mit den Originaltexten: Sie schwärmt vom schönen Galan, und statt Schokolade will sie lieber einen Mann. Er tut für Gaby einfach alles und träumt „im Mondenscheine“ vom großen Glück. Und gemeinsam tanzen sie beim Tango um Mitternacht bis in den Morgen.

Dass die vier Musiker Spaß haben, ist bei der Premiere unüberhörbar: „Jeder bringt seine Stärken, seine musikalische Vergangenheit und seinen Stil mit ein. Das könnte bei vier Individualisten schwierig werden, harmoniert bei uns aber richtig gut“, sagt Buddy Bosch. „Die Professionalität ist das eine, das menschliche Miteinander das andere. Wir passen prima zusammen, wir diskutieren wertschätzend. Wenn mal Kritik nötig ist, wird sie konstruktiv formuliert“, lobt Ela Kirchner die Zusammenarbeit. Ein Dreivierteljahr haben sie das Projekt entwickelt, haben getüftelt und geprobt, um etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen: „So eine Band von Null auf zu starten, ist richtig viel Arbeit. Wenn vier Leute das gleiche Wort singen, betont jeder ein bisschen anders. Da wird aus ‚Glück‘, dann gerne mal ‚Glück-ck-ck-ck‘. Das muss man sauber justieren“, erzählt Buddy Bosch.

Manne Stauss am Akkordeon hat ein Vierteljahrhundert Erfahrung in A-Cappella-Formationen, ist ein Meister im Arrangieren von mehrstimmigem Gesang, ein begnadeter Sänger und ein witziger Moderator. Hardy Fritsch ist nicht nur ein genialer Bassist und einfallsreicher Arrangeur, sondern auch ein famoser Drafi-Deutscher-Wiedergänger. Multitalent Buddy Bosch steuert die Truppe als Bandleader mit Gitarre und Banjo und überzeugt als Freddy-Quinn-Imitator. Und Ela Kirchner wickelt mit ihrer glockenhellen Stimme und ihrem Charme nicht nur ihre drei Kollegen, sondern auch das Publikum um den Finger.

Niemand spielt sich in den Vordergrund

Im Quartett spielt sich keiner in den Vordergrund, da erhält jeder seine großen Momente. Das harmoniert stimmlich, das ist rhythmisch fein abgestimmt und köstlich in Szene gesetzt, wenn sich die vier gut gelaunt anfrotzeln: „Wenn’s mal schräg klingt, war’s ein Jazzakkord.“ Dass die Stellung der Frau in der Gesellschaft in jenen Zeiten eine andere war als heute, dessen sind sich Ela und die Herzensbrecher durchaus bewusst. Die Moralvorstellungen der 50er und 60er Jahre hielten Jeanshosen für verwerflich und ließen Frauen gerade mal zwei Fragen, mit denen sie sich auseinandersetzen durften: „Was soll ich anziehen? Was soll ich kochen?“ Ela Kirchner bricht eine Lanze für die Emanzipation: „Wir schauen mit einem Augenzwinkern auf das Frauenbild jener Jahre zurück. Ich singe diese Lieder natürlich als Frau, die 2024 lebt, die selbstbewusst im Leben steht und die eine Menge Rechte hat, die die Damen damals nicht hatten.“

Ela und die Herzensbrecher leben vom Publikum, das groovend, textsicher und aus tiefster Seele beim „Dubdubdua“, „Uhuhuhu“ und „dabadabab“ bei der Sache ist. Da wird geschnippt, gewippt, mit „Juanita Anita“ ein Klangteppich ausgerollt und ungefragt der „Everybody-now-Chorus“ bei „Marmor, Stein und Eisen bricht“ angestimmt. Kein Wunder, dass die Combo das Esslinger Premierenpublikum vom Fleck weg als Stimmungsgaranten für die nächsten Live-Auftritte verpflichten will.

Das Konzert mit „Ela und den Herzensbrechern“ macht deutlich, dass nostalgische Schlager trefflich taugen als Flucht aus dem grauen Alltag in eine heile Welt, in der Sorgen und Nöte für eine kurze Zeit vergessen sein dürfen. Dieser Abend ist ein klares „Ja!“ zum Eskapismus – die Welt wird dann eben morgen wieder gerettet.

Auch Herzensbrecher haben Herzklopfen

Lampenfieber
Selbst erfahrene Bühnenprofis wie die Herzensbrecher leiden noch unter Auftrittsängsten: „Die Vorfreude überwiegt. Trotzdem kriege ich regelmäßig eine Woche vor einem Konzert ein psychosomatisches Halskratzen. Und eine halbe Stunde vor dem Auftritt packt mich die Panik: Ich kann da unmöglich rausgehen. Aber sobald das erste Lied anfängt, ist alles gut“, erzählt die Frontfrau Ela Kirchner.

Auftritte
Am 14. Februar gibt es ein Spezialkonzert zum Valentinstag mit Ela und den Herzensbrechern in der Schatzkiste in Schorndorf. Am 28. März gastiert das Quartett mit seinen 50er- und 60er-Jahre-Schlagern im Schlachthofbräu in Nürtingen. Und am 5. Mai schwingen sie sich hoch hinauf und gastieren auf dem Stuttgarter Fernsehturm.

Weiteres unter
www.ela-herzensbrecher.de