Spurensuche zwischen historischen Tasteninstrumenten Foto:  

Die dritte Auflage des Stuttgarter Mitmachkrimis „Mord im Museum“ spielt zwischen historischen Instrumenten. Wieder sind die meisten Vorstellungen schon ausgebucht.

Stuttgart - Um die Zicke ist es eigentlich nicht schade. Leblos liegt sie oben im Künstlerzimmer, und es gibt niemanden unten im Saal, der nicht froh ist, dass Konstanze, 52 und bis zum Erbleichen recht gut erhalten, endlich ihre fiese Klappe hält. Der Pianist, der Klavierstimmer, die betrogene Freundin, der Manager, die Putzfrau, ja sogar die Sängerin des Abends, die, noch bevor sie die traurige g-Moll-Arie Paminas aus Mozarts „Zauberflöte“ anstimmen konnte, über der Nachricht vom Tod ihrer Mutter ohnmächtig dahinsank: Sie alle könnten beim Ableben der bösen Dame ihre Finger im Spiel gehabt haben. Aber wer war’s wirklich? Wer hat’s getan?

Weil die Polizei – Servicewüste Deutschland! – einfach nicht kommen will, hat das Publikum Zeit genug für eigene Recherchen. Klar, es könnte wütend sein Geld für das verpatzte Konzert zurückfordern. Macht es aber nicht. Stattdessen rennt es dem Landesmuseum die Türen ein: Auch in seiner dritten Auflage, die unter dem Titel „Die Koloratur des Todes“ das Musikinstrumentenmuseum Fruchtkasten zwischen Keller und drittem Stock bespielt, scheint „Mord im Museum“ die Erfolgsgeschichte seiner zwei Vorgänger fortzuschreiben: Bis Ende Mai sind alle Vorstellungen ausverkauft. Es kommen ältere Menschen ebenso wie junge, manchmal buchen sogar Firmen ganze Vorstellungen – sozusagen als Alternative zu teambildender Erlebnispädagogik. Viele der Besucher waren noch nie zuvor im Haus der Musik, für manchen mag das Mitmachtheater mit seiner Mischung aus Schatzsuche, „Cluedo“ und Escape Room ein Türöffner sein. Mord als Vermittlungsangebot: Das ist eine wirklich gute Idee – und so speziell, dass immer wieder Mitarbeiter anderer Häuser nach Stuttgart kommen, um sich von diesem Erfolgsformat etwas abzugucken.

Der Plot, den zum dritten Mal Kerstin Manz-Kelm erdacht hat, ist gut, schlüssig und oft auch witzig. „Tot sind mir die Menschen einfach lieber“, sagt die Pathologin unten im Keller und wirft ihrem Waldi unter dem Seziertisch zu, was bei Untersuchungen kalter Körper halt so übrigbleibt. Zwei Stockwerke weiter oben schmeißt sich Linda von der Escort-Agentur Erika dem Klavierstimmer Adam an den Hals. Der schmierige Manager des Hauses streift telefonierend treppauf, treppab. Überall finden sich Indizien: Fingerabdrücke, Blutspuren, Rechnungen, Schlaftabletten, eine zerrissene Postkarte. Aber wer ist der Mörder? Wie wurde Konstanze umgebracht? Und was genau ereignete sich in der halben Stunde vor ihrem Tod?

Spurensuche zwischen Doppelflügel, Hackbrett und Kuhglockenklavier

Die Schauspieler rund um die Sopranistin Nora B. Hagen – Kati Schweitzer, Tobias Wagenblaß, Ute von Stockert, Rüdiger Ewald, Kerstin Manz-Kalm sowie der Pianist und Akkordeonist Bernhard „Böny“ Birk – agieren mit einer Lust und Hingabe, die sich mitteilt. In den Gruppen, denen die Zuschauer gleich anfangs zugeordnet werden, entsteht schon wettbewerbsbedingt eine schöne Dynamik. Und auch wenn Mitarbeiter des Museums angesichts der Nähe der Ermittlerteams zu wertvollen alten Instrumenten gelegentlich Blut und Wasser schwitzen mögen: Die Spurensuche zwischen historischem Doppelflügel, reich verziertem Hackbrett und kuriosem Kuhglockenklavier schafft eine ganz eigene Atmosphäre. „In allen Szenen“, betont Silke Röttgers, die Initiatorin des Spektakels, „spielt Musik eine Rolle.“ In Privatführungen durch das Haus hat sich Kerstin Manz-Kelm Ideen für ihre Story geholt, und „Die Koloratur des Todes“, sagt sie, „ist unser logischster Fall.“

Trotzdem haben bei der Premiere nur zwei Gruppen den richtigen Riecher für Täter, Mordwaffe und Tathergang; sie dürfen sich zur Belohnung an der Bar ein Freigetränk abholen. Ja, und wer hat’s nun getan? Ein Tipp, ohne zu viel zu verraten: Der Mörder war nicht der Gärtner.

Für die Vorstellungen im Herbst (12./13. September, 7./8. November) und am 9. Mai gibt es noch Restkarten unter www.landesmuseum-stuttgart.de oder an der Museumskasse im Alten Schloss.

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