Dietmar Allgaier, Pierre-Enric Steiger und Jochen Haas (von links) wollen den VfB Stuttgart in die Zukunft führen. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Am Samstag stimmen die Mitglieder des Fußball-Bundesligisten darüber ab, wer Präsident wird – aber nicht nur. Wir erklären, wie die Stimmabgaben im Superwahljahr über die Bühne gehen.

Stefan Biehl ist es gewohnt, mit Paragrafen umzugehen. Das gehört zu seinem Job als Staatsanwalt, und normalerweise beschäftigt er sich von Berufs wegen mit komplexeren juristischen Sachverhalten als dem Wahlverfahren beim VfB Stuttgart vor der Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten an diesem Samstag (11 Uhr) in der Schleyerhalle. Doch im Vorfeld der Superwahl-Veranstaltung musste sich auch Biehl in seinem Ehrenamt als Mitglied des Wahlausschusses tief in die Satzung einarbeiten, um das Prozedere möglichst einfach zu erklären. Denn insgesamt stehen drei Wahlen (Präsident, Präsidium und Vereinsbeirat) an – und diese weisen Besonderheiten auf.

 

Vorauszuschicken ist, dass der neue Präsident sowie die zwei weiteren Präsidiumsmitglieder 2025 einmalig für fünf Jahre gewählt werden, der Vereinsbeirat jedoch – wie ursprünglich in der Vereinssatzung für alle Gremien festgeschrieben – für vier Jahre. Eine Satzungsänderung hat diesen Rhythmuswechsel ermöglicht, um eine weitere Ballung an Wahlen in Zukunft zu vermeiden.

Erläuterungen zur Satzung

So weit, so gut. Nach dem sorgfältigen Auswahlverfahren des neunköpfigen Wahlausschusses unter dem Vorsitz von Oliver Schaal und seinem Stellvertreter Biehl stellen sich jetzt der Interimspräsident Dietmar Allgaier sowie Jochen Haas und Pierre-Enric Steiger den VfB-Mitgliedern als Präsidentschaftskandidaten zur Wahl. Um das Vorgehen verständlich zu machen, hat Biehl den Ablauf visualisiert, beim vereinseigenen Diskussionsformat Dunkelroter Tisch Spezial vor wenigen Wochen präsentiert, und seit Kurzem steht die Erklärung zum Abstimmungsverfahren den Vereinsmitgliedern auch als Video zur Verfügung.

Dabei steht in der VfB-Satzung zur Präsidentenwahl: „. . . bei mehreren vorgeschlagenen Kandidaten ist derjenige gewählt, der die Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereint.“ Dafür braucht die Person zunächst mehr Ja- als Nein-Stimmen. Aber: „Wenn mehrere Kandidaten diese Mehrheit erreichen, ist unter diesen derjenige gewählt, der die meisten Ja-Stimmen erreicht hat“, erläutert Biehl die Satzung.

Am Ende drückt das größte Balkendiagramm bei den Ja-Stimmen auf den Videoleinwänden in der Schleyerhalle den Wahlsieg aus. Denn die Mitglieder haben das Recht, für jeden Kandidaten mit Ja, Nein oder Enthaltung zu stimmen. Dadurch ergeben sich mehrere Kombinationsmöglichkeiten. So kann beispielsweise sowohl Kandidat eins als auch Kandidat zwei eine Ja-Stimme gegeben werden, und als Drittes kreuzt man Enthaltung an. Eine nicht abgegebene Stimme gilt in diesem Fall als Enthaltung. Schließlich wird ausgewertet. Kommt ein Kandidat auf mehr Nein- als Ja-Stimmen, scheidet er aus. Unter den verbliebenen Kandidaten entscheidet die größere Anzahl der Ja-Stimmen.

„Anders sieht es beim Wahlsystem für das Präsidium aus“, sagt Biehl. Die Präsidiumsmitglieder werden laut Satzung „in Einzelwahl mit relativer Mehrheit gewählt“. Bedeutet: Die zwei Personen sind gewählt, die jeweils die meisten Stimmen auf sich versammeln. Im konkreten Fall hat der Wahlausschuss eine Liste mit den fünf Bewerbern für die zwei Sitze im Präsidium erstellt. Das sind Bernadette Martini sowie Andreas Grupp (aktuell im Präsidium), Stefan Jung, Michael Reichl und Bertram Sugg.

Wer wird Stimmenkönig?

Jedes Mitglied verfügt nun über zwei Stimmen und kann diese auf die fünf Nominierten verteilen. Es kann auch nur eine Stimme vergeben werden. Beide Stimmen auf einem Kandidaten zu vereinen geht allerdings nicht – und am Ende wird wieder gezählt. Die beiden Personen mit dem größten Zuspruch ziehen in das Präsidium ein.

Die Wahl des Vereinsbeirats erfolgt getrennt nach Gruppen in Einzelwahl. Es geht hier um „Sport und Verein“, „Mitglieder und Fans“, „Wirtschaft und Gesellschaft“ – und die jeweiligen Stimmenkönige. Für die ersten beiden Säulen stehen jeweils fünf Bewerber auf der Liste: Werner Gass, Kai Lechner, Marc Nicolai Schlecht, Peter Schmid und Christof Seeger („Sport und Verein“) sowie Jens Baierschmitt, Christian Döring, Peter Kämmer, Frank Maurer und Rainer Weninger („Mitglieder und Fans“).

Für „Wirtschaft und Gesellschaft“ sind es Michael Astor, André Bühler, Ulrich Henssler, Nico Lauxmann, Timo Theobald und Eberhard Herzog von Württemberg. Hier wird gruppenweise abgestimmt. Maximal drei Stimmen können jeweils abgegeben werden. Die drei Bewerber mit den meisten Stimmen ziehen für den angegebenen Bereich schließlich in den Vereinsbeirat ein.