Seite 2Miterfinder des Gin Monkey 47 700 Rohstoffe destilliert: Vom Enzian bis zum Trüffel

Von Alexander Ikrat 

Dem Vater eines 18 Jahre alten Sohnes und einer 16-jährigen Tochter geht es um anderes. „Der Punkt ist: Ich kann es nicht mehr besser, als ich es jetzt habe“, sagt Keller, der seine „Geschichte für auserzählt“ hält. Hunderte von Preisen bei der Destillata in Wien oder den Prämierungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft hat er errungen, weil er tagelang Vogelbeeren sammelte und von den Dolden rebelte, um schließlich Maische für eineinhalb Liter Destillat zu haben, weil er Türkenkirschen – eigentlich Wildpflaumen – einzeln in der Hand zerquetschte, damit kein Kern platzt, was den Geschmack verändern würde. „In meiner Situation übernimmt irgendwann die Routine, und die Sorgfalt droht abzunehmen“, analysiert Keller, „das will ich vermeiden.“

Der Mann hat rund 700 Rohstoffe destilliert, darunter Sibirische Moosbeere, Gelber Gebirgsenzian oder Schwarzer Trüffel. Er brachte 400 Destillate auf den Markt, von denen jetzt, da er nicht mehr brennt, sondern bis zum 31. Dezember das Lager ausverkauft, noch rund 250 Raritäten erhältlich sind. Er hat Absinth, Aquavit, Whisky und Rum gemacht und vor allem mit dem Stuttgarter Alexander Stein den Gin Monkey 47 entwickelt, an dessen Entstehungsgeschichte die Stuttgarter Nachrichten beteiligt waren. Denn Steins Vater, der in Weinstadt-Großheppach einst die Privatbrennerei Jacobi mit der Weinbrandmarke Jacobi 1880 betrieben hatte, las in unserer Zeitung vor fast zehn Jahren ein Porträt von Keller. Er zeigte es seinem Sohn, der sich auf den Weg ins Hegau machte und mit Keller ins Geschäft kam. Die Geschichte ist bekannt: Der Monkey 47 von Steins Firma Black Forest Distillers wird nur drei Jahre später auf der Oscar-Verleihung der Spirituosenproduzenten, der International Wine & Spirit Competition in London, zum besten Gin der Welt gekürt. Heute gibt es ihn in 120 Ländern, darüber hinaus hat der Affe eine wahre Gin-Euphorie ausgelöst: Rund 2500 Gins gibt es allein in Deutschland. 2016 stieg der französische Alkoholkonzern Pernod Ricard ein; Monkey 47 wurde endgültig zur Weltmarke.

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