Sportliches Duo auf zwei Rädern: Max Hahnsch und sein Großvater Ludwig Foto: privat

653 Kilometer in sechs Tagen: Max Hahnsch und sein Großvater Ludwig Hahnsch sind von Lehrte mit dem Rennrad nach Alfdorf geradelt.

Die Berge in der Rhön, vor allem die höchste Erhebung, die rund 950 Meter hohe Wasserkuppe, die mit 18 Prozent Steigung aufwartet, hat Max Hahnsch aus Alfdorf in den Beinen gespürt. Doch der Zwölfjährige hat sich durchgebissen. Zusammen mit seinem Opa Ludwig Hahnsch, 76 Jahre, pensionierter Erster Polizeihauptkommissar und ehemaliger Radrennfahrer, ist er von dessen Wohnsitz in Lehrte im Kreis Hannover zu sich nach Hause in den Rems-Murr-Kreis gestrampelt. 653 Kilometer und 4000 Höhenmeter haben sie in sechs Tagesetappen auf ihren Rennrädern bewältigt.

 

Max geht ins Hans-Baldung-Gymnasium in Schwäbisch Gmünd mit Sportprofil für „bewegungstalentierte“ Schülerinnen und Schüler und spielt Fußball bei der U13 der Stuttgarter Kickers in der D-Junioren Talentrunde. Sein Großvater Ludwig Hahnsch ist früher Radrennen gefahren, im Bahnradvierer auch mal um die deutsche Meisterschaft, und strampelt heute noch dreimal pro Woche jeweils um die 100 Kilometer durch das Hannoversche Umfeld. Sein Sohn Sven, der Vater von Max, war ebenfalls Radrennfahrer und später als „Tight End“ und „Fullback“ für die Braunschweig Lions in der German Football League erfolgreich.

An Pfingsten nach San Marino gestrampelt

Durch alle Hahnsche Sportgenerationen hinweg zieht sich die Leidenschaft für das Radfahren, denn auch Max ist, wenn er nicht gerade seinem Lieblingssport Fußball nachgeht, häufig mit seinem Mountainbike im Alfdorfer Dirtpark zu finden. Seine Feuertaufe für die Mammuttour quer durch Deutschland hat er in den Pfingstferien bestanden. Mit seinem Vater und seinem Opa ist er im Urlaub auf Rennrädern von Cattolica an der italienischen Adriaküste nach San Marino gestrampelt.

Nach den rund 86 Kilometern habe ihm sein Hintern höllisch weh getan, gesteht Max. Er habe vor dem Start in Lehrte ein wenig Sorge wegen der Kehrseite seines Enkels gehabt, erzählt Opa Ludwig Hahnsch augenzwinkernd. „Ich habe ihn in den ersten Tagen unserer Deutschlandtour immer mal wieder gefragt, wie es seinem Hintern geht, und er meinte, alles sei okay.“

Es sei deutlich besser als auf der Tour nach San Marino gewesen, ergänzt Max grinsend. Sein Hintern habe sich ziemlich schnell an die Strapazen gewöhnt, die Beine seien eher das Problem gewesen. „Aber der Muskelkater am Morgen war nach ein paar Kilometern im Sattel immer weg.“ Anstrengender sei die Hitze gewesen, erklärt der Bub. „Es gab schon Momente, in denen ich bei 40 Grad keinen Bock mehr hatte.“

Einmal fast im Graben gelandet

Doch Max ist weiter tapfer in die Pedale getreten. Auch nach der einen kritischen Situation, die er bei einer Abfahrt erlebt hat. „An einem Hubbel vor einer Kurve wäre ich beinahe abgehoben und im Graben gelandet.“ Schöne Ecken und viel Natur habe er gesehen, erzählt der Zwölfjährige. „Aber auch viele tote Tiere und einen Einkaufswagen in einem Bach.“

Zwischen viereinhalb und sechseinhalb Stunden sind der Opa und sein Enkel täglich im Sattel gesessen. Im Schnitt haben sie etwas mehr als 100 Kilometer am Tag zurückgelegt, bevor sie sich in den zuvor gebuchten Hotelzimmern nach einem Kohlehydratreichen Abendessen zur Ruhe gelegt haben. So oft wie möglich haben sie die großen Verkehrsstraßen gemieden und sind auf asphaltierte Nebenstrecken ausgewichen. Die Berge in der Rhön konnten sie nicht umfahren.

Max hat 30 Prozent mehr Lungenvolumen als der Durchschnitt

Ludwig Hahnsch, der die Strecke festgelegt hatte, war vor den höchsten Erhebungen auf der Strecke ein wenig bange gewesen. Doch Max hielt eisern durch. „Er hat definitiv das Talent für Ausdauersportarten“, sagt sein Großvater und erzählt, dass bei einem Lungenfunktionstest bei den Stuttgarter Kickers festgestellt wurde, dass sein Enkel über 30 Prozent mehr Lungenvolumen verfügt als der Durchschnitt. „Wer das hat, ist prädestiniert für Konditionssportarten. Er könnte auch Marathon laufen.“

Auf dem Zielfoto am Alfdorfer Ortsschild strahlen Opa und Enkel in die Kamera. Das Motiv sei Tradition in der Familie, erzählt Sven Hahnsch. „Am Ortsschild haben mein Vater und ich nach unseren Touren früher auch immer aufgestellt. Allerdings haben wir uns auf den letzten zweihundert Metern immer einen Zielsprint geliefert.“ Auf das Wettrennen haben Opa Ludwig und Enkel Max verzichtet, sie sind Seite an Seite in Alfdorf angekommen.

Im kommenden Jahr soll’s über die Alpen gehen

Max Hahnsch will immer noch Fußballprofi werden, doch die Radtour mit seinem Großvater hat ihm großen Spaß gemacht. Opa und Enkel planen auch schon die zweite große Ausfahrt. „Max hat gesagt, dass er im nächsten Sommer mit mir zusammen über die Alpen radeln will. Also machen wir das“, sagt Ludwig Hahnsch.