Radfahren im Winter kann ein Genuss sein, behauptet unser Kolumnist KNITZ – und warum hin und wieder eine Panne nicht schlecht fürs Image ist.
Nein, dieser Winter, wenn man den wetterwendischen Kerl überhaupt so nennen mag, meint es nicht gut mit KNITZ.
Irgendwann im Dezember, als Schnee angekündigt war, hat KNITZ sein Fahrrad auf Spikes umgerüstet, Sie wissen schon, auf Reifen mit Nägeln. Doch dann lag er flach, noch bevor er losfahren konnte. Dicker Hals, leichtes Fieber. Nix Tragisches, aber halt so, dass man ruhig halten und sich nicht in den Kampf mit der Natur begeben sollte.
Winterreifen aus dem Sommerschlaf geholt
Jetzt aber, dachte KNITZ, als in diesen Tagen das Thermometer abermals in den Keller rutschte und es zu schneien anfing. Wieder die Spikes aus dem Sommerschlaf geholt. Es ging auch alles gut, bis ihm mitten im Wald bei Kilometer 20 die Luft ausging. Nicht KNITZ, wo denken Sie hin! Dem Reifen natürlich!
So ein Platten ist an sich kein Beinbruch, die Unterbrechung dauert nicht viel länger als ein Boxenstopp bei der Formel 1. Schnellspanner auf, Rad runter, Schlauch auswechseln, aufpumpen, Rad drauf, Schnellspanner zu – weiter geht’s.
So läuft das im Idealfall. Doch dieses Mal wollte der Idealfall nicht eintreten und der Mantel ums Verrecken nicht auf der Felge bleiben. So was hat KNITZ in seiner langen Karriere als Berufsradfahrer noch nie erlebt! Er tippt auf Materialermüdung des Mantels. Genaueres kann er erst nach einer kriminaltechnischen Untersuchung sagen.
Nun ist es so, dass auch ein Totalausfall seines Fahrrads auf dem Weg zur Arbeit nicht schlimm ist. Meist ist eine S-Bahn- oder Stadtbahn-Haltestelle in der Nähe. Bis auf ein paar Kilometer, in denen er einen Wald durchqueren muss. Und just da, also genau in der Mitte, hat es ihn erwischt.
Die Menschheit ist besser als ihr Ruf
Doch wie so oft im Leben, wenn man in der Not ist, merkt man erst, wie freundlich und fürsorglich doch die meisten Mitmenschen sind. Kein Radler ist an KNITZ vorbeigefahren, der ihm nicht Hilfe angeboten hätte. Eine Frau mit Auto wollte ihn sogar mitnehmen, aber da hatte er noch Hoffnung, dass er die Sache in den Griff bekommt. Und dann wäre da noch ein freundlicher Busfahrer zu erwähnen, der KNITZ eigentlich hatte gar nicht transportieren dürfen, weil Fahrräder in Bussen tabu sind. Aber der gute Mann hatte ein Einsehen: „Ich habe ja gerade jede Menge Platz. Steigen Sie ein!“
Noch eine Bemerkung zum Radfahren bei Eis und Schnee: Manche Leute wundern sich, manche schütteln den Kopf. KNITZ ist davon überzeugt, dass das Risiko mit guter Bereifung kalkulierbar ist. Eine Ausfahrt an einem sonnigen, kalten Wintertag mit festgefahrener Schneedecke beim Bärensee wird ihm ewig in Erinnerung bleiben.
Und dann natürlich – aber das bleibt jetzt bitte unter uns – der Auftritt in der Redaktion, wenn draußen Schnee liegt und ein eiserner Wind pfeift. „Aber heute bist du doch nicht mit dem Rad da, oder?!“ – „Doch“, sagt KNITZ und versucht ein Lächeln, das er sich bei Daniel Craig als James Bond abgeschaut hat, „bei schönem Wetter Fahrrad fahren kann schließlich jeder.“
Wenn man dann noch mit dem Fahrrad unterm Arm ankommt und das Erlebnis kurz zuvor auf Facebook gepostet hat, ist ein Applaus das Mindeste, was man beim Eintreffen in der Redaktion erwarten darf.