Der Experte Jens Häußler weiß, was man gegen Misteln tun kann. Foto: Ines Rudel

Misteln werden zu einem immer größeren Problem für die Streuobstbäume. Doch wie wird man die grünen Pflanzen am besten los? Ein Experte gibt Tipps.

Owen - In den vergangenen Jahren haben sie sich „ganz extrem“ vermehrt, klagt Thomas Rabel. Der Landwirt aus Owen (Kreis Esslingen) bewirtschaftet rund zehn Hektar Streuobstwiesen und kämpft schon seit Längerem gegen die ungeliebten Gewächse auf seinen Bäumen. „Von den befallenen Bäumen kommt kaum noch ein Obstertrag runter“, erklärt er. Misteln seien zwar auch schon früher auf den Bäumen gewachsen.

Doch während einst vor allem alte und schwache Bäume von den Halbschmarotzern befallen waren, sind es inzwischen auch junge Bäume, auf denen sie sich breit machen. „Sie vermehren sich explosionsartig“, berichtet Rabel.

Was Streuobstwiesenbesitzer gegen die Pflanzen tun können, das weiß Jens Häußler, der Leiter des Bereichs Streuobst bei der Obst- und Gartenbauberatung des Landkreises Esslingen. „Die Mistelproblematik gibt es erst seit ein paar Jahren“, sagt er. Vermutlich hängt die starke Verbreitung in den vergangenen Jahren damit zusammen, dass immer weniger Streuobstwiesen gepflegt werden und sich die Halbschmarotzer dadurch ungestört verbreiten konnten.

Nur eine Mistelart ist geschützt

„Früher hat jeder noch seine Bäume geschnitten und die Misteln dabei entfernt“, meint Häußler. Dass die Misteln pauschal unter Schutz stünden und deshalb nicht entfernt werden dürften, sei ein Gerücht, betont der Streuobstexperte. Lediglich eine spezielle Mistelart, die auf Nadelhölzern wachse, sei geschützt. Häußler empfiehlt, die Misteln zu entfernen, sobald sie auf einem Laubbaum entdeckt werden. Sie würden sich nämlich sonst schnell weiter über den Baum verbreiten. Darüber hinaus könne Vogelkot zur Verbreitung der Misteln führen.

Weil die Mistel in den Baum hineinwächst, ist für eine dauerhafte Entfernung wichtig, auch das Holz, aus dem die Mistel herausgewachsen ist, wegzuschneiden. Oft sei es sinnvoll, befallene Äste gleich ganz zu entfernen, rät der Experte. Die Mistel greift nämlich so viele Nähstoffe ab, dass nach ihr kaum noch Obst auf dem Ast wächst. Wer den Ast aber nicht gleich ganz absägen möchte, kann die Misteln auch einfach abbrechen. Dann kommen die Halbschmarotzer im nächsten Jahr an der gleichen Stelle aber wieder. Werden die Misteln nicht entfernt, verbreiten sie sich auf dem befallenen Baum immer weiter und entziehen ihm Nährstoffe. Hinzu kommt, dass die Schmarotzer durch ihre Oberfläche die Gefahr erhöhen, dass Äste durch Schnee oder Wind abbrechen.

Die Misteln werden gesammelt und verkauft

Dass der Streuobstexperte des Landkreises am Samstag nach Owen gekommen ist, um die örtlichen Streuobstwiesenbesitzer über die besten Methoden zur Mistelentfernung zu informieren, ist freilich kein Zufall. Die Gemeinde bemüht sich seit Jahren, die Kulturlandschaft um sie herum zu erhalten. „Die Idealisten, die auf der Streuobstwiese arbeiten, werden weniger“, hat auch die Bürgermeisterin Verena Grötzinger beobachtet. Sie finde es aber wichtig, dass die Streuobstwiesen erhalten bleiben. Vom 5. bis zum 22. November sind Streuobstwiesenbesitzer in Owen deshalb dazu aufgerufen, möglichst viele Misteln von ihren Bäumen zu entfernen und diese beim örtlichen Bauhof abzugeben. Dort werden sie gesammelt und am 23. November von Kindergärten und Schulen bei „Owen leuchtet“ zum Verkauf als Vorweihnachtsdekoration verkauft.

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