Nach einem Zeugenaufruf wegen eines Missbrauchsverdachts im Schwimmbad meldeten sich mehrere Opfer. Es geht nun um mehrere Hundert Fälle von Missbrauch. Foto: Sina Schuldt/dpa

Nach der Festnahme eines 84-Jährigen in einem Schwimmbad in Bad Cannstatt kommen Hunderte Fälle ans Licht. Die Polizei hat erste Erkenntnisse.

  Offenbar hat ein 84-jähriger Mann aus der Region Stuttgart über viele Jahre hinweg vor allem Kinder im eigenen familiären Umfeld missbraucht. Das sind die ersten Erkenntnisse der Polizei nach der Verhaftung des Tatverdächtigen. Die Vielzahl der Fälle war aufgrund eines Zeugenaufrufs nach einer Anzeige im Februar gegen den Mann ans Licht gekommen.

 

Zeugen melden sich: Verdacht von mehreren Hundert Missbrauchsfällen

Der Mann war vor einer Wochen festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht worden, weil sich die Hinweise gegen ihn häuften. Er war im Februar angezeigt worden, weil er ein Kind in einem Cannstatter Schwimmbad belästigt hatte. Durch den Zeugenaufruf meldeten sich weitere Betroffene und die Polizei erkannte das Ausmaß: Es geht offenbar um mehrere Hundert Fälle.

Noch stehen die Ermittelnden der Stuttgarter Kriminalpolizei ganz am Anfang der Aufklärung. Aber so viel ist bereits klar: Die Taten des Mannes haben sich über mehrere Jahre hingezogen, ohne dass er erwischt worden war. Denn als er im Februar nach dem Belästigungsfall im Cannstatter Bad gefasst wurde, hatte es geheißen, dass er keine einschlägigen Vorstrafen habe.

Ganz genau äußert sich die Polizei dazu nicht. Aber die gemeldeten Fakten ergeben ein eindeutiges Bild: Wenn nach der Festnahme im Februar die weiteren Fälle bekannt wurden, dann haben sich die missbrauchten Familienmitglieder oder deren Angehöre erst nach dem Bekanntwerden des Falles im Solebad Cannstatt der Polizei offenbart.

Polizei klärt auf: Wenige Missbrauchs-Opfer, aber viele Taten über Jahre

Welche Delikte der Mann genau begangen haben soll, wie viele Kinder Opfer wurden und wie alt sie waren: All diese Details lässt die Polizei aufgrund der laufenden Ermittlungen noch nicht durchblicken. Nur so viel ist zu erfahren: Es habe keine enorm hohe Zahl an Opfern gegeben. Sprich die Angabe „mehrere Hundert Taten“ bedeute nicht, dass extrem viele Kinder missbraucht worden sein sollen - sondern ein paar immer wieder im Laufe der Jahre, so kam dann die hohe Zahl der Fälle zustande, die nun überprüft werden.

Die Polizei ist froh, dass viele dem Zeugenaufruf folgten

Für die Polizei hat der Fall trotz der Schwere und der Tragweite auch einen positiven Aspekt - jenseits der Taten, im Bezug auf die Ermittlungen: „Es zeigt sich, dass der Zeugenaufruf sich gelohnt hat. Dadurch kam ans Licht, dass die Tat im Schwimmbad wohl eine große Vorgeschichte hat.

Im Februar soll der damals noch 83 Jahre alte Mann eine 10-Jährige sexuell bedrängt haben. Das Kind war mit ihren Eltern in dem Bad. Der Mann warf ihr einen Wasserball zu und brachte sie durch das Ballspiel dazu, sich von ihren Eltern zu entfernen. Er wurde beim Übergriff entdeckt und die Polizei nahm ihn noch im Schwimmbad fest. Damals kam er nach der Anzeigenaufnahme wieder auf freien Fuß. Als nun die weiteren, zurückliegenden Vorwürfe bekannt wurden, erließ ein Richter Haftbefehlt gegen den Mann.